Abschied vom Seelengefährten
 
 
 
Ayanèe
image.pngErschienen im novum pro Verlag

Impressum
 
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
 
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und -auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
 
© 2010 novum publishing gmbh
 
ISBN Printausgabe: 978-3-99003-164-3
ISBN e-book: 978-3-99003-715-7
Lektorat: Mag. Petra Vock
 
Gedruckt in der Europäischen Union auf umweltfreundlichem, chlor- und säurefrei gebleichtem -Papier.
 
www.novumpro.com
 
AUSTRIA · GERMANY · HUNGARY · SPAIN · SWITZERLAND
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Einen Menschen lieben heißt,
ihn in seiner höchsten Möglichkeit
zu sehen.
 
 
 
 
 
 
 
 
Seelengefährten
 
 
Viele esoterische Bücher und Schriften befassen sich mit dem Begriff des Seelengefährten. Da wird von unserer fehlenden Hälfte gesprochen, von der Dualseele – von diesem einen einzigartigen Menschen, der alle unsere Träume wahr werden lässt.
Das Finden deiner Dualseele wird als das absolut Erstrebenswerteste dargestellt, so als würde durch die Begegnung dein Leben nur mehr eine Folge von immerwährender Glückseligkeit.
Nur in einem einzigen Buch – von den vielen, die ich zu diesem Thema gelesen habe – fand ich bisher auch den Hinweis, dass diese Begegnung auch sehr herausfordernd und schmerzlich sein kann.
Die meiste Zeit wird also die Geschichte mit dem Seelengefährten als „die vollkommene Beziehung“ dargestellt.
Gerade wir Frauen sind natürlich von so einer Vorstellung besonders beeindruckt, da unser Denken vorwiegend beziehungsbezogen ist und wir uns wünschen, wenn wir diesen einen Märchenprinzen gefunden hätten, dann verschwänden viele Schwierigkeiten wie von selbst.
Dass wir, indem wir an diese mystische Geschichte glauben, aber wieder nur unsere Macht abgeben – das scheint den meisten Frauen überhaupt nicht klar zu sein.
Schon allein die Aussage, dass es nur möglich ist, wahres Glück einzig über die Begegnung mit einem anderen Menschen zu erfahren, sollte doch bei so mancher die Alarmglocken klingeln lassen.
Viele Menschen sind auf der Suche nach ihrem Seelengefährten und haben noch nie über den tieferen Sinn dieses Mythos nachgedacht:
Letztendlich ist er nur ein Hinweis darauf, dass die meisten Menschen sich selbst noch nicht in ihrer Ganzheit erkannt haben und glauben, scheinbar fehlende Anteile von sich im Außen zu finden.
Diese Sehnsucht nach dem Glück und der Liebe sollte uns also nicht zu einem anderen Menschen führen, sondern nur zu uns selbst.
Menschen, die unseren Weg kreuzen, und besonders jene, mit denen wir emotional verbunden sind, haben wir nur aus einem Grund in unser Leben eingeladen: um Erfahrungen zu machen und unsere blinden Flecken zu erkennen.
Denn wer fordert uns am meisten: unsere Eltern, unser Partner und unsere Kinder, also Menschen, denen wir in Liebe zugetan sind.
Unsere Familien sind die Schulen des Lebens!
In diesem Buch möchte ich meine ganz persönlichen Erfahrungen weitergeben. Vom Finden meines „Seelengefährten“ und von dem langen Weg zu mir als selbst bestimmende Frau.
Heute weiß ich, dass dies einer der Gründe war, warum wir uns begegnet sind: die unzähligen Erkenntnisse darüber, wie wir Frauen uns noch immer von unserem Partner abhängig machen und uns entmachten lassen.
Desgleichen die Erkenntnis, dass wir in einer absolut männlich dominierten Welt leben und die Emanzipation der Frauen eigentlich nur eine Farce ist – ein Schuss, der nach hinten losging.
Und schließlich die Erkenntnis, dass wir Frauen dies nicht verändern werden, indem wir es den Männern gleichtun und kämpfen und unser Geschlecht verleugnen, sondern nur, indem wir uns selbst wieder ganz erkennen – als Frau.
Ich weiß, es ist ein langer Weg. Aber als ganzheitliche, spirituelle Frau weiß ich, dass er sich lohnt.
Heute bin ich wieder ganz – ganz in mir selbst. Ich brauche niemand mehr im Außen, der mich bestätigt und liebt. Ich liebe mich selbst und bekomme dadurch mehr von den Menschen, als ich mir jemals erträumt habe!
 
Ayanèe
 
 
 
Zur Erklärung
 
 
Das, was ich in diesem Buch als Erkenntnisse und Erklärungen weitergebe, ist aus mir selbst erwachsen und ist keinesfalls wissenschaftlich untermauert oder beweisbar.
Vieles wird auf viele Frauen zutreffen, manches ist einfach meine eigene Erfahrung und wird somit andere nicht berühren.
Aussagen, die sich pauschal anhören (die Männer, die Frauen), sind natürlich nicht auf alle bezogen, sondern auf eine große Anzahl. Es ist mir bewusst, dass es viele Menschen gibt, die nicht in ein Schema passen – und Gott sei Dank werden diese immer mehr.
Es wäre schon Grund genug, dieses Buch zu lesen, wenn dir dabei klar wird, was ein Thema in deinem Leben ist und was nicht.
Dies ist einfach meine Geschichte und der damit verbundenen Erkenntnisse.
Da dabei auch andere Personen erwähnt werden, habe ich deren Namen geändert.
Meinen Gefährten, der mich zu diesem Buch inspiriert hat, nenne ich hier „Adam“ – und ich denke, ich konnte wohl keinen passenderen Namen finden! Denn schon in der Schöpfungsgeschichte sitzt der Wurm drin …
 
 
 
Zwischenzeit
 
 
Seit drei Jahren war ich nun allein – das heißt ohne feste Beziehung, ohne Lebenspartner.
ICH – eine Frau Anfang 40, ein geschiedener Mann, zwei erwachsene Töchter und mit einer Berufung, die mich und damit mein Leben völlig verändert hatte.
Seit vier Jahren hatte ich Kontakte mit der geistigen Welt und war von großen Lehrern unterrichtet worden. Ich wusste, dass ich in meinen Händen besondere Kräfte hatte, mit denen ich Menschen helfen und Leid lindern oder Krankheiten heilen konnte.
Vor allem aber hatte ich die Gabe zu sprechen und zu erzählen und die Menschen wurden mitgerissen, aufgerüttelt und fühlten in ihrem Innersten, dass das, was ich da erzählte, zu stimmen schien, auch wenn es für den Verstand vorerst nicht nachvollziehbar war.
Denn in erster Linie sprach ich natürlich von meinen Erlebnissen mit meinen Lehrern aus der anderen Welt und davon, was ich von ihnen gelernt hatte.
In den vergangenen Jahren hatte ich viele Seminare und Kurse besucht und war so in meinen aus dem scheinbaren Nichts kommenden Gaben und meinem Wissen bestärkt worden und hatte damit auch einige fundierte, mehr greifbare Ausbildungen vorzuweisen.
So war ich auch zu Reiki geführt worden und wusste: Im weitesten Sinne ist mein „Handauflegen“ dieselbe Form. Also hatte ich auch die Ausbildung zum Reiki-Meister und -Lehrer gemacht und veranstaltete selbst Reiki-Seminare für den 1. und 2. Grad.
Des Weiteren hatte ich eine Ausbildung in Astrologie absolviert und brachte das wenige Wissen, das ich damals hatte, mit Begeisterung an die Frau und den Mann. (Heute weiß ich, dass sich das weite Feld und die Komplexität dieses Themas erst nach vielen, vielen Jahren der ständigen Beschäftigung damit so richtig eröffnen.)
Für alle Astrologie-Kundigen: Ich bin eine Löwe-Frau mit Aszendent Zwillinge. Somit wurde mir ein gesundes Selbstbewusstsein – manche sagen auch Dominanz – in die Wiege gelegt und ich will das, wofür ich mich begeistere, auch unmittelbar weitergeben. Darum habe ich oft ohne Bedenken sofort das, was ich gelernt habe, in eigene Seminare verpackt, denn ich wusste, auch wenn es noch nicht viel ist, so ist es doch mehr als jene wissen, die sich noch gar nicht mit der Materie beschäftigt haben.
Durch dieses angeborene Vertrauen in mich selbst konnte ich auch immer zu meinen Schwächen und Fehlern stehen und machte meine Erkenntnisse, die aus der Beschäftigung mit meinen Schattenanteilen erwuchsen, wieder zu einem Lehrthema.
Ich kam mit vielen Menschen in Kontakt, die meine Klienten und Schüler waren, jedoch mein Wunsch nach einer festen partnerschaftlichen Beziehung wurde nicht und nicht Wirklichkeit.
In dieser Zeit wurde ich oft mit der Einsamkeit konfrontiert und damit wieder mit alten Kindheitstraumen, als ich sehr viel alleingelassen worden war.
Ich erkannte, dass mein Allein-Sein auch den Zweck hatte, um diese Kindheitsmuster aufzulösen, aber deshalb tat es nicht weniger weh.
Ich wünschte mir also sehnlichst einen Partner und weinte oft nächtelang in mein Kopfkissen, wenn wieder ein Seminar zu Ende war, die Menschen nach Hause zu ihren Familien gingen und die Einsamkeit in mein Herz kroch.
Besonders weh tat es, dass da niemand war, wenn ich berichten und erzählen wollte, was ich so erlebt, was ich wieder Außergewöhnliches gesehen und gespürt hatte.
Ich wünschte mir nichts mehr als jemanden, mit dem ich mein Innerstes teilen konnte!
Wenn ich so zurückdenke, fallen mir noch einige markante Dinge ein: Da war die Scham, wenn ich ausging oder unter fremden Menschen war – die Scham, allein zu sein. So, als trüge ich ein großes Schild auf meinem Rücken, auf dem stand: „Ich habe keinen Mann.“
Heute muss ich darüber natürlich lachen, aber damals war dieses Schamgefühl grausam real für mich.
Bei jeder Gelegenheit erzählte ich, dass ich 22 Jahre verheiratet gewesen war und zwei Töchter habe – so, als würde ich wenigstens damit beweisen, dass ich als Frau nicht völlig versagt habe.
Da war er – der erste Hinweis auf diesen tief sitzenden Makel vieler Frauen: „Du bist nichts wert ohne Mann!“
Natürlich fehlte mir auch die körperliche Zweisamkeit und ich war ständig auf der Suche nach einem Sexualpartner.
Man sollte meinen, für eine reife Frau, die nicht allzu übel aussah, sollte dies kein Problem sein – aber es war eines. Denn ich fühlte mich ja nicht mehr als eine „normale“ Frau, sondern ich hatte über den Rand geblickt. Ich hatte Dinge erlebt, die die meisten Menschen als verrückt oder zumindest unglaubwürdig abtun würden, und es hatte mich verändert. So verändert, dass ich nicht so einfach einen x-beliebigen Mann an mich heranlassen konnte.
Ich wollte eine spirituelle Beziehung. Eine Beziehung, in der meine Fähigkeiten nicht belächelt oder verneint wurden, sondern eine, in der ich verstanden wurde.
Dazu war es natürlich notwendig, dass mein potenzieller Partner sich auch mit „Esoterik“ beschäftigen würde. (Ich schreibe „Esoterik“ in Anführungszeichen, weil sich im Laufe der Zeit der Begriff eher ins Negative verwandelt hat. So viele bezeichnen sich als Esoteriker, nur weil sie sich einmal eine besondere Steinkette umgehängt oder schon einmal etwas von den Chakren gehört haben. Heute würde ich mich entschieden dagegen wehren, wenn mich jemand als Esoterikerin bezeichnen würde, aber damals habe ich mich als solche empfunden und einen gleichgesinnten Mann gesucht.)
So fiel mir auch eines Tages in einer Zeitung ein besonderes Partnerinserat auf, da direkt unter diesem und mit derselben Telefonnummer der Aufruf zur Teilnahme an einer Meditationsgruppe stand.
Ich beschloss also, mich als Interessentin für die Gruppe zu melden, und dachte mir: „Wenn ER mir nicht gefällt, kann ich noch immer so tun, als hätte ich das Partnerinserat nicht gelesen!“
So lernte ich Peter kennen und eine Zeit lang verband uns auch eine nette Freundschaft, der angestrebte Lebenspartner war er jedoch nicht. – Er führte mich aber zu diesem!
Drei Jahre früher: In der Ausbildung bei meinem eigenen 2.-Grad-Reiki-Seminar machten wir eine wunderschöne Meditation. Bei dieser Meditation (die ich übrigens heute noch in fast derselben Form bei meinen eigenen Reiki-Seminaren durchführe) begleitete uns mein Reiki-Meister/Lehrer von der Erde weg in den Weltraum und ich genoss das Empfinden, in der Schwerelosigkeit zu schweben. Es war ein wunderbares Gefühl und ich hätte ewig in dieser Meditation bleiben können!
– Und da, ganz plötzlich kam da in mein wunderschönes inneres Bild vom Sternenhimmel ein riesiges Ungetüm geflogen. Es sah aus wie ein gigantisches Raumschiff, bis ich erkannte, dass es sich um eine überdimensionale Autonummerntafel handelte. Ich wollte dieses Ungetüm aus meiner Meditation eliminieren, aber es gelang mir einfach nicht.
– Dann auf einmal wusste ich, dass diese Nummerntafel etwas mit meinem zukünftigen Partner zu tun hatte! Ich versuchte die Nummer zu lesen, damit ich wenigstens wusste, in welchem Bezirk ich forschen musste, aber es gelang mir nicht.
Später fiel mir jedes Mal bei dieser Meditation dieses Bild ein und ich erzählte lachend meinen Schülern von diesem „seltsamen Ufo“, das sich da in mein meditatives Weltall geschlichen hatte.
 
 
 
Begegnung
 
 
Mein neuer Freund Peter war ständig auf der Suche. Nach neuen Bekanntschaften, nach potenziellen Partnerinnen und – nach Wunderheilern.
Wie jeden von uns „plagten“ ihn eine Vielzahl von Unvollkommenheiten und so wurden jeder neue Guru, jede Schamanin, jeder Geistheiler und jede neue New-Age-Technik sofort von ihm beäugt und ausprobiert.
Willkommene Informationsquelle für diverse Neuigkeiten war unser „Esoterik-Stammtisch“, den ich ein Jahr zuvor initiiert hatte, damit man sich einmal monatlich mit Gleichgesinnten treffen konnte.
An einem dieser Abende erschien Markus. Ich kannte ihn schon längere Zeit, denn ich hatte einige Jahre zuvor bei ihm ein Seminar besucht. Er war ausgebildeter Schulmediziner, hatte sich aber seit Längerem alternativen Methoden zugewandt.
Markus erzählte uns im Laufe des Abends von einer besonderen Begegnung, die ihn vor allem deshalb so begeisterte, weil „man immer und überall mehr Menschen trifft, die sich ebenfalls mit Esoterik beschäftigen“.
Also kurz seine Geschichte: Markus machte gerade eine schwierige Zeit durch. Die Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin und diverse körperliche Beschwerden setzten ihm zu und noch dazu hatte er aus Unachtsamkeit einen Verkehrsunfall verursacht und sein Auto ziemlich demoliert. Bei diesem Unfall hatte er unbemerkt sein Autokennzeichen verloren. Dieses wurde ihm später von einem Gendarmen nach Hause gebracht.
Im Laufe des sich entwickelnden Gespräches schüttete Markus diesem Gendarmen sein Herz aus und berichtete von seinen momentanen schwierigen Lebensumständen. Und ganz plötzlich bot der Gendarm Markus an, ihm zu helfen, wenn er dies gern wolle.
„Helfen“ war eine Art Handauflegen und Energieübertragung, die Markus tatsächlich aus seinem seelischen Tief ein wenig herausholte.
Darüber erzählte uns Markus und schwärmte von diesem Gendarmen und dass es ihm seitdem viel besser gehe.
Mehr brauchte Peter nicht zu hören. Sofort fragte er nach der Adresse des Mannes und ob man da auch „einen Termin ausmachen“ könne – was er natürlich bei nächster Gelegenheit tat.
Beim nächsten Treffen unserer wöchentlichen Meditationsrunde erzählte Peter von seiner ersten Sitzung und von da an wurden wir immer informiert, was sich anhand des wundertätigen Gendarmen bei Peter alles so veränderte.
So wurde die ganze Gruppe immer neugieriger auf diesen außergewöhnlichen Menschen, und als Peter sein Geburtstagsfest plante und sagte, dass er auch den Gendarmen eingeladen hatte, waren wir alle natürlich voll begeistert.
Und so lernte ich Adam kennen.
Es war ein wunderschönes Geburtstagsfest, in einem ziemlich feudalen Lokal, und wir unterhielten uns alle hervorragend. Wie es meine Art war, gab ich viele Geschichten zum Besten und wir lachten an diesem Abend, bis uns allen der Bauch wehtat.
Adam passte wunderbar in unsere Gruppe, denn auch er konnte so erfrischend herzlich lachen und war zu jedem Spaß bereit.
Es hat nicht sofort „klick“ gemacht, wie man sich das vielleicht so vorstellen mag. Er war einfach dabei und ich fand ihn nett und sympathisch – mehr nicht.
Nach diesem Abend fragte mich eine Freundin, ob er mir gefalle, und sie meinte: „Ich habe mir ein paar Mal gedacht, ihr beide würdet gut zueinander passen, weil ihr beide so herzlich lachen könnt!“ – und: „Adam ist ein fescher Mann, findest du nicht auch?“ Daraufhin musste ich zugeben, dass ich darüber gar nicht nachgedacht hatte, und ich stellte fest: „Nein, er sieht meinem Exmann zu ähnlich, schon allein aus dem Grund kommt er nicht infrage – und außerdem ist er verheiratet.“
 
Alle markanten Ereignisse in unserem Leben werfen ihre Schatten voraus oder – wie ich es meist bezeichne – senden uns Boten. An die Nummerntafel in meiner Meditation vier Jahre zuvor dachte ich weder bei Markus’ Erzählung noch später bei der ersten Begegnung mit Adam. Erst einige Wochen später, als mir ein weiterer Bote mitteilte, Adam sei mein Seelengefährte, fiel mir plötzlich auch diese Ankündigung wieder ein – aber dazu später mehr.
 
 
 
Gespräche
 
 
Da sich Adam in unserer Gruppe sehr wohlgefühlt hatte, war es selbstverständlich, dass er von nun an auch bei unseren Meditationsabenden mit dabei war.
Nach diesen Treffen saßen wir beide immer noch lange im Auto und erzählten uns aus unserem Leben. (Adam wohnte am weitesten weg von dem Treffpunkt der Gruppe und holte mich meist ab.)
Zuerst war es wie ein gegenseitiges Beschnuppern, da wir keine Ahnung hatten, wie weit der andere schon in die „esoterische Materie“ vertieft war. Jeder hielt seine eigenen außergewöhnlichen Erfahrungen zurück, um den anderen nicht zu überfordern.
Außerdem hatte jeder so seine eigenen Überzeugungen. – Die meine war: Peter hat schon so viele scheinbare Wunderheiler aufgetan, die sich später als völlig durchschnittliche Menschen herausgestellt haben, wahrscheinlich ist es bei Adam nicht anders.
Adam wiederum hatte mit Reiki-Anwendern und Astrologen nicht so positive Erfahrungen gemacht und erkannte erst langsam durch unsere Gespräche, dass „da doch etwas dahinter sein müsse“.
Wir redeten also – teilweise stundenlang und mit zunehmender Begeisterung! Wir öffneten uns immer mehr und mehr, und langsam begann ein jeder von seinen außergewöhnlichen Erfahrungen zu berichten. Und wir erkannten: Da war ein Mensch, der die gleichen Visionen hatte, der mit der geistigen Welt kommunizierte und intensive spirituelle Erfahrungen erlebt hatte.
Zur Erklärung muss ich erwähnen, dass in den 90er-Jahren noch nicht so viele Menschen auf dem spirituellen Weg waren – zumindest in unserem Umfeld noch nicht. Ich hatte unglaubliche Dinge erlebt, die ich zwar an kleinere Gruppen Interessierter weitergeben konnte, aber es war einfach ein Erzählen. Die Menschen saßen oft mit offenem Mund und großen Augen da und lauschten mir begeistert und ich denke, es war meiner sonst sehr realistischen Persönlichkeit zu verdanken, dass sie mich nicht für völlig übergeschnappt hielten.
Aber da war niemand, der ähnlich intensive Erfahrungen und Erleuchtungserlebnisse gehabt hatte, und so war ich auf meinem Weg sehr allein.
Die neue Welt, in die ich einige Jahre zuvor eingetaucht war, war für mich ein großes Mysterium und, da ich – wie erwähnt –
sonst eine große Realistin bin, zum Großteil unerklärlich. Ich zweifelte auch immer und immer wieder, ob ich mir gewisse Dinge vielleicht doch einbildete, aber da ich die Botschaften und Visionen so klar und vor allem immer wieder erlebte, musste ich langsam, aber sicher akzeptieren, dass ich offensichtlich einen besonderen Zugang zu anderen Bewusstseinsebenen hatte.
In mir war eine tiefe innere Sehnsucht nach einem Menschen, der Ähnliches erfahren hatte und mir nicht nur zuhörte, sondern dies aus seinem eigenen Erleben bestätigen konnte.
In Adam hatte ich diesen Menschen gefunden!
Voller Faszination hörten wir einander zu und teilweise fassungslos stellten wir fest, dass der andere dieselben Erfahrungen gemacht und die gleichen Visionen erlebt hatte. Manchmal war das, was wir uns erzählten, so identisch, dass es fast unglaublich war.
So entstanden zwischen uns ein tiefes inneres Verstehen und eine wunderbare Verbundenheit, wie wir sie beide bisher noch nie in unserem Leben verspürt hatten.
Adam erzählte auch von seinen Schwierigkeiten in seiner Ehe und dass seine Frau seine Öffnung für den esoterischen Weg ablehnte und auch als Bedrohung für ihre Beziehung empfand. Ich fühlte die große Traurigkeit, wenn er von den Streitereien sprach, und ich bewunderte ihn sehr, als er sagte: „Aber gerade, wenn man auf diesem Weg ist, weiß man doch, dass es für alles eine Lösung gibt, und kann doch nicht einfach davonlaufen!“
Eines Tages brachte Adam ein Buch mit und fragte mich, ob ich es lesen wolle. Er erklärte mir, dass es nicht von einem Menschen verfasst, sondern aus der geistigen Welt gechannelt worden war. Der Name dieses geistigen Lehrers sei Ramtha. Es hatte auch gar keinen richtigen Titel, sondern es stand nur „Ramtha“ und „Intensiv“ auf dem einfarbigen roten Umschlag.
Ich musste gestehen, dass ich bisher nichts von Ramtha gehört hatte, nahm das Buch aber interessiert an.
Adam sagte noch etwas unsicher: „Vielleicht kannst du nicht wirklich etwas damit anfangen, dann gib es mir beim nächsten Treffen einfach wieder zurück!“
Und so legte ich mich an einem warmen Frühlingstag mit dem Buch in den Garten und schlug es auf.
 
Vier Jahre früher: Eines nachts wurde ich wach und plötzlich war das ganze Zimmer in überirdisch helles Licht getaucht. Dann fühlte ich, dass ich nach oben gezogen wurde, so als hebe eine Art Lichtaufzug mich einfach hoch.
Plötzlich befand ich mich auf einer Art Plattform oder einem runden Raum, von dem ich die Wände aber nicht wahrnehmen konnte. In diesem Raum befanden sich viele Gestalten, die lange Kleider oder Kutten mit Kapuzen trugen, sodass ich die Gesichter nicht sehen konnte. Es herrschte ein diffuses, aber sehr helles Licht und alles war irgendwie verschwommen.
Ich befand mich in der Mitte des Raumes und die Gestalten standen alle rund um mich. Ein überwältigendes Gefühl der Liebe umfing mich.
Plötzlich lag ich wieder in meinem Bett und schlief tief bis zum Morgen.
Dieses Erlebnis wiederholte sich drei Monate lang! Jede Nacht wurde ich um Punkt 03.30 Uhr wach und sofort begann das Licht sich auszubreiten und ich wurde auf eine andere Ebene gezogen.
Es versteht sich wohl, dass ich zuerst dachte, wahnsinnig zu werden, oder glaubte, sehr intensiv zu träumen – aber irgendwann musste ich akzeptieren, dass mir das tatsächlich passierte.
In diesen drei Monaten wurde ich unterrichtet. Meine Lehrer waren nicht von dieser Welt und es war auch kein verbaler oder Vortragsunterricht. – Das Wissen floss einfach von ihnen zu mir. Ich kannte auch die meisten meiner Lehrer nicht mit Namen, sah auch kaum je ein Gesicht. Ich spürte einfach die Unterschiede ihrer Energie und erkannte gewisse von ihnen, von denen ich öfter unterrichtet wurde, nur mit meinem Gefühl.
 
So lag ich also im Garten und schlug das Buch von Ramtha auf. – Und in dem Augenblick stand er neben mir.
Es ist schwierig zu erklären, wenn solche Dinge passieren, wie das wirklich ist. Ich denke, dass einige der Leserinnen und Leser jedoch schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben und verstehen. Für alle, die noch nichts Ähnliches erlebt haben, versuche ich es so gut wie möglich zu erklären.
Natürlich stand Ramtha nicht körperlich neben mir, sondern ein völlig klares inneres Bild eröffnete sich mir. Auch der Dialog, der dann folgte, vollzog sich innerlich. Nicht wiederzugeben sind die vielen Gefühle, die mit so einer Begegnung verbunden sind, und die inneren Abläufe. Bei einem engen Kontakt mit einem Wesen aus der geistigen Welt strömt in Bruchteilen von Sekunden eine solche Fülle an Informationen und Gefühlen ein, wie sie in der normalen Zeit nicht möglich wären. Das, was ich hier formulieren kann, vermittelt daher nur eine Ahnung von dem, was da geschah. Auch unser Gespräch bestand aus viel mehr als den niedergeschriebenen Sätzen, aber ich beschränke mich hier auf jene, die für meine Geschichte wichtig sind.
Schlagartig erkannte ich in Ramtha einen meiner Meisterlehrer von früher.
Ich: „Wo warst du denn so lange?“ (Ich hatte schon seit Jahren keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt.)
Ramtha: „Ich wusste, dass die Zeit kommt und wir uns wieder begegnen. Jetzt muss ich dir eine wichtige Mitteilung machen: Adam ist dein Seelengefährte!“
Ich: „Weiß er es auch?“
Ramtha: „Er wehrt sich noch ein wenig dagegen.“
Es ist wahrscheinlich verständlich, dass ich nach dieser Begegnung noch eine Weile brauchte, um das Erlebte und Erfahrene zu verdauen, dann aber begann ich das Buch zu lesen. Das heißt, ich wollte es lesen, aber ich stellte schnell fest, dass ich das alles einfach schon wusste, was da niedergeschrieben stand.
Ich überflog also Seite um Seite und begriff: Das alles hatte mich Ramtha vor Jahren gelehrt – und es war in mir. Ich brauchte es also nicht mehr zu lesen, sondern mich nur zu erinnern!
Schon am nächsten Tag brachte ich Adam das Buch zurück. Sofort stellte er fest: „Es hat dir also nicht gefallen!“ „Doch“, sagte ich, „nur – ich hab es nicht so richtig lesen müssen!“
Und so berichtete ich von meinem Unterricht aus der geistigen Welt. Adam reagierte nicht mit Erstaunen, wie ich es sonst bei den Menschen erlebte, denen ich von meinen Erfahrungen erzählt hatte. – Er war begeistert! Und da war kein Funken Zweifel oder Ungläubigkeit – er wusste, dass das genauso war, wie ich sagte, und ich fühlte mich unendlich verstanden.
Was ich Adam nicht erzählte, war die Mitteilung, die mir Ramtha gemacht hatte. – Ganz ehrlich, ich konnte damit selbst noch nicht sehr viel anfangen. Seelengefährten oder Dual- oder Zwillingsseelen, wie sie auch bezeichnet werden, hatten bisher keine Rolle in meinem Leben gespielt. Das heißt, ich hatte mich nicht definitiv nach dieser sogenannten 2. Hälfte gesehnt und war darum auch nicht mit entsprechender Literatur in Kontakt gekommen. Es war daher völliges Neuland für mich, und obwohl mich die Aussage Ramthas natürlich beschäftigte, beschloss ich, die Dinge ihren Lauf nehmen zu lassen. Ich wusste, es würde sich zeigen, wenn es wirklich so war.
Einige Tage später kam Adam zu einer Reiki-Sitzung zu mir. Jede Reiki-Behandlung ist normalerweise ein Genuss. Der Klient liegt auf einer Liege und der Behandler legt die Hände auf bestimmte Körperstellen und lässt Energie einfließen. Dadurch breitet sich zumindest ein herrliches Gefühl der Ruhe und Entspannung in ihm aus, und wenn es sein soll, werden auch Blockaden beseitigt und Schmerzen gelindert.
Adam lag also schon eine Weile ganz entspannt auf dem Behandlungstisch, als er plötzlich murmelte: „Sagt dir der Begriff ‚Seelengefährten‘ etwas?“
Es war also ausgesprochen. Nun wussten wir es beide. Und beide wussten wir, dass wir eine gemeinsame Zukunft hatten, auch wenn noch nicht klar war, wie diese aussehen sollte.
Wenn sich eine Frau und ein Mann begegnen und sie fühlen sich zueinander hingezogen, so spielen wahrscheinlich zuerst einmal die Hormone verrückt. Das heißt, die Leidenschaft entflammt und alles in den beiden schreit nach der körperlichen Vereinigung. Erst später, wenn der Verstand wieder eingeschaltet wird, kommen dann so manche Bedenken und die Frage: „Ist er (sie) auch der (die) Richtige für mich? Haben wir eine Zukunft?“
Adam und ich, wir wussten einfach, dass wir zusammengehörten. Es war wie ein Ankommen nach einer weiten Reise. Und da war auch das Gefühl, sich schon ewig lange zu kennen und bei dem anderen zu Hause zu sein. Also alles war genauso, wie es in den Büchern über Seelengefährten – die ich später dann las – beschrieben wurde.
Wir wollten unser Leben miteinander teilen und so erklärten wir uns und begannen die äußeren Schritte zu durchdenken, lange, bevor wir uns auch körperlich aufeinander einließen!
 
 
 
Wir gehören zusammen
 
 
Wir wussten also, dass wir unser zukünftiges Leben miteinander teilen wollten. Nur – Adam war verheiratet.
Er wollte eine Lösung finden, ohne allzu viele Scherben zu hinterlassen. Das war jedoch nicht so einfach, da seine Frau nicht bereit war, die Beziehung zu beenden. Sosehr Adam sich bemühte, ein Gespräch mit ihr zu führen, er wurde nur mit Angriffen und Vorwürfen konfrontiert und musste einsehen, dass es keine vernünftige Lösung ohne allzu viele Verletzungen geben würde.
Tatsächlich dauerte es noch Jahre, bis es zu einer Scheidung kam, und es gab viele verbale Attacken und Angriffe seiner Frau, die nicht loslassen wollte. Besonders schwer für Adam war dabei, dass auch das Haus, das er gebaut hatte und das er so gerne seinem einzigen Sohn übergeben wollte, verkauft werden musste.
Es war ihm bestimmt loszulassen, aber in welchem Ausmaß das notwendig sein würde, wussten wir zu Beginn unserer Beziehung noch nicht. Vorerst schwebten wir beide auf Wolken – völlig überwältigt von unserem „Einander-Finden“ und dem gegenseitigen Verstehen.
Bereits drei Monate nach unserem Kennenlernen und sechs Wochen nach unserem „Erkennen“ zog Adam zu mir. Unmittelbar darauf gab er auch seinen Beruf auf. Genauso wie für mich gab es auch für Adam keine Halbheiten. – Ich hatte drei Jahre zuvor mit einem Schlag alles in meinem Leben verändert bzw. aufgegeben: meine Ehe, meinen Beruf, mein Elternhaus. Ich war damals nur mit einem Koffer weggegangen, ohne zu wissen, wie es weitergehen sollte, aber in dem absoluten Vertrauen zu meinem inneren Ruf: Menschen zu unterstützen und zu heilen und zu lehren.
Adam machte es nun genauso. Nur mit einem Koffer und der Überzeugung, dass dies jetzt der richtige Schritt war, kam er zu mir.
Die Kündigung seines Berufs schlug allerdings in der Öffentlichkeit ungeahnte Wellen und es wurden die wildesten Gerüchte in Umlauf gebracht. Wie immer, wenn jemand eine markante Lebensänderung vollzieht und es nur im weitesten Sinne etwas mit Spiritualität zu tun hat, vermuten Menschen eine Sekte dahinter. So war es auch bei Adam.
Dazu kam, dass es für seine Familie klar war, dass die Frau, die Adam dazu bringen konnte, alles aufzugeben, eine Hexe sein musste und ihn offensichtlich völlig verrückt gemacht hatte. Ich wurde also für alles verantwortlich gemacht – genauso, wie es seit Jahrtausenden üblich ist: Die Frau ist die Böse, die den Mann verführt und willenlos macht.
 
Im patriarchalen System wird das Weibliche entmachtet, minder bewertet und verleugnet, aber gleichzeitig wird die Frau für alles, was nicht ins System passt, verantwortlich gemacht.
Das Urweibliche wird als böse, verdorben und somit bedrohlich (Eva, die Verführerin zur ersten Sünde!!!) für den wahren, von Gott geschaffenen Menschen – nämlich den Mann – dargestellt.
Es ist also im Besonderen auf die Religionen zurückzuführen, dass wir Frauen von unserem So-Sein abgeschnitten wurden. Da unsere Gesellschaft durch die römisch-katholische Kirche geprägt ist, ist es allgemein üblich, die Frau für das schuldig zu sprechen, was nicht den allgemeingültigen Regeln entspricht. Es geschieht einfach, ohne dass sich diejenigen, die die Schuldzuweisung formulieren, darüber Gedanken machen.
Anhand dieser „üblichen“ Vorgehensweise offenbart sich das Paradoxon unserer frauenfeindlichen Gesellschaft: Der Mann ist normalerweise derjenige, der die Fäden zieht – in der Politik, in der Wirtschaft, in den Familien. Er ist der Macher, der Anschaffer –
er hat die Macht.
Geschieht nun etwas, was unsere Gesellschaft als abnormal einstuft und ist daran eine Frau beteiligt, so bekommt sie ganz plötzlich die Macht zugesprochen, den Mann so zu verzaubern, dass er willenlos wird. Wohlgemerkt nur dann, wenn sein Verhalten als „schlecht“ bewertet wird, ist die Frau daran schuld. Sollte es eine allgemein als gut bewertete Sache sein, so ist dies natürlich das Verdienst des Mannes – die Frau ist daran nicht oder nur am Rande beteiligt!
 
Ich wurde also von Adams Familie und seinem gesellschaftlichen Umfeld als die Verführerin abgestempelt. So war es auch erklärbar, dass er ganz plötzlich seine Familie und seinen Beruf aufgeben konnte. Dass da schon lange in ihm der Wunsch gereift war, einen anderen Lebensweg einzuschlagen, und er durch unsere Begegnung endlich den Mut gefunden hatte, dies auch durchzuführen, das interessierte natürlich niemand.
Es war ein Urteil gesprochen worden, und an dem hielten die Menschen aus Adams Umfeld fest – jahrelang, wie sich später herausstellte.
Vorerst stellte diese allgemeine Verurteilung aber keine Belastung für mich dar – es amüsierte mich eigentlich nur. Zu groß war die Begeisterung von unserem gegenseitigen Finden und wir genossen die Tage und Wochen unserer ersten gemeinsamen Zeit.
Wir spürten, dass wir ein riesiges Potenzial in unserem Mitei-nander hatten, das unserer Berufung Flügel wachsen ließ.
Jeder von uns hatte einen Kreis von Klienten, die begeistert von unserer Arbeit waren, da sie die Früchte der in Anspruch genommenen Unterstützung bereits in ihrem Alltag gespürt hatten. – Nun konnten wir mit unseren unterschiedlichen Methoden und Wissensgebieten unser Angebot ausdehnen und begannen damit auch sofort mit großem Enthusiasmus.
Bevor ich Adam kennengelernt hatte, waren meine Tage mit Heilsitzungen ausgefüllt gewesen. Ich wendete dabei die Reiki-Methode an, und da ich ständig – oft auf Wochen – ausgebucht war, wusste ich, dass ich erfolgreich damit war.
Nun berichtete mir Adam von seiner eigenen Heilmethode. Diese hatte er in keinem Seminar oder Ausbildung gelernt, sondern durch seine Fähigkeit, sich in die Menschen einzufühlen, und vor allem seine Hellsichtigkeit war diese Methode aus ihm selbst entstanden. Er nannte sie „Verzeihen und Loslassen“, da es dabei darum ging, sich alten Verletzungen zu stellen und damit abzuschließen. Es war auch eine Art Rückführung, da er erkannt hatte, dass viele Schwierigkeiten im Jetzt auf karmische Erfahrungen zurückzuführen sind.
Es war immer wieder faszinierend zu hören, dass Adam die inneren Bilder, die während so einer Heilsitzung in den Menschen aufstiegen, ebenfalls oft detailgenau wahrnahm.
Ich war hingerissen von Adams Hellsichtigkeit und vor allem davon, dass er diese wirklich steuern konnte. In gewisser Weise war ich wohl auch hellsichtig, aber ich konnte es nicht kontrollieren. Inneres Wissen und Bilder stiegen einfach in mir auf, oft in den seltsamsten Augenblicken (beim Autofahren, beim Kochen usw.). Der Kontakt mit einer anderen Ebene geschah bei mir oft nicht gewollt, sondern ganz plötzlich. Die meiste Zeit war es auch mehr eine innere Gewissheit als ein klares Bild, das sich mir eröffnete. – Später bezeichnete ich meine Fähigkeit auch mehr als „Hellwissen“, während ich Adam immer als „Seher“ empfand.
Dabei war Adam zu Beginn unserer Beziehung noch sehr unsicher, was seine Arbeit betraf. Immer wieder fragte er mich, ob es wirklich sein konnte, dass er das alles so sah. Die Bestätigung, die er durch mich erhielt, machte ihn jedoch immer sicherer und bald schon war auch er völlig überzeugt, dass seine „Bilder“ und das Wissen, was die Menschen jetzt brauchten, stimmen mussten!
Wir hatten also unsere unterschiedlichen Heilmethoden und bald schon glaubte ich, dass die von Adam besser und vor allem effizienter wäre als die meine.
Und so begann ich in meiner grenzenlosen Bewunderung und Liebe, meine Klienten zu Adam zu schicken, weil ich seine Methode schneller und wirksamer fand als die meine.
 
Wenn Frauen lieben, geben sie sich ihrem Partner total hin. So ist es seit Anbeginn der Menschheit. Das ist es letztendlich auch, was das Weibliche ausmacht: die Fähigkeit, sich dem geliebten Menschen völlig zu öffnen – körperlich und seelisch.
Nun kam es im Laufe der Geschichte jedoch zu einem fatalen Irrtum: Durch die Überbewertung der männlichen Eigenschaften wurde Hingabe irgendwann mit Schwäche gleichgesetzt und als minderwertig eingestuft. Dass das Männliche, Aktive, Erobernde sich dabei auch als das Herrschende empfand – also der Irrtum eigentlich auf ihrer Seite war, erzeugte jedoch nicht bei den Männern das Gefühl der Unstimmigkeit, sondern bei den Frauen.
Die Frauen tragen eine tiefe Wunde in sich, die sie das Ihre meist als geringer bewerten lässt als das des Partners.
Dadurch neigen wir Frauen gerade in Liebesbeziehungen dazu, uns nicht nur hin-, sondern auch aufzugeben.
Für die liebende Frau ist es selbstverständlich, ständig an das Wohl des Geliebten zu denken. Das, was unser Gegenüber glücklich macht, macht auch uns glücklich. Wir stellen unsere eigenen Bedürfnisse zurück, weil wir durch das Glück des anderen Menschen um ein Vielfaches für unseren Verzicht belohnt werden. Ein klares Beispiel dafür ist das Bild der liebenden Mutter, für die das Wohl ihres Kindes immer an erster Stelle steht.
Ich weiß, dass diese Aussagen eine Vereinfachung sind. Jeder Mensch – und so auch jede Frau – ist auch ein Produkt seiner Programmierungen durch die Umwelt. So kann eine Frau natürlich auch aus Berechnung oder einer Opferhaltung heraus für das Glück ihrer Liebsten sorgen. Meistens schwingen eine Vielzahl an unbewussten Beweggründen bei allen Handlungen von uns Menschen mit.
Ich möchte jedoch an dieser Stelle vor allem die Gratwanderung zwischen HINgabe und SelbstAUFgabe aufzeigen, die für viele Frauen über kurz oder lang zu einem tiefen Fall führt.
 
In meiner frischen Beziehung zu Adam war ich also in die erste Beziehungsfalle getappt: Ich hatte das Meine als weniger gut bewertet als das Seine und hatte begonnen, meine Macht abzugeben.