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Letzte Zuflucht


Letzte Zuflucht

Ein Sam Acquillo-Roman
Sam Acquillo, Band 1 Deutsche Erstausgabe

von: Chris Knopf, Stefan Linster

7,99 €

Verlag: Spraybooks Publishing
Format: EPUB
Veröffentl.: 11.08.2017
ISBN/EAN: 9783945684313
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 384

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Sam Acquillo ist am Ende. Der Aussteiger mittleren Alters lebt in den Hamptons im baufälligen Häuschen seiner verstorbenen Eltern, hat Freunde, Familie und einen hochdotierten Job hinter sich gelassen, um nur noch auf seiner Veranda zu sitzen, Wodka zu trinken und kontemplativ auf die Little Peconic Bay hinauszuschauen.

Als dann die alte Dame von nebenan tot in ihrer Badewanne gefunden wird, scheint sich nur Sam über den Grund dafür Gedanken zu machen. Der ausgebrannte, kaputte und zynische ehemalige Ingenieur, Profi-Boxer, liebevolle Vater und Ehemann deckt fast gegen seinen Willen Geheimnisse auf, von deren Existenz niemand auch nur eine Ahnung hatte, am allerwenigsten Sam.

In dieser Geschichte um Geld und Mord kreuzen eine ganze Reihe höchst skurriler Typen den Weg des misanthropischen Sam: Eine schöne Bankerin, ein kiffender Anwalt, ein glupschäugiger Fischer und ein schwuler Milliardär gesellen sich zu der ohnehin bunten Schar aus Cops, Gangstern und Lokalberühmtheiten.
Sam Acquillo ist am Ende. Der Aussteiger mittleren Alters lebt in den Hamptons im baufälligen Häuschen seiner verstorbenen Eltern, hat Freunde, Familie und einen hochdotierten Job hinter sich gelassen, um nur noch auf seiner Veranda zu sitzen, Wodka zu trinken und kontemplativ auf die Little Peconic Bay hinauszuschauen.

Als dann die alte Dame ...
Chris Knopf führt ein Doppel (oder Triple)-Leben. Er ist Mitinhaber einer Werbeagentur, Mitinhaber von PERMANENT PRESS und sehr erfolgreicher Autor mehrerer Krimiserien, die hauptsächlich in den Hamptons spielen, einer Gegend, die eben nicht nur eine Enklave der Reichen, Gierigen und Schönen aus New York ist, sondern (off season) unendlich viel spannender, vielschichtiger und melancholischer. Umgeben von atemberaubender Küste und wildem Meer, leben dort Menschen, die den Kampf mit Armut, Wasser und Sturm gewöhnt sind. Der „Einbruch“ der New Yorker Schickeria hat viel verändert, aber die Struktur ist dennoch erhalten geblieben und sowie im September die Sommergäste verschwinden, funktionieren wieder die alten Regeln der „Eingeborenen“.
Wenn man viel allein ist, verlernt man das Reden. Die Worte entstehen natürlich weiter im Kopf, aber die Mechanik rostet ein. Deswegen hatte ich mir einen Hund angeschafft. So konnte ich laut sprechen, ohne Selbstgespräche zu führen. Die Vorstellung, in dem kleinen Haus mit Gott oder leblosen Objekten oder meinen toten Freunden und meiner Familie zu reden, hatte etwas Verstörendes. Eddie kam aus dem Tierheim und sollte vergast werden, deshalb war er wohl bereit, mir klaglos zuzuhören, wenn auch manchmal nur mit halbem Ohr. Andere Lebewesen haben’s schon schlimmer erwischt.

Meistens funktionierte es so ganz gut. Allerdings ließen sich weder Gott noch tote Freunde oder meine Familie ganz davon abhalten, mich auf meiner verglasten Veranda mit Einzelheiten meiner beträchtlichen Latte von Fehlern und Irrtümern zu piesacken – meist am frühen Morgen, wenn der Wodka durch mein Nervenkostüm rauschte, mich schlagartig weckte, mein Magen in Flammen stand und mir das Herz bis zum Hals schlug.

Eddies Reich war der halbe Morgen Rasen, der Reginas Haus von meinem trennte, so wie der schmale Streifen Kieselstrand an der Peconic Bay. Eddie kontrollierte regelmäßig das Terrain, die Nase dicht am Boden, den Schwanz in die Höhe gereckt wie ein Großsegel. Gelegentlich bumste er Tennisbälle, die ich ihm mit dem Baseballschläger servierte, der sonst neben der Seitentür lehnte. In den Hartholzgriff war der Namenszug Harmon Killebrew eingebrannt. Mein Vater hatte den Schläger früher im Kofferraum des Grand Prix verstaut, um für alle Fälle von Gewalt im Straßenverkehr gewappnet zu sein.

Die meisten Bälle rollten Richtung Strand. Manche flogen übers Blumenbeet in Reginas Hof. Eddy reagierte kaum auf Regina, behielt sie aber im Auge, wann immer sie ihre zerrupften Blumen bearbeitete. Sie hatte für uns beide den gleichen herzlichen Grad an Wärme. Wann immer er ihr einen Ball zurückbrachte, kraulte sie ihn hinter den Ohren. Er reagierte mit zögerndem Schwanzwedeln, was ich – zugegeben – niemals tat.

Eines Nachmittags im Herbst 2000 schraubte ich in der Einfahrt am Grand Prix herum – wie immer, wenn die Temperatur über dem Nullpunkt und unter 30 Grad lag. Ich war unterm Auto auf einem Holzbrett, als mir ein Geruch auffiel. Er war stark und merkwürdig genug, dass ich meine Arbeit unterbrach. Dann schien er zu verfliegen, vertrieben von der klaren, trockenen Oktoberluft. Etwa zwanzig Minuten später war er wieder da. Den Schraubenzieher noch auf der Schraube, hörte ich auf zu drehen und schnüffelte. Die Luft hatte etwas Ursprüngliches. Sie erinnerte mich an einen Haufen Laub, den ich mal angezündet hatte und in dem ein totes Eichhörnchen versteckt war. Es roch verdorben, vergammelt.

Ich rollte unter dem Auto hervor, wusch mir die Hände, ging zurück in die Einfahrt und griff mir einen dicken Lappen aus Baumwolle. Ich befahl Eddy im Hof zu bleiben und ging rüber zu Regina. Ich klingelte, aber sie reagierte nicht. Ich umrundete das Haus und versuchte, durch die Fenster hineinzuschauen, aber dichte Spitzenvorhänge verwehrten mir den Blick. Ich ging zur Hintertür und hämmerte gegen den Rahmen. Nichts. Ich rief ihre Namen. Immer noch nichts. Ich wickelte mir den Lappen um die Hand und schlug eine kleine Scheibe in der Küchentür ein. Als ich hineingriff, um aufzuschließen, erwischte mich der merkwürdige Geruch voll, allerdings schien der Ursprung jetzt ganz nah, und es war so intensiv, dass er geradezu Gestalt annahm.

»Verdammt.«

Ich hielt mir den Lappen vor den Mund und ging in ihrem Haus von Zimmer zu Zimmer. Sie lag in der Badewanne. Schwarz und angeschwollen lag sie mit dem Gesicht nach unten im Wasser.

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