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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 

Widmung und Dank
Dieses Buch widme ich all jenen Menschen, die ahnen, dass die »Reformvorschläge«, die von fast allen Politikern und Vertretern der Wissenschaft und der Wirtschaft präsentiert werden, die Probleme unserer Welt nicht wirklich lösen können und die deshalb nach Alternativen suchen.
Ich hoffe und wünsche, dass auch die verantwortlichen Politiker, die Führungspersönlichkeiten der Wirtschaft, der Gewerkschaften und auch die Repräsentanten der Wirtschaftswissenschaft noch offen sind für neue Denkansätze. Ich hoffe, dass sie stark genug sind, die Lösungsansätze, für die sie sich entschieden haben, in Frage zu stellen und – wenn es sein muss – auch zu verwerfen.
Insbesondere den Politikern wünsche ich die Kraft, sich nicht länger von den Marktkräften des Kapitals treiben zu lassen, sondern selbstbewusst die Regeln und Grenzen für eine Marktordnung festzusetzen, die den Bedürfnissen aller Menschen gerecht wird.
Für die direkte und indirekte Hilfe bei der Entstehung dieses Buches möchte ich mich bedanken:
• Bei den Professoren der Universität Hohenheim, bei denen ich als Gasthörer über mehrere Semester mein Wissen über die Vorgänge in der Ökonomie erweitern konnte.
• Bei Herrn Professor Bernd Senf aus Berlin, der mich dazu ermutigte, aus einem ersten »Gedankensortier-Aufsatz« dieses Buch zu machen.
• Bei meinen Freunden vom Arbeitskreis »Finanzmärkte« bei ATTAC Stuttgart, die durch ihre kritischen Fragen und Kommentare viele Anregungen gaben.
• Bei meiner Tochter Isabelle für die Erstellung der Grafiken.
• Bei Herrn Klaus Starke, der mir den Verlag vermittelte, bei meinem Freund Hans L. Kieven, der mich durch seine positive Rückmeldung genau zu dem Zeitpunkt freundschaftlich unterstützte, als mir ein Verlagsleiter schrieb, dass dieses Buch eine Zumutung sei und
• ganz besonders bei meiner Frau Marie José für ihre vielfältige Unterstützung und ihre kreativen Anregungen.
 
Bedanken möchte ich mich auch bei Herrn Riemann für seine konkreten Verbesserungsvorschläge und für die Vermittlung von Herrn Kuzmany, dem mein größter Dank gilt.
Stefan Kuzmany hat meine spröde Technikersprache in die Ihnen nun vorliegende Form gebracht und Ergänzungen und Verbesserungen hinzugefügt, die zum leichteren Verständnis hilfreich sind und das Lesen angenehmer machen. Danke, Herr Kuzmany!

Vorwort
Als ich anfing, die Volkswirtschaft zu studieren, war ich fast sechzig Jahre alt. Vorher habe ich ihr nur gedient. Ich war Ingenieur, habe Computerhardware entwickelt, ihre Produktion geplant und später als Führungskraft einen großen Produktionsabschnitt geleitet. Gemeinsam mit meiner Frau Marie-José habe ich dafür gesorgt, dass unsere Kinder Andreas, Michael, Pierre und Isabelle sowie unser Pflegesohn Khom aus Kambodscha eine gute Erziehung und eine ordentliche Ausbildung bekamen. Ich war vielleicht etwas mehr als der Durchschnitt politisch und sozial engagiert, aber im Übrigen wie alle jungen Ingenieure technikbegeistert und zukunftsgläubig.
1963 wurde ich Mitglied der CDU. Ab Mitte der siebziger Jahre begann die Diskussion um die Atomkraftwerke. Auch in unserem Kreisverband der Jungen Union im Kreis Calw wurde debattiert. Wir beschlossen, uns erst einmal mit der Materie vertraut zu machen, und bildeten eine Arbeitsgruppe. Wer war prädestiniert dazu, diese Arbeitsgruppe zu leiten, wenn nicht ich, der Ingenieur?
Wir arbeiteten uns intensiv in die Thematik ein. Wir organisierten Vorträge und Führungen und erstellten 1977 ein Papier mit dem Titel »Energiepolitische Perspektiven«. Die Erkenntnisse, die wir bei dieser Arbeit gewonnen haben, waren für mich sehr entscheidend. Mir wurde plötzlich klar, dass wir so, wie wir bisher gewirtschaftet und gelebt hatten, nicht weitermachen können. Wir gelangten zu der Überzeugung, dass die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen so geändert werden müssen, dass die Wirtschaft in Zukunft auch aus ganz rationalen, betriebswirtschaftlichen Gründen beim Energie-und Rohstoffverbrauch rationalisiert. Aber diese Überzeugung war in der CDU nicht durchzusetzen. Damals war Dr. Heimo George der Bundestagsabgeordnete der CDU für unseren Wahlkreis Calw/Freudenstadt. Ein Mann, der von Siemens entsandt war, um die Konzerninteressen zu vertreten. Wir fanden mit unseren Ergebnissen bei ihm kein Gehör.
Zehn Jahre lang kämpfte ich in der CDU für eine Ökologisierung der Wirtschaft – natürlich vergebens. 1988 trat ich aus der CDU aus und bekam von unserem Ortsvorsitzenden für die engagierte Arbeit ein Abschiedsgeschenk.
Meine Frau und ich hatten uns schon lange vorgenommen, für einige Zeit in der Entwicklungshilfe zu arbeiten. Nachdem unsere Kinder erwachsen waren, war es Zeit, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Wir gingen also für fünf Jahre nach Haiti, wo meine Frau als Lehrerin arbeitete und begann, die Montessorimethode einzuführen, während ich ein Ausbildungszentrum für Elektriker, Mechaniker und Automechaniker aufbaute und leitete, bis es in haitianische Hände übergeben werden konnte. Zusätzlich errichtete ich für die ersten Abgänger der Ausbildungsstätte eine Kooperativenwerkstatt und die Gebäude für die Montessorischulen.
Nach unserer Rückkehr aus Haiti 1999 wollte ich mich wieder politisch einmischen. Natürlich in der Partei, die sich seit Jahrzehnten dem ökologischen Umbau der Gesellschaft verschrieben hatte. Das meinte ich zumindest. Auch das Wahlprogramm für die letzte Bundestagswahl war voll mit Absichtserklärungen für eine ökologische Politik. Die Wirklichkeit sieht jedoch ganz anders aus. Die führenden Köpfe der Partei, allen voran Joschka Fischer, haben sich von dieser Politik verabschiedet. Bündnis 90/Die Grünen sind auf dem besten Weg, zu einer grün angestrichenen FDP zu verkommen. Das war es nicht, was ich gesucht hatte. So bleibt zur Zeit nur noch das Engagement bei ATTAC, wo ich seit September 2001 aktiv mitarbeite.
Während meiner 26-jährigen Arbeit in der komplexen Produktion von Computerhardware gab es oft technische Probleme, die es zu lösen galt. Wenn meine Kollegen und ich diese Probleme durch aussichtsreich erscheinende Lösungsansätze nicht beheben konnten, war das ein sicheres Zeichen dafür, dass wir die physikalischen oder auch chemischen Zusammenhänge nicht richtig erkannt hatten. Uns fehlte die Grundlage. Deshalb konnten wir nicht erfolgreich sein. In so einem Fall half nur eines: Wir mussten das gesamte System gründlich erforschen, um schließlich die richtigen Lösungen zu finden.
Schon in den achtziger Jahren hatte ich den Verdacht, dass es sich mit der Volkswirtschaft ähnlich verhält. Offenbar waren die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge und die Ursachen für die Probleme, insbesondere für die steigende Arbeitslosigkeit, ebenfalls nicht hinreichend klar. Wäre es anders gewesen, hätte man die Probleme schneller in den Griff bekommen müssen. Ich nahm mir deshalb vor, mein Wissen über die volkswirtschaftlichen Vorgänge zu erweitern, sobald ich dazu die Zeit hätte. Nach unserer Rückkehr aus Haiti war die Gelegenheit gekommen, mich intensiv dem Studium der Ökonomie zu widmen. Es war dafür leider nicht zu spät: Die Probleme in der Wirtschaft waren auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöst, und sie sind es bis heute nicht.
Ich muss zugeben, dass ich sehr überrascht war, wie wenige fundamentale Neuerungen die Wissenschaft der Ökonomie im letzten Jahrhundert hervorgebracht hat. Sie bewegt sich in festgefügten Bahnen, sie dreht sich im Kreis, aber eines muss man ihr lassen: Das tut sie mit sehr viel Fleiß und mit immer neuen Varianten im Detail. Die Ökonomie machte zwar Fortschritte in Teilbereichen, zum Beispiel im Verständnis des Geldes. Aber sie wagte es nicht, an die Vorgänge der Wirtschaft mit ganz neuen Überlegungen heranzugehen und neue Theorieansätze zu definieren. Die Wissenschaft der Ökonomie ist sehr konservativ. Ansätze, die nicht dem Mainstream entsprechen, haben in der Wissenschaft kaum eine Chance. Sie werden nicht einmal ernsthaft erwogen, geschweige denn diskutiert.
Am meisten erstaunt mich, dass sich die neoklassischen Theorien so lange halten und dass sie nach dem Intermezzo der keynesianischen Wirtschaftstheorie zu neuer Blüte gelangen konnten. Keynes war der Ansicht, dass bei einer Stagnation der Wirtschaft, verbunden mit Arbeitslosigkeit, eine Lohnsenkung gar nicht wünschenswert ist, weil sich dadurch aus der Stagnation eine Depression entwickeln kann. Keynes Einfluss auf das Denken in der Ökonomie war nur von relativ kurzer Dauer, obwohl seine Ansätze wesentlich mehr der Realität entsprechen als die Modelle der Neoklassiker.
Ich kann nicht behaupten, es habe mir Spaß gemacht, diese Theorien der Neoklassik zu studieren. Es fiel mir schwer, die nötige Geduld aufzubringen, um den vielen detailverliebten Gedankengängen zu folgen, weil sie so weit von der Realität entfernt sind, dass sie kaum brauchbar sein können.
Wenn man als fast 60-Jähriger seine theoretischen Kenntnisse in einer Wissenschaft vertieft, dann macht man das natürlich aus einem ganz anderen Blickwinkel als ein 20-jähriger. Mit 35 Jahren Berufserfahrung folgt man wesentlich kritischer und weniger ehrfürchtig den Ausführungen der Professoren. Man läßt sich in seinem Denken sehr viel weniger beeinflussen und verbiegen. Das birgt natürlich die Gefahr, dass man sich zu früh gegenüber Ansätzen verschließt, die man für realitätsfern oder gar falsch hält. Aber es eröffnet auch die Chance, auf der Basis des in der Praxis erlebten, in Kombination mit dem im Hörsaal gelernten, eine Synthese zu schaffen, die neue Wege eröffnet.
In meinem Alter taugt man nicht mehr zum Revolutionär. Es ist daher nicht verwunderlich, dass ich in diesem Buch keine grundsätzlich neue Alternative zur Marktwirtschaft präsentiere, sondern nur eine neue Auffassung über die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge bei einem marktwirtschaftlichen System und die dadurch andere Sichtweise über die erforderlichen Lösungsansätze zur Überwindung der aktuellen Probleme. Für manchen Leser ist das, was ich vertrete, vielleicht auch schon zu revolutionär oder zumindest zu »links«. Sie dürfen mir glauben, als ich mich daranmachte, die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge besser zu verstehen, da wusste ich noch nicht, wo die Reise hinführen, welche Entdeckungen ich machen und was sich als Lösungen für die anstehenden Probleme anbieten würde.
Die Ausführungen in diesem Buch können nur ein Anfang sein. Ich hoffe sehr, dass es in nächster Zeit noch viele Menschen gibt, die auf die Idee kommen, einmal kritisch zu hinterfragen, ob wir zur Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme wirklich mit den richtigen analytischen Methoden zu Werke gehen, ob die angewandten mathematischen Modelle hinreichend die Wirklichkeit widerspiegeln und ob die Lösungsvorschläge tatsächlich logisch sind. Es muss doch Gründe geben, weshalb die Probleme nicht gelöst werden konnten, trotz massiver steuerlicher Entlastung der Unternehmen, Rückgang der Lohnquote um 13 Prozent, Deregulierung der internationalen Finanzmärkte und die Globalisierung der Produktion und der Handelsströme – alles Forderungen der neoliberalen Schule.
Tatsächlich werden aber die Probleme nicht kleiner, sondern sie wachsen.
Eine große, ja sogar sehr große Gefahr sehe ich in der wirtschaftlichen »Gleichschaltung« der ganzen Welt. Seit der »Eroberung« Chinas durch das kapitalistische Denken und mit dem Niedergang des Sowjetimperiums wenden zum ersten Mal in der Weltgeschichte alle Menschen der gesamten Erde nahezu dasselbe wirtschaftliche System an. Alle haben das Ziel, durch die Industrialisierung alter Prägung, also mit hohem Ressourcenverbrauch, ein Maximum an Gütern zu produzieren. Weil immer mehr Menschen das tun, weil diese Menschen von den Politikern und Konzernen dazu getrieben werden, weil sie die Industrialisierung mit steigender maschineller Kapazität und »Effektivität« vorantreiben, steigt das Gefährdungspotential in einem Ausmaß, wie es in der Geschichte nie zuvor der Fall war. Jeder nicht erkannte Fehler wird verheerende Folgen haben. Denken wir beispielsweise an die weltweite Anwendung einer neuen Chemikalie mit nicht erkannter, negativer Langzeitwirkung wie den umweltschädlichen FCKW. Oder an die unabschätzbaren Folgen der genetischen Manipulation. Oder denken Sie – viel unspektakulärer, aber nicht minder gefährlich – an den beschleunigten Verbrauch der letzten Ölreserven und die damit steigende Luftverschmutzung. Es sollte eigentlich klar sein, dass all dies zu einem Niedergang führen muss. Dennoch lassen wir uns davon nicht in unserem Denken und Handeln beeinflussen. Noch nicht? Wie lange wollen wir uns dazu noch Zeit lassen? So lange, bis auch Politiker vom Schlage der Bush-Administration merken, dass wir alle auf einem Irrweg sind? Dann wird es mit Sicherheit zu spät sein.
Mit diesem Buch möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass gerade noch rechtzeitig die Probleme nicht nur erkannt, sondern auch gelöst werden können. Das Buch ist so geschrieben, dass es jeder lesen und verstehen kann, auch jene, die sich bisher nicht mit den Vorgängen in der Wirtschaft beschäftigt haben. Ich bin aber zugleich der Meinung, dass darin genug neue Ideen zu finden sind, so dass die Lektüre auch für einen Fachmann der Ökonomie lohnend sein kann.
Ich frage mich, warum die offensichtlichen Fehler unseres Wirtschaftssystems so lange nicht korrigiert worden sind. Warum uns immer wieder erzählt wird, dass nur eine Entlastung der Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führen kann. Warum die führenden Vertreter von Industrie und Handel, aber auch der Politik uns glauben machen wollen, dass nur der immer größere Verzicht der arbeitenden Menschen auf Konsum und Freizeit unseren Wohlstand sichern könne. Ich frage mich, ob die Verfechter der neoklassischen und neoliberalen Wirtschaftstheorie wirklich an das glauben, was sie tagtäglich verkünden? Und das, obwohl sich ihre Handlungsanweisungen doch in der Praxis wieder und wieder als untauglich erwiesen haben!
Ich will glauben: Sie irren. Ich will glauben, dass es noch nicht zu spät ist, diese Irrtümer zu korrigieren.
 
Gechingen, Ostern 2004
Franz Groll

Teil I
Das Scheitern des Kapitalismus

Kapitel 1
Anspruch und Wirklichkeit

Arbeitslosigkeit durch Verschwendung

Unser Wirtschaftssystem hat versagt. Sollte es jemals das Ziel des Kapitalismus gewesen sein, den allgemeinen Wohlstand für alle und dauerhaft zu fördern, dann wurde dieses Ziel gründlich verfehlt. Wie anders ist es zu erklären, dass weltweit die drei größten Probleme der Wirtschaftspolitik nicht einmal im Ansatz gelöst sind?
 
Seit Jahrzehnten gibt es Arbeitslosigkeit in praktisch allen Staaten der Erde. In den Industrienationen steigt sie seit 25 Jahren an, seit etwa fünf Jahren verharrt sie auf hohem Niveau. Es scheint, als hätten sich Politik und Gesellschaft daran gewöhnt, dass große Teile der arbeitsfähigen Bevölkerung keine Stelle finden, dass man ihre unfreiwillige Untätigkeit verwalten und finanzieren muss. Routiniert verkünden in Deutschland die Präsidenten der Bundesagentur für Arbeit Monat für Monat ihre Horrorzahlen. Früher nannte sich das Institut Bundesanstalt, der Überbringer der schlechten Nachricht hieß Bernhard Jagoda, dann hieß er für kurze Zeit Florian Gerster, heute heißt er Frank-Jürgen Weise – Namen und Gesichter sind das Einzige, was sich geändert hat. Der längerfristige Trend bleibt derselbe: Die Arbeitslosenzahlen steigen. Es scheint kein Kraut dagegen gewachsen zu sein. Wie sehr sich die Regierungen auch anstrengen, die Wirtschaft anzukurbeln – es hilft nichts. Kreditfinanzierte Staatsausgaben verpuffen. Arbeitsbeschaffungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, in praktisch allen Industriestaaten eingeführt, brachten und bringen nur geringe Fortschritte. Dort wo die Arbeitslosigkeit deutlich niedriger ist als bei uns, wie zum Beispiel in Holland, wurde das Problem vor allem durch sehr viel Teilzeitarbeit gelöst. Im Durchschnitt waren 1999 in der Europäischen Union 9,6 Prozent der Arbeitsfähigen ohne Anstellung – fast jeder Zehnte. Selbst in Japan, einem Land, das traditionell Vollbeschäftigung hatte, hat diese verhängnisvolle Entwicklung eingesetzt. 4,1 Prozent Arbeitslosigkeit im Jahr 1998, das mag für uns niedrig klingen. Aber nur, wenn man vergisst, dass vor der Wirtschaftskrise Anfang der neunziger Jahre noch jeder Japaner, der arbeiten wollte, auch Arbeit hatte.
Als leuchtendes Gegenbeispiel erschienen damals die USA. Hier ist die Arbeitslosigkeit schon seit Jahrzehnten höher als in Europa. Doch in den Boomjahren des zurückliegenden Jahrzehnts gingen die Arbeitslosenzahlen in der offiziellen Statistik von etwa 8,5 Prozent auf 4,5 Prozent zurück. Klingt toll. Tatsächlich ist jedoch fraglich, ob das eine Entwicklung ist, die wir uns für Europa wünschen. Denn die gesunkene Arbeitslosigkeit mussten jene teuer bezahlen, die ohnehin schon wenig haben: die Menschen mit niedrigem Einkommen. Heute verdient das untere Fünftel der arbeitenden Bevölkerung in den USA zwölf Prozent weniger als noch vor zwanzig Jahren. Im Durchschnitt sind das 8800 US-Dollar im Jahr. Zwanzig Jahre früher waren es noch 10 000 US-Dollar. Die offizielle Armutsgrenze für die USA liegt bei 8000 US-Dollar. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das statistische Bundesamt der USA im Jahr 1997 trotz mehrerer vorangegangener Boomjahre eine offizielle Armutsrate von 13,3 Prozent meldete. 1989 waren es noch 12,8 Prozent gewesen, und das nach einer lang anhaltenden Rezession. Wenn man zusätzlich berücksichtigt, dass in den USA die Zahl der nicht erfassten Arbeitslosen wesentlich höher ist als in den Europäischen Staaten, und wenn man weiß, dass ganze zwei Prozent der arbeitsfähigen Männer der USA in Gefängnissen sitzen und deshalb nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, dann verblasst der schöne Schein der US-Gesellschaft.
Die Arbeitsmarktstrukturen in den USA können nicht mit denen in europäischen Staaten verglichen werden. In der Zeit, als meine Frau und ich in Haiti lebten, wurde mir bewusst, dass auch in den USA die Kolonialzeit noch immer ihre Schatten wirft. Dienstleistungen wie Schuheputzen oder Packservice im Supermarkt sind augenfällige Hinweise dafür. Solche entwürdigenden Serviceleistungen sind bei uns undenkbar. In den USA jedoch dienen sie dazu, die Arbeitslosenzahl zu drücken.
 
Es gibt immer noch prekäre Armut. Vor allem die ehemaligen Kolonialstaaten sind davon betroffen. Hierzulande nennt man diese Länder auch »Dritte Welt« oder »Entwicklungsländer«. Der Begriff »Dritte Welt« geht zurück auf die Zeit des Kalten Krieges: erste Welt, das war der Westen. Zweite Welt, das war der Ostblock. Dritte Welt, das war der Rest. Heute klingt »Dritte Welt« angenehm distanziert – die sind schön weit weg von unserer heilen ersten Welt. Und »Entwicklungsländer«, klingt das nicht beruhigend hoffnungsvoll? Die werden sich schon noch entwickeln. Gebt ihnen noch ein bisschen Zeit! Welch ein Hohn.
Besonders arm dran ist Afrika. Dort konnte die Ausbreitung der Armut nicht einmal gestoppt werden – im Gegenteil: Sie breitet sich weiter aus. An dieser Stelle möchte ich mit wenigen Beispielen die Dramatik des Problems »Armut« beschreiben. 1999 sind mehr als dreißig Millionen Menschen verhungert. Weitere 828 Millionen leiden an chronischer, schwerer Unter-ernährung. Dieser Hunger verursacht Schäden, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Die Menschen sterben, oder sie vegetieren als Schwerbehinderte dahin. Die Anzahl der hungernden Menschen war in den letzten zehn Jahren nahezu konstant. Da aber in einigen asiatischen Ländern große Fortschritte gemacht wurden, zeigt sich, dass das Problem in anderen Ländern größer wurde, besonders in Afrika. Das UNO-Entwicklungsprogramm UNDP veröffentlichte eine Statistik, nach der 1,3 Milliarden Menschen in den ärmsten Ländern der Welt über weniger als einen einzigen US-Dollar pro Tag verfügen. Selbst in den Industriestaaten leben laut Angaben der OECD 100 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Fünfzehn Prozent der Kinder im schulpflichtigen Alter besuchen keine Schule. Keine Ausbildung, keine Arbeit – ihre Zukunft ist schon zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat.
 
Unser Ökosystem wird kollabieren, wenn wir unser Verhalten nicht radikal ändern. Der von Menschen verursachte Klimawandel ist schon heute eine wichtige Ursache für den Wassermangel und die Ausbreitung der Wüsten, also eine der Ursachen für die steigende Armut und die Hungersnöte besonders in Afrika. Lange galten die Warnungen vor der ökologischen Destabilisierung der Erde als Hirngespinste von Schwarzmalern und grünen Ökopaxen, die man nicht ernst zu nehmen brauchte. Heute sind diese Warnungen in Fachkreisen unbestritten. Erörtert wird nur noch die Frage, wie viel Zeit uns bleibt, um den Kollaps abzuwenden.
Die drohende Gefahr wird auch von den meisten Politikern nicht mehr geleugnet. Klaus Töpfer, ehemals Umweltminister unter Helmut Kohl und jetzt Direktor der Umweltorganisation der UNO, sagte bei der Klimakonferenz in Neu Delhi: »Der Klimawandel, der mit den von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen zusammenhängt, hat bereits begonnen. Die Welt erlebt eine Zunahme extremer Wetterereignisse, die jede Facette unseres Lebens beeinflussen wird, die Landwirtschaft, Gesundheit, Wasserversorgung und die Natur. Die ärmeren Länder der Welt, die ärmeren Menschen, werden am meisten darunter zu leiden haben, weil sie weder die finanziellen noch andere Möglichkeiten haben, damit fertig zu werden.«
Obwohl dies alles bekannt ist, können sich die Führer der Industrienationen nur sehr zögerlich auf die Umsetzung von Maßnahmen zur Kurskorrektur einigen. Dies ist verantwortungslos. Denn die Umweltbelastungen, die das Ökosystem überfordern, werden so gut wie ausschließlich von technisch entwickelten Nationen verursacht, also von zumindest technisch und kaufmännisch gebildeten Menschen. Es müsste daher möglich sein, dieses Problem in den Griff zu bekommen.
Das Feilschen einiger Staaten bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls und die Verweigerungshaltung des größten Verursachers des Problems, nämlich der USA, zeigt, dass auch auf diesem Gebiet die Gewinnsucht viel stärker ist als die Vernunft. Wie viele Hochwasser, Überschwemmungen, Sturmfluten und Dürren werden noch kommen, bis wir wieder zurückfinden zu einem menschlichen, vernünftigen Verhalten?
Das wirklich Tragische ist die Tatsache, dass nach dem Scheitern des Kommunismus fast die ganze Welt begonnen hat, die Wirtschaftsweise und die Wirtschaftsphilosophie der europäischen und nordamerikanischen Industriestaaten zu kopieren. Die meisten Staaten Südostasiens und China sind auf dem besten Weg, sich zu genau solchen Rohstoff- und Energieverschwendern zu entwickeln, wie wir es schon lange sind. Indien und die meisten süd- und mittelamerikanischen Staaten von Mexiko bis Chile versuchen dasselbe zu erreichen. In wenigen Jahrzehnten wird es nicht nur ein Fünftel der Menschheit sein, das seinen Wohlstand durch Ressourcenverschwendung zu mehren versucht, sondern weit über die Hälfte.
Die Folgen werden verheerend sein.

Ratlose Experten

Sehen Sie sich noch jeden Sonntag »Sabine Christiansen« an? Verfolgen Sie die wirtschaftspolitischen Vorschläge, die in den Zeitungen diskutiert werden? Dann wissen Sie, was jetzt kommt. Jeder politisch halbwegs interessierte Mensch kann die gängigen Thesen zur Wirtschaftspolitik mittlerweile im Schlaf herunterbeten. Manchmal möchte man meinen, es gebe irgendwo eine Schule, eine geheime Ausbildungsstätte des Neoliberalismus, die Klippschule der Argumentation für TV-DEBATTEN und Bundestagsreden, auf der sich unsere Experten und Verantwortungsträger vorgeformte Standardlösungen so lange haben einpauken lassen, bis sie diese mit ernstem Gesicht fehlerfrei auswendig aufsagen können und schließlich irgendwann vielleicht sogar selbst glauben. Es ficht sie nicht an, dass ihre Rezepte nicht gelingen. Sie klingen gut, sie liegen im Mainstream, das muss reichen.
Ihre Zauberformeln sollen uns alle reicher machen und unserer Gesellschaft Fortschritt und Lebensqualität schenken. Freilich müssen wir nach den Ratschlägen dieser Experten auf dem Weg dorthin einiges verändern …
Hier die Forderungen der Alchimisten unserer Wirtschaftspolitik:
Die Liberalisierung der Finanzmärkte und des Welthandels. Denn nur wenn der unbeschränkte, freie Handel und Kapitalfluss garantiert sind, können durch den Austausch von Waren und Dienstleistungen alle profitieren: Die Investoren, denn sie können sich weltweit den Ort herauspicken, an dem ihr Geld am meisten Gewinn bringen wird. Die Unternehmer, denn sie sind nicht mehr durch Zölle und andere Handelsbeschränkungen in ihrem Daseinszweck behindert: Ihre Ware an eine möglichst große Anzahl von Abnehmern zu verkaufen. Die Arbeitnehmer, denn wenn es ihrem Arbeitgeber gut geht, dann wird er mehr in seine Mitarbeiter investieren, wird die Löhne erhöhen und neue Arbeitsplätze schaffen. Und schließlich die Konsumenten, denn durch den geöffneten Markt haben sie die Möglichkeit, aus einer großen Anzahl von Produkten das für sie beste und günstigste auszuwählen. Wunderbar: Alle profitieren davon.
 
Die steuerliche Entlastung der Einkommen aus Unternehmen und Vermögen. Ja, das muss sein. Denn, sehen Sie: Welcher potente Investor wollte denn hierzulande sein sauer angespartes Geld investieren, wenn ihm der Fiskus gleich wieder einen großen Teil seines Gewinnes aus der Tasche zieht? Der kommt doch nicht zu uns. Der geht woanders hin. Wir müssen ihm seine Investitionsentscheidung schon schmackhaft machen. Und es ist ja nur auf den ersten Blick ein Verlust für die Einnahmen des Staates. Nein, das wäre kurzsichtig argumentiert. Es läuft nämlich so: Wenn wir Denstandortdeutschlandattraktivmachen (das ist schon kein Satz mehr, das ist inzwischen ein eigenes Wort der deutschen Sprache und wird wohl bald in den Duden Einzug halten), dann kommen so unglaublich viele Investoren aus der ganzen Welt zu uns, dass ihre schiere Anzahl und das gigantische Volumen ihrer Investitionen die kurzfristigen Steuerausfälle nicht nur ausgleichen werden, nein, wir werden mehr Steuern einnehmen, viel mehr als bisher, unvorstellbar viel, glauben Sie es! Und was der Staat alles mit dem Geld machen kann, wie viele Wohltaten er verteilen wird – denken Sie einmal darüber nach!
 
Die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. Ja, ich weiß, das ist noch so ein saurer Apfel, in den wir aber beißen müssen. Wohl oder übel. Denn Sie sollten wissen: Deutschland ist erstens keine Insel der Seligen mehr wie noch zu Zeiten des kalten Krieges, als der Westen, also die USA, seine schützende Hand über uns hielt und man im Kampf gegen das kommunistische System vor der Haustür beweisen musste, dass es hier allen viel besser geht. Die Zeiten sind härter geworden. Auch für die Unternehmer. Welcher Unternehmer kann es sich denn heute noch leisten, einem Angestellten einen unbefristeten Vertrag zu Tarif-konditionen zu geben? Seien wir doch mal ehrlich: Den wird er nie wieder los. Und wenn die Konjunktur den Bach runtergeht, hat er den Laden voller Angestellter, die er nicht bezahlen kann. Das ist es doch, was unsere Wirtschaft hemmt! Und zweitens: Die Löhne sind hier schlicht zu hoch. Warum sollte jemand in Deutschland 25 Euro für eine Arbeitsstunde bezahlen, wenn er in Ungarn dieselbe Arbeit für 2,80 Euro pro Stunde erledigen lassen kann? Es führt kein Weg daran vorbei: Wir müssen uns mit weniger begnügen, denn die anderen tun es ja auch. Und bedenken Sie: Es ist ja nur für eine relativ kurze Zeit. Denn wenn wir mit unserem kleinen Lohnverzicht die globale Wirtschaft erst so richtig angekurbelt haben werden, dann gibt es ruck-zuck wieder mehr Geld. Für alle.
 
 
Die Absenkung der Sozialleistungen. Es ist traurig, aber wahr: Den Sozialstaat, wie wir ihn bisher kannten, können wir uns einfach nicht mehr leisten. Die hohen Sozialabgaben blockieren Geld, das anderswo viel dringender gebraucht würde: von den Unternehmern für Investitionen (und für die Absicherung ihres ohnehin schmalen Gewinns). Und von den Arbeitnehmern für den Konsum, denn nur, wenn wir mehr Geld in der Tasche haben, gehen wir häufiger zum Einkaufen. Nur das kurbelt die Wirtschaft an. Dabei soll es natürlich so bleiben, dass wir weiterhin jenen helfen wollen, die auf die Hilfe der Gemeinschaft angewiesen sind. Also den wirklich Bedürftigen. Hand aufs Herz: Wer ist das denn wirklich von den 2,8 Millionen Sozialhilfeempfängern, die wir uns in Deutschland leisten? Wie viele Menschen in Ihrem Bekanntenkreis sind arbeitslos – und dabei wirklich auf der Suche nach einer Stelle? Und wie viele nehmen die arbeitsfreie Zeit als eine Art Urlaub und die Arbeitslosenhilfe als Urlaubsgeld dankend an? Es ist ja auch keine Schande mehr, sich arbeitslos zu melden. Aber das können wir uns nicht mehr leisten. Damit muss Schluss sein.
 
Ich teile diese Ansichten nicht. Aber es ist notwendig, sich in die Gedankenwelt der Jünger des Neoliberalismus zu begeben, um ihnen ihre Fehler nachzuweisen. Wir kennen ihre Forderungen. Wir kennen ihr Grundrezept: Das wirtschaftliche Wachstum muss neu belebt werden, denn nur mit Wachstum wären die eingangs beschriebenen ungelösten Probleme unserer Wirtschaft zu lösen. Nun, dass mit diesen Lösungsansätzen die ökologische Destabilisierung der Erde in den Griff zu bekommen ist, behaupten nicht einmal die Verfechter des freien Marktes. Es ist ihnen auch nicht so wichtig. Umweltschutz ist in ihren Augen ein Luxus, den man sich nur leisten kann, wenn man im Überfluss Mittel zur Verfügung hat. Ob aber wenigstens die beiden anderen Hauptprobleme, nämlich Armut und Arbeitslosigkeit, mit den Patentrezepten der ratlosen, neoliberalen Experten gelöst werden können, soll in diesem Buch erörtert werden. Ich behaupte: nein.

Kapitel 2
Glaubenssätze der Volkswirtschaftslehre
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit sich manche Überzeugungen in der Lehre der Ökonomie festsetzen konnten, ohne ernsthaft in Frage gestellt und aus der Lehrmeinung verbannt zu werden. Manchmal glaubt man, sich nicht in einem wissenschaftlichen Diskurs zu befinden, man fühlt sich eher an die Methoden der Kirche Anfang der Neuzeit erinnert: Was geschrieben steht, muss richtig sein, unabhängig von der Überprüfbarkeit der Thesen. Wie in allen anderen Wissenschaften wurde in der Ökonomie eine Reihe von Glaubenssätzen zum festen Bestandteil der Lehrmeinung. Hier drei Überzeugungen, vier beobachtete Gesetzmäßigkeiten und zwei Definitionen, die Grundlagen dieser Lehrmeinung sind.

Drei Überzeugungen

1. Der freie Markt regelt sich selbst

»Lasst uns mal machen«, das ist die Devise der Macher. Die Idee ist simpel und erscheint logisch: Der Markt, also das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage, reguliert sich immer selbst. Gibt es ein Überangebot an Waren, dann sinkt der Preis – so lange, bis die Nachfrage wieder anzieht. Und umgekehrt ist es auch so: Wenn eine Ware knapp ist, steigt sie im Wert. Aber unsere Wirklichkeit ist anders. Oft versagt der Markt. Dann ist es zwingend erforderlich, dass der Staat regulierend in den Markt eingreift. Drei Beispiele für die »Selbstregulation« des Marktes:
Geiz ist geil. Betrachten wir zunächst den Einfluss des Zinses auf das Spar- und Investitionsverhalten der Marktteilnehmer. Nach der reinen Lehre müsste bei einem Geldüberangebot bei niedrigen Habenzinsen, wie wir das seit Jahren verzeichnen, die Sparrate sinken und der Konsum und die Investitionen ansteigen. Die Bank zahlt kaum Zinsen, also sollten die Leute weniger sparen und mehr ausgeben. Tatsächlich tun sie das Gegenteil: Obwohl die Investitions- und die Konsumfähigkeit der Marktteilnehmer durch die allseits hochgelobte Steuerreform vom Jahr 2000 verstärkt wurde, steigt das Sparvolumen der privaten Haushalte stark an (Abb. 1). Der ständig wiederholte Werbespruch »Geiz ist geil« hat sich in den Köpfen der Bevölkerung eingenistet. Der Konsum lahmt. Die Investitionen bleiben aus. Das erwartete wirtschaftliche Wachstum ist nicht eingetreten, im Gegenteil: Das Wachstum sank von 2,9 Prozent im Jahr 2000 auf 0,8 Prozent im Jahr 2001, es sank weiter auf 0,2 Prozent im Jahr 2002. Im Jahr 2003 schrumpfte die Wirtschaft sogar: um 0,1 Prozent. Es muss also noch andere Einflüsse geben, die das nach der Lehrmeinung erwartete Verhalten der Marktteilnehmer verhindern.
 
Arbeiten lohnt sich nicht. Sehr verhängnisvoll und besonders schmerzlich für die Betroffenen ist der unumstößliche Glaube an die Selbstregulierungskräfte auf dem Arbeitsmarkt. Die klassisch liberale, die neoklassische und die neoliberale Lehre der Ökonomie geht davon aus – und sie hält das auch für richtig -, dass bei einem Arbeitskräfteüberangebot die Löhne so lange sinken werden und sinken müssen, bis ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage erreicht ist und damit wieder »Vollbeschäftigung« herrscht. Arbeitslosigkeit und Lohndumping sind in diesem Sinne keine Makel einer Gesellschaft, sondern eine »Gesundschrumpfung«. Die Wirtschaftslehre nimmt dabei billigend in Kauf, dass bei diesem Regulationsprozess das Lohnniveau unter das Existenzminimum sinken kann. Wenn die Wirtschaftsmaschine stockt, dann wird so lange an der Lohnschraube gedreht, bis sie wieder rund läuft, rund laufen muss. Und wenn alles nichts hilft, dann hat man eben noch nicht genug geschraubt. Das führt zu dem fatalen Ergebnis, dass mancher potentielle Arbeitnehmer seine Arbeitskraft nur deshalb nicht mehr anbietet, weil es für ihn sinnlos ist, für einen derartig lächerlich geringen Lohn zu arbeiten. Dieser Zustand ist nicht neu. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war er sogar ganz normal. Der ständige Lohndruck auf die Arbeitnehmer wurde aber nicht etwa durch die Selbstregelungskräfte des Marktes gelöst, sondern durch den politisch geführten Kampf der Arbeiterklasse. Dessen Errungenschaft, die soziale Marktwirtschaft, in welcher die Habenden ihre Verantwortung für die Arbeitenden erkennen und ernst nehmen, steht heute auf dem Spiel. In den USA ist dieser frühkapitalistische Zustand bereits wieder Realität, und wir sind mit den neuen »Hartz-Gesetzen« auf dem besten Weg dorthin. Dabei sind Arbeitnehmer als Konsumenten auch »Arbeitgeber«. Bricht diese Massenkaufkraft weg, weil die Arbeitnehmer einen zu geringen Lohn erhalten, führt dies zwangsläufig zu einer Rezession.
002
: Sparen der privaten Haushalte
 
Nach uns die Sintflut. Die selbstregulierenden Marktkräfte versagen auch völlig bei allen längerfristigen Veränderungen. Man kann das auf dem Rohstoffmarkt beobachten: Hier reichen die Information und die Voraussicht für eine der Knappheit entsprechende Preisentwicklung völlig aus. Wir wissen, dass die Rohstoffe nicht unendlich vorhanden sind. Aber die Industrie plant in kurzen Zyklen, solche Zukunftsszenarien sind da nicht relevant. Der Preis spiegelt die Knappheit der Ressourcen nicht wider.

2. Das Streben nach Eigennutz hilft allen

Ich zuerst! Das dient dem Wohle aller!
Auf Adam Smith (1723-1790), einen der Urväter der Ökonomie, geht die Überzeugung zurück, dass es für alle Marktteilnehmer von Vorteil ist, wenn jeder nur nach seinem persönlichen Vorteil handelt. Möge also jeder nur das tun, was für ihn selbst am besten ist – dann werden die anderen am Ende auch etwas davon haben. Diese zweihundert Jahre alte Überzeugung hat unser wirtschaftliches Denken und Handeln entscheidend geprägt. Dabei beruht sie auf einem Missverständnis. Adam Smith ist falsch interpretiert worden. Es kann nicht sein, dass er folgende Beispiele nicht als Auswüchse und Irrwege verurteilt hätte.
Die Ausbeutung der Natur. Vor der Industrialisierung lebte die Wirtschaft vor allem von nachwachsenden Rohstoffen: Es gab beispielsweise einen Wald, aus dem holte man sich das Holz, um es zu verarbeiten. Der Wald war groß, und ständig wuchsen Bäume nach. Die relativ geringe Entnahme wurde durch den natürlichen Nachwuchs ausgeglichen. Die präindustrialisierte Ökonomie konnte von den »Zinsen« des »NaturKapitals« zehren. Doch mit der Industrialisierung und ihrem stark angestiegenen Bedarf an Rohstoffen kam es zur Ausbeutung der nicht nachwachsenden Ressourcen der Erde. Niemand machte sich Gedanken darüber, welchen Einfluss diese eigennützige Praxis auf künftige Generationen haben könnte. Warum auch? Es war ja genügend da. Schon im 19. Jahrhundert machten die ersten vorausschauenden Wissenschaftler darauf aufmerksam, dass die nicht-regenerativen Ressourcen uns nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Spätestens jedoch seit der Veröffentlichung des Buches »Grenzen des Wachstums« im Jahr 1972 dürften diese Tatsachen allgemein bekannt sein. Eigentlich müssten seither zumindest alle verantwortungsbewussten Wirtschaftswissenschaftler die Endlichkeit der Ressourcen in ihre wissenschaftlichen Überlegungen und Modelle einbauen. Tatsächlich tun sie das aber bisher nur sehr zögerlich, und in den vorherrschenden neoliberalen Theorien ist für die Endlichkeit dieser Ressourcen kein Platz.
Der Überfall auf die europäischen Zentralbanken. Mit dem Siegeszug des Neoliberalismus wurden in den achtziger Jahren die internationalen Finanztransaktionen immer stärker liberalisiert. Immer mehr Staaten kamen zu der Ansicht, dass es am besten für die Weltwirtschaft sei, wenn sie den globalen Kapitalverkehr nicht mehr kontrollierten. Zugleich wurde dieser Markt durch den Einsatz vernetzter Computer immer schneller. So entstanden die heutigen internationalen Finanzmärkte mit ihrem täglichen Umsatz von etwa drei Billionen US-Dollar. Eine unvorstellbar große Zahl. Während Sie diesen Satz lesen, wofür Sie vielleicht zwei Sekunden brauchen, haben sich schon wieder rund 70 Millionen US-Dollar auf ihren Weg um den Globus gemacht. Wer mit einer Pistole in eine Bank geht, begeht einen schweren Fehler. Man kann sich das Geld auch ganz legal holen. Im September 1992 kam der Hedge-Fond-Besitzer George Soros auf die Idee, das englische Pfund sei im Vergleich zu den anderen europäischen Währungen überbewertet. Er spekulierte auf eine Abwertung. Zunächst verkaufte er in großem Umfang englische Pfund. Das Pfund geriet unter Druck. Sowohl die englische Notenbank als auch die übrigen europäischen Notenbanken mussten diese Pfund aufkaufen, weil sie sich im Rahmen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft verpflichtet hatten, den Kurs der Währungen der Mitgliedstaaten zu stützen. Allein die Deutsche Bundesbank musste innerhalb von zwei Wochen für 92 Milliarden Mark englische Pfund zum fixen Kurs aufkaufen. Aber es half nichts. Soros war stärker, und auch andere Fonds waren in die Spekulation eingestiegen. Nach kurzer Zeit wurde klar, dass hinter dieser spekulativen Attacke so viel Geld steckte, dass eine weitere Verteidigung des Wechselkurses auch durch eine gemeinsame Anstrengung aller Notenbanken nicht zu schaffen war. Der Wechselkurs wurde freigegeben. Das Pfund verlor 9,4 Prozent seines ursprünglichen Wertes. In den darauf folgenden Wochen kauften die ursprünglichen Besitzer, also Soros und die anderen Fonds, die Pfunddevisen zum neuen, billigeren Preis wieder zurück. Allein aus den Beständen der Bundesbank strömte die Hälfte der neuen Pfundbestände innerhalb von vier Wochen wieder ab. Dadurch entstand der Bundesbank allein in den ersten vier Wochen nach der Pfund-abwertung ein Verlust von 4,3 Milliarden Mark. Der Gesamt-verlust betrug am Ende das Doppelte: 8,6 Milliarden Mark. Das bedeutet, dass Soros und die anderen Fonds mit ihrem Spekulationsangriff auf das englische Pfund jedem Bundesbürger indirekt etwa 105 Mark aus der Tasche gezogen haben. Denn hätte die Bundesbank diesen Verlust nicht erlitten, wäre die Gewinnüberweisung an die Bundesregierung um 8,6 Milliarden Mark höher ausgefallen.
Der IWF wird uns schon rauspauken – darauf einen Tequila! Stellen Sie sich vor, Sie würden eines Abends in ein Kasino gehen und an einem Spielautomaten spielen. Es läuft ganz gut. Sie gewinnen bei jeder Runde. Sie werfen mehr Geld ein. Sie spielen und gewinnen. Sie hören nur auf, um mal kurz vor die Türe zu gehen und über Ihr Mobiltelefon Freunde anzurufen, um denen von Ihrer unglaublichen Glückssträhne zu berichten: Leute, kommt her, hier gibt es Automaten, die ständig Geld ausspucken! Sie gehen wieder hinein, wieder an den Automaten, setzen, gewinnen, setzen, setzen, setzen immer mehr. Sie lassen sich den Gewinn gar nicht mehr auszahlen, sondern setzen ihn immer sofort wieder ein. Sie gehen noch mal raus, diesmal an einen Geldautomaten, räumen Ihr Konto, kommen zurück, werfen alles in den Automaten. Dieses Ding wird Sie heute reich machen! Inzwischen sind auch die anderen eingetroffen, es ist ein große Party. Alle werfen mit glasigen Augen Geld in die Automaten. Alle gewinnen ständig. Die Displays versprechen unglaubliche Gewinnbeträge. Es ist ein Rausch. Manche haben genug und gehen. Aber nur wenige. Die anderen haben offenbar noch weitere Freunde angerufen. Für jeden, der geht, kommen zehn neue herein. Irgendwann fragen Sie sich: Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen? Misstrauisch beäugen Sie den Spielautomaten. Der muss doch kaputt sein. Ihren Freunden an den anderen Automaten geht es plötzlich genau so. Die Stimmung kippt. Panik greift um sich. Alle haben ihr ganzes Geld in diese verdammten Maschinen gesteckt. Die ersten verlieren. Das kann doch nicht wahr sein! Wir wollen unser Geld zurück! Aber das Spiel läuft noch. Jetzt hämmern alle auf die Gehäuse, drücken auf den Auswurfknopf, es soll Schluss sein. Bald ist Schluss. Alle verlieren. Kein Cent kommt mehr aus den Automaten. Sie können drücken, so viel Sie wollen – Sie haben Ihr gesamtes Geld verzockt. Wie sollen Sie das nur Ihrer Familie erklären? Plötzlich geht die Türe auf und, was für ein Zufall, der Bürgermeister kommt herein. Er blickt in die betretene Runde. Sie klagen ihm Ihr Leid. Und was macht der Bürgermeister? Lacht er über Ihre Dummheit? Nein. Der Bürgermeister macht ein ernstes Gesicht. Er wackelt bedächtig mit dem Kopf. Und dann sagt er, dass die Gemeinde alle Ihre Spielverluste ersetzen wird. Schließlich sollen Sie ja nicht das Vertrauen in das Kasino verlieren, und wenn Sie Ärger mit Ihren Frauen haben, wäre das ja auch nicht schön. Als er wieder geht, gibt er Ihnen noch mit auf den Weg, dass Sie aber beim nächsten Mal ein bisschen besser aufpassen sollen. Sie und die Freunde sind erstaunt, aber glücklich. Sie können es nicht fassen. Da sind wir ja noch mal davongekommen! Aber draußen auf der Straße verabreden Sie sich gleich für den nächsten Tag wieder im Kasino. Das machen wir noch mal genauso! Wenn wir gewinnen – gut. Wenn wir verlieren – auch gut! Dann kommt ja sicher wieder der Bürgermeister und haut uns raus. Wir müssen uns in Zukunft überhaupt keine Gedanken mehr machen, wie viel wir einsetzen. Wir haben kein Risiko. Wir können nur gewinnen.
Zugegeben, das ist eine reichlich absurde Geschichte, die ich Ihnen da aufgetischt habe. Aber leider, Sie werden es schon ahnen: So läuft das in der Welt der globalisierten Finanzwirtschaft. Selbst wenn die Spekulanten einmal verlieren sollten, bleiben sie dabei oft doch die Gewinner. Anfang der neunziger Jahre galt Mexiko als Eldorado für Geldanlagen. Es sprach sich schnell herum, dass man hier gute Zinsen bekommen konnte. Mexiko hatte sich im Vergleich zu anderen Ländern Lateinamerikas relativ schnell von der Schuldenkrise der achtziger Jahre erholt und galt international wieder als kreditwürdig. Um wirtschaftliche Stabilität zu erreichen, die Inflation (die während der letzten Krise auf 150 Prozent gestiegen war) abzubauen und internationale Investoren anzulocken, koppelte der mexikanische Staat den Peso fest an den amerikanischen Dollar. Das bedeutet, der Staat garantierte die Rückzahlung von Staatsanleihen (die Tesobonos) zu einem fest vereinbarten Dollarkurs. Und tatsächlich, der Plan schien zunächst aufzugehen. Die Inflation sank auf unter 20 Prozent und fiel weiter bis auf 7,1 Prozent im Jahr 1994. Gleichzeitig wuchs die mexikanische Wirtschaft von 1989 bis 1994 mit durchschnittlich 3,9 Prozent pro Jahr. Stabilität, Wachstum und Liberalisierung stimmten viele private und institutionelle Anleger optimistisch. Doch diesem großen Optimismus sollte bald ein ebenso großer Pessimismus folgen. Plötzlich und unerwartet stürzte der Peso ab. Wie eine Herde von Schafen, die zunächst in das Land gedrängt war, galoppierte die Spekulantenschar davon. Die so genannte Tequila-Krise war da. Man war jetzt der Ansicht, dass die zunächst hochgelobte Dollarbindung des Peso ein schwerer Fehler gewesen sei. Auf Dauer sei seine Abwertung unvermeidlich gewesen. Rette sich, wer kann. Der mexikanische Staat konnte die inflationär auftretenden Wünsche nach Rückzahlung der Anleihen nicht mehr bewältigen. Das Geld der Investoren schien verloren. Doch es nahte Rettung für die Spekulanten in Gestalt der US-amerikanischen Regierung unter Bill Clinton. Seine Regierung bewilligte dem schwer angeschlagenen mexikanischen Staat einen Kredit über 20 Milliarden US-Dollar, bewegte den Internationalen Währungsfonds (IWF) zum ersten Großkredit seiner Geschichte über 17,8 Milliarden Dollar an Mexiko und brachte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) dazu, weitere Unterstützung zu gewähren – finanziert von den europäischen Zentralbanken. Mexiko konnte seine Verbindlichkeiten bezahlen. Clintons Argument: Das Land sei zu wichtig für die US-amerikanische Wirtschaft, als dass man es fallen lassen könne. Und tatsächlich ging der Plan auf: Die Tequila-Krise wurde eingedämmt. Dennoch, die Menschen in Mexiko litten unter ihren Folgen. Die Reallöhne schrumpften um zwanzig Prozent und hatten sich 2001 immer noch nicht erholt. In Wirklichkeit hatte man ja nicht Mexiko von der Schuldenlast befreit, sondern den Spekulanten aus der Patsche geholfen. »Bail-Out«, zu deutsch »Herauspauken«, wird diese Praxis genannt, und vieles spricht dafür, dass das blinde Vertrauen auf internationale staatliche Intervention spätere Finanzkrisen noch verschärft hat. Ein Beispiel dafür ist Russland. Hier wurden Ende der neunziger Jahre so hohe Risikoprämien versprochen, dass man wohl davon ausgehen kann, dass ein Kollaps und eine anschließende Hilfe des IWF von Anfang an einkalkuliert waren.
Der Spruch, dass Gewinne aus Spekulationen privatisiert und Verluste sozialisiert werden, wird nicht gerne gehört. In den beiden beschriebenen Fällen jedoch trifft er hundertprozentig zu. Wie man angesichts solcher Vorgänge auf die Idee kommen kann, weiterhin daran zu glauben, dass in der Marktwirtschaft eigennütziges Handeln für alle von Vorteil ist, verstehe, wer will. Das glaubt nicht einmal mehr George Soros, nachzulesen in seinem Buch »Die Krise des globalen Kapitalismus«.

3. Die Vernunft regiert den Markt

Sie denken zuerst, dann unterschreiben sie: Geschäftsleute sind sehr überlegte Menschen. Wer sich auf den Markt begibt, um dort erfolgreich Handel zu treiben, tut gut daran, sich über die Umstände seines Handelns genauestens zu informieren: Welche Konkurrenzen bestehen? Wo liegen Preisunterschiede, und wie sind sie begründet? Wie und aufgrund welcher Umstände werden sich die Preise künftig entwickeln? Solche Fragen sollte man sich stellen, bevor man seine Unterschrift unter einen Vertrag setzt. Insbesondere in der Neoklassik geht man daher davon aus, dass sich alle Marktteilnehmer rational verhalten, dass der Handel treibende Mensch ein echter »homo oeconomicus«, ein vernunftbegabtes Wesen, ist.
Die Entwicklung an der Börse lässt daran erhebliche Zweifel aufkommen. Sowohl in den zwanziger Jahren wie auch in den neunziger Jahren kletterten die Aktienkurse exorbitant. Geld, das man nicht für Konsum oder Investitionen benötigte, brachte man nicht mehr auf die Bank, das war hoffnungslos altmodisch. Nein, man trug es zum Kiosk, um sich eines der zahlreichen neu erschienenen Wirtschaftsmagazine zu kaufen, vielleicht das mit den besten »Geld-Tipps« oder jenes, das tod-sichere Rezepte versprach, »wie auch Sie an der Börse reich werden können«. Dann investierte man noch in ein 45-Minuten-Video mit dem »Schnellkurs Aktien«. Und nachdem man von den Erfolgsgeschichten der Gebrüder Haffa oder auch nur von jenen des prahlenden Büronachbarn so richtig heiß gemacht worden war, legte man seine Ersparnisse in Aktien an. Oder, wenn man schon etwas fortgeschritten war, in Aktien-fonds. Und wenn man ganz besonders gewitzt und gierig war und dazu noch einen gewitzten Bankberater hatte, nahm man zusätzlich noch einen dicken Kredit auf – um so mit der Aktienhausse noch schneller reich zu werden.
Immer mehr Menschen dachten so. Der Dow-Jones-Aktienindex stieg von 1982 bis 1998, also in einem Zeitraum von sechzehn Jahren, um das Zwölffache an. Dieser Anstieg wäre dann gerechtfertigt gewesen, wenn in dieser Zeit die Gewinne oder wenigstens die Gewinnerwartungen ebenfalls um das Zwölffache gestiegen wären. Das war natürlich nicht der Fall. Die Gewinne stiegen zwar erheblich, aber »nur« um etwa das Drei- bis Vierfache.