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Inhaltsverzeichnis











Endlich Ferien!

Die Schulglocke hatte noch längst nicht geläutet, da waren die ersten Kinder schon aufgesprungen.

„Moooment!“, rief Herr Morgenrot, der erst vor ein paar Tagen an die Schule gekommen war und eigentlich nur Musik unterrichtete. Heute am letzten Schultag vor den Osterferien hatte er für die Klassenlehrerin Frau Roberts einspringen müssen, weil sie ganz plötzlich krank geworden war. Herr Morgenrot war sehr jung, sehr hübsch und sehr nett. Alle Kinder mochten ihn, doch nicht immer hatten sie Lust, seinen Anweisungen zu folgen. „Ich dachte, wir würden noch ein kleines Lied miteinander singen“, sagte er.

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„Ich muss jetzt nach Hause!“, rief Flori. „Mein Flieger startet um Viertel vor drei.“

„Dein Flieger, soso“, sagte Herr Morgenrot. „Wohin fliegst du denn?“

Doch Flori konnte nicht mehr antworten, denn er war bereits zur Tür hinaus.

„Nach Spanien!“, rief Karl.
In diesem Moment läutete es.
Jonas und Line rannten nun auch
aus der Klasse.



Herr Morgenrot begann, seine Unterlagen zu ordnen. „Auf Wiedersehen!“, rief er den hinausströmenden Kindern nach. „Schöne Ferien! Und viele bunte Ostereier!“

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Innerhalb von zwei Minuten war der Klassenraum wie leer gefegt. Nur Sophie saß noch immer auf ihrem Platz.

„Nanu?“, wunderte sich Herr Morgenrot. „Willst du gar nicht nach Hause?

Oder bist du etwa
auf deinem Stuhl festgewachsen?“
Sie sah aus dem Fenster und träumte.



Erst als der Musiklehrer plötzlich vor ihr stand und sie sachte an der Schulter berührte, kehrte sie aus ihrem Traumland in den Klassenraum zurück.

„Äh …“, stammelte sie. „Ich … äh, ich weiß nicht genau … äh, vielleicht, weil sie Hufe haben und Abdrücke im Teppich hinterlassen?“

„Sophie!“ Herr Morgenrot setzte sich auf die Tischkante und lächelte. „In welchem Land bist du denn gewesen?“

„Ähm …“ Irritiert blickte Sophie sich um. Sie saß auf ihrem Platz in der Klasse, doch außer dem Musiklehrer und ihr war niemand im Raum. „Was ist passiert?“, fragte sie. „Haben die Ponys die anderen verjagt?“

Herr Morgenrot schüttelte den Kopf. „Nein, soweit ich mich erinnere, ist kein einziges Pony hier gewesen. Wir haben gefrühstückt, ich habe euch eine Geschichte vorgelesen …“

Mit einem Schlag war Sophie wieder voll da. Ihr Blick fiel auf die Möhrenstücke, die in der Dose vor ihr auf dem Tisch lagen.

Ja klar, sie hatten gefrühstückt.
Sophie erinnerte sich.
Herr Morgenrot hatte vorgelesen
und plötzlich war das Pony aufgetaucht.
Sophie schoss von ihrem Stuhl hoch.
„Können Sie mir das Buch mal zeigen?“
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„Aber gern“, sagte der Musiklehrer. Er ging wieder nach vorn und kramte in seiner Tasche. „Es ist ein sehr altes Buch“, erzählte er. „Ich habe es von meiner Großmutter bekommen, die es schon von ihrer Mutter hatte.“

„Oh“, sagte Sophie. „Dann kann man es bestimmt nicht mehr kaufen.“

Herr Morgenrot zuckte bedauernd mit den Schultern. „Nein, ich glaube nicht. Allenfalls in einem Antiquariat. Das sind Buchläden, in denen man nur alte Bücher erwerben kann“, fügte er erklärend hinzu, als er bemerkte, dass sich auf Sophies Stirn eine Fragezeichenfalte gebildet hatte.

„Das ist aber schade“, sagte sie, während sie die Dose mit den Möhren in ihren Ranzen schob. „Ich fand die Geschichte nämlich sehr schön. Nach den Ferien ist Frau Roberts bestimmt wieder da“, fuhr sie zögernd fort. „Dann haben wir wieder nur Musik bei Ihnen und Sie können uns die Geschichte gar nicht mehr zu Ende vorlesen.“

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„Aber das habe ich doch“, wunderte sich Herr Morgenrot. „Ich habe euch die ganze Geschichte vorgelesen“, betonte er und hob abermals die Schultern.

„Den Jungs scheint sie zwar nicht besonders gefallen zu haben …“

„Ich fand sie toll“, sagte Sophie schnell.

Herr Morgenrot lächelte.
Er zog das Buch aus seiner Tasche
und reichte es Sophie.
Es war blau und samtig
und an den Ecken
schon etwas abgeschabt.
Sophie strich mit den Fingerspitzen
über die goldenen Buchstaben
auf dem Deckel.
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„Das Buch der großen Geheimnisse“, murmelte sie.

„Das ist aber ein spannender Titel.“ Sie sah ihren Musiklehrer an. „Und wer hat das Buch geschrieben?“ Herr Morgenrot blickte über sie hinweg. Für ein paar Sekunden wirkte er leicht weggetreten. Dann beugte er sich mit einem Mal zu Sophie herunter und flüsterte ihr ins Ohr: „Das spielt in diesem besonderen Fall keine Rolle.“

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Sophie schüttelte den Kopf. „ Versteh ich nicht“, sagte sie ein wenig erschrocken über Herrn Morgenrots seltsames Verhalten.

Der Musiklehrer lächelte. „Das wirst du schon noch.“

„Aber …?“, wollte Sophie erwidern, doch Herr Morgenrot machte eine abwehrende Geste. „ Versprich mir nur, dass du es gut behandelst.“

„Sie wollen mir das Buch über die Osterferien leihen?“, fragte Sophie ungläubig.

„Nein“, sagte der Musiklehrer und wieder rückte sein Blick in die Ferne, fast so, als ob er in eine andere Welt schaute. „Ich schenke es dir.“

„Aber Ihre Großmutter …“, setzte Sophie erneut zum Protest an.

„Mach dir keine Gedanken“,
sagte Herr Morgenrot.
„Ich bin mir ganz sicher:
Das Buch ist bei dir
in guten Händen.“