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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Blinddate

Ferngesteuert

Bunt isser

Pornostiefel

Lass mich Dein Surfbrett sein

Pascha

Vergeblich

Das Experiment

Bleiche Träume in New York

Was geschieht an Halloween?

Impressum

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

Für den Inhalt und die Korrektur zeichnet der Autor verantwortlich.

© 2017 united p. c. Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-7103-1072-0

ISBN e-book: 978-3-7103-3387-3

Umschlagfoto: Sina Ang

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: united p. c. Verlag

Innenabbildungen: Sina Ang

www.united-pc.eu

Blinddate

Ihr erstes Blinddate der anderen Art hatte Miriam mit ihrer Mutter. Kalt soll es gewesen sein. Wolldecken auf der Station mit den frisch gebackenen Müttern sollten den Versorgungsengpass der VEB Kohlekraftwerke verdecken. Zwischen ihr und ihrer Mutter war es von Anfang an eisig. Was blieb Miriam anderes übrig, als so auf die Welt gekommen, ihre Eisbrecher-Module anzuwerfen um sich ihre eigene Gemütlichkeit zu schaffen? Irgendwie musste sie sich ja an die frostigen Temperaturen gewöhnen. An Hitze dagegen musste sie sich nie gewöhnen, die hat sie gleich gemocht.

Miriam windet sich aus ihrem Schlafsack. Ihr Zelt steht unter einem großen, vor saftig reifen Früchten strotzenden Maulbeerbaum. Anfangs war sie erbost über die nicht bestellte Beerenspende von oben, adressiert an ihr Zelt – sie wollte doch nur ein bisschen Schatten. Mittlerweile ist sie allerdings über den Fruchtsegen nicht mehr verärgert, sondern entzückt: Auf fast schon künstlerische Art hinterlassen die tiefvioletten, heruntergefallenen Beeren viele kleine Farbschatten auf ihrem sonst so tristen kackbraunen Zelt. Hier auf der Mittelmeerinsel wirkt alles so intensiv: die Farben, das Licht und sogar die ersten Sonnenstrahlen am Tag. So intensiv, dass selbst wundersame Verwandlungen im Menschen abzulaufen scheinen. Eigentlich gehört Miriam zu den leidenschaftlichen Langschläfern. Jeden Morgen kämpft sie gegen die Schwerkraft an, nur hier auf der Insel nicht. Es ist 8.00 Uhr am Morgen und Miriam macht, bereits im Bikini vor ihrem Zelt, ihre täglichen Dehnungsübungen. Danach schnappt sie sich ihre Badestola und schlendert zum nahegelegenen Strand. Nicht etwa, dass sie dann am frühen Abend müde wäre – nein, die Nacht nimmt sie natürlich auch gerne mit!

„Hi!“ Für einen Augenblick geraten Miriams Schwimmbewegungen ins Stocken. Mann, wo kommt der denn plötzlich her! „I’m from Italy.“ Miriam beobachtet jetzt genau die Wasseroberfläche, schwimmt aber weiter ohne ein Wort zu sagen. Sie beruhigt sich mit dem Gedanken, dass er sie im Notfall retten könnte. Trotzdem, oder vielleicht auch, weil er sich als Italiener ausgibt und Miriam sich fragt, ob der Mut von Machos für Rettungseinsätze ausreicht, zieht sie es vor möglichst schnell zum Strand zurückzuschwimmen. Außerdem hat sie einige Vorträge in Hotels zu halten und allmählich könnte sie auch was essen.