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Inhalt

Gewidmet

Statt eines Vorworts

Geleitwort

Vorbemerkungen

Einleitung

I Interview zur Krisis unserer Zeit

II Die Wählerbestechungsdemokratie

III Die tiefen Ursachen der Schulden- und Eurokrise

IV Steuerhinterziehung und Steuerverschwendung

V Platon oder Aristoteles – Gleichheit oder Freiheit?

VI Die 68er: Ein kurzer Nachruf

VII Liberalismus

VIII Schulden-Kollektivismus

IX Freibier!

X Unternehmerbrief an die GEZ

XI Rot-rot-grüne Projektionen

XII Der Staat und der Bürger: eine Mesalliance

XIII Eurokrise und Köhler-Rücktritt

XIV Die Intellektuellen und die Political Correctness

XV Der »mündige Bürger«

XVI Interview: Die »grüne« Pseudo-Religion

XVII Oswald Spengler

XVIII Zukunftsverweigerung als Wohlstandsphänomen

XIX Dekadenz und kultureller Niedergang im Wohlfahrtsstaat

XX Wir Epikureer?

XXI Unsere Schulen und Universitäten

XXII Deutsch als Wissenschafts- und Kultursprache

XXIII Zeitgeist kontra Kindeswohl

XXIV Feminismus und Genderpolitik

XXV Das deutsche Gesundheitswesen

XXVI Tricksereien der EU

XXVII Freiheit oder Kollektivismus

Schlussfolgerungen: Die vier Konstruktionsfehler unserer Demokratie

Literaturhinweise

In diesem Buch wird die klare und verständliche Sprache der geschlechtergerechten Sprache vorgezogen – dies ganz bewusst. Die geschlechtergerechte Sprache geht nämlich von der törichten Vorstellung aus, das natürliche Geschlecht habe mit dem grammatikalischen Geschlecht irgendetwas zu tun. Der bekannte Autor Wolf Schneider, langjähriger Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule, und vom Spiegel als »Sprachpapst« tituliert, kritisiert die geschlechtergerechte Sprache als »Schwachsinn«, der aber durch die geschickte PR-Kampagne einer Gruppe militanter Feministinnen durchgesetzt wurde.

Gewidmet

Ludwig von Mises (1881–1973), dem »letzten Ritter des Liberalismus« (Guido Hülsmann)

»In der freien Marktwirtschaft dient jeder seinen Mitbürgern und diese wiederum dienen ihm. Die wirklichen Herren des marktwirtschaftlichen Systems sind die Verbraucher. Der Souverän ist nicht der Staat, sondern das Volk. Ein sozialistischer Staat ist zwangsläufig ein totalitärer Staat. Die Entwicklung des Kapitalismus beruht darauf, dass jeder das Recht hat, den Kunden besser und/oder billiger zu bedienen. Und diese Methode, dieses Prinzip hat in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum die ganze Welt verändert. Es machte eine beispiellose Zunahme der Weltbevölkerung möglich. Trotz aller seiner Vorzüge wird der Kapitalismus erbittert angegriffen und kritisiert. Tatsächlich entstand der Hass gegen den Kapitalismus nicht in den Massen, nicht unter den Arbeitern, sondern unter den aristokratischen Grundbesitzern, dem Adel Englands und des europäischen Kontinents.

Jene, die sich heute »Liberale« nennen, vertreten politische Ziele, die genau das Gegenteil dessen sind, was die Liberalen des 19. Jahrhunderts in ihren Programmen befürwortet haben. Der Staat muss seinen Haushalt ausgleichen und darf keine Schulden machen.«

Ludwig von Mises

»Wenn ich in der Geistesgeschichte nach ähnlichen Gestalten (wie Ludwig von Mises) im sozialwissenschaftlichen Bereich suche, fände ich sie nicht unter Professoren, selbst kaum bei Adam Smith, sondern muss ich ihn mit Denkern wie Voltaire oder Montesquieu, Tocqueville und John Stuart Mill vergleichen.«

Friedrich August von Hayek (Wirtschaftsnobelpreisträger von 1974)
in der Einleitung zu den Erinnerungen von Ludwig von Mises,
Stuttgart/New York 1978

»Sein ganzes Leben stand Ludwig von Mises als Fels wider die Brandung des Zeitgeistes. Alle seine Kritiker widerlegte Mises mit den monumentalen Werken Die Gemeinwirtschaft (1922) und Nationalökonomie (1940). Dennoch stand der kollektivistische, nationalistische Zeitgeist gegen ihn, auch der akademische.

Wer in seinem ganzen Leben nur ein einziges Buch über Freiheit, Markt und Liberalismus lesen kann oder will, der möge dafür das Mises-Werk von 1927 Liberalismus wählen.«

Roland Baader (im Vorwort zur Logik der Freiheit)

»Als strikt marktwirtschaftlicher Jude war er ein doppelter Außenseiter im roten Wien und an der Universität.«

Philip Plickert: Der letzte liberale Ritter, FAZ vom 1.9.2013, S. 36

Über die Deutschen

»Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich nie unter ihnen zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten, ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.«

Napoleon

Statt eines Vorworts

Zur gesellschaftspolitischen Lage in Deutschland

Wählerbestechungsdemokratie und permissiver Zeitgeist machen unsere Wohlfahrtsgesellschaft zu einem Narrenschiff: Wir zerstören die Freiheit im Namen der Freiheit!

Die Diskrepanz zwischen dem hohen Niveau der deutschen Wirtschaft und der gesellschaftspolitischen Realität ist beängstigend. Deutschland vergreist, verdummt und verliert sukzessive seinen Wohlstand, während sozialistische Ideen die Politik dominieren.

So wird die Demokratie zur Ochlokratie, zur wahren Pöbelherrschaft, und wählt sich in den finanziellen und moralischen Abgrund: von der öffentlichen Wohlfahrt über die Schulden- und Eurokrise in die Unfreiheit!

Es ist die Idiotie unserer Zeit, dass eine ehrgeizige und beschränkte politische Avantgarde und ihr aggressives Mitläufertum (die Medien) keinerlei Widerspruch dulden, obwohl sie bestenfalls hochgebildeten Unsinn verbreiten!

Daher ist es höchste Zeit, dass die Notbremse gezogen wird!

Es geht um die Verteidigung der persönlichen Freiheit gegenüber ­dumpfer Gleichmacherei, verantwortungsloser Schuldenmacherei und zunehmender Überwachung.

Es geht um die breite Masse der Bevölkerung, die als zivilisatorische Geisterfahrer mit ihrer Entchristlichung, ihrer Gleichgültigkeit und ihrer politischen Selbstentmündigung die Zukunft verspielt.


Merksätze aus klassisch-liberaler Sicht

Neue Schulden darf man nicht machen, um die alten Schulden zu bezahlen.

George Washington, 1776

Eine ethische Rechtfertigung dafür, im ergrauenden Europa künftige Generationen mit möglichst hohen Schulden zu belasten, kann ich nicht erkennen.

Erich Weede

Die größten Gefahren für die Freiheit lauern in heimtückischen Eingriffen durch Eiferer mit gutem Willen, aber ohne Verständnis.

Justice L. D. Brandeis, US Supreme Court 1927

Unsere Marktwirtschaft ist auf zwei »sozialistischen« Fundamenten errichtet: dem staatlichen Zwangsgeld und dem staatlich manipulierten Zins. Deshalb befindet sich die Marktwirtschaft ständig in Lebensgefahr.

Karl Braunschweig

Der Wohlfahrtsstaat ist ein unersättliches Geldfressmonster, und die Zentralbanken sowie Geschäftsbanken sind seine unermüdlichen Inflationsmaschinen. Die Geschichte des ungedeckten Papiergeldes ist eine Geschichte des Scheiterns – von der Antike bis heute.

Roland Baader

Die Menschen schreiten auf zwei verschiedenen Wegen auf die Knechtschaft zu. Der Hang zum Wohlstand hält sie davon ab, sich um die Regierung zu kümmern, und die Liebe zur Wohlfahrt macht sie von den Regierenden immer abhängiger.

Nach Alexis de Tocqueville

Die Sozialreligion des Wohlfahrtsstaates macht den Menschen zum beliebig lenkbaren Kollektivwesen. So entsteht eine neue Form des Untertans: der »betreute Mensch«. Und die sozialen Betreuer frönen ihrer »verborgenen Herrschaftsgier«. Die betreuende Bevormundung und Entmündigung führt zur egoistischen Anspruchshaltung aller gegen den Staat.

Nach Helmut Schelsky

Geleitwort

Seit 2010 versucht die Politik, die Schulden- und Eurokrise irgendwie in den Griff zu bekommen. Doch es ist kein Ende in Sicht – trotz aller Garantien, neuer Kredite und Versprechen. Im Gegenteil: Die Krise frisst sich immer weiter. Die Situation ist gekennzeichnet durch das Zusammentreffen unterschiedlicher, aber eng miteinander verzahnter Krisen. Der drohende Verlust der finanziellen Stabilität aufgrund überbordender Schuldenberge ist evident. Die Pfeiler unseres Wohlstandes stehen im schlammigen Grund eines riesigen Schuldenmeeres. Die Finanz- und Sozialsysteme der westlichen Wohlfahrtsstaaten steuern dem Zusammenbruch entgegen – sie werden längst nur noch mit budgetpolitischen Tricks aufrechterhalten.

Die EU droht zudem wegen der Währungsunion zu erodieren – rechtstaatliche Prinzipien und demokratische Legitimation werden im Rahmen einer angeblich »alternativlosen Euro-Rettung« einfach über Bord geworfen. Die Deutschen wollen »solidarisch« sein. Solidarisch retten sie den Euro, korrupte Eliten und die Banken, vergessen aber nachzurechnen, ob sie sich diese Solidarität auf Dauer überhaupt leisten können. Und diejenigen, die tatsächlich unter der Krise leiden, wie etwa die griechische Bevölkerung, gehen ohnehin leer aus. So zerreißt der Euro Europa, weil er zusammenzwingt, was aus ökonomischen und kulturellen Gründen in dieser Form nicht funktionieren kann.

Obwohl Steuer- und Sozialabgaben Rekordhöhen erreichen, steigen die Staatsschulden unaufhörlich weiter, werden die Armen immer ärmer, bereichern sich staatlich privilegierte Gruppen ungeniert, schrumpft die Mittelschicht, verlassen die Leistungsträger das Land. Die Deutschen als weltweit bewunderte Vollbringer technischer Meisterleistungen mutieren zu einer Avantgarde des Kleinmuts und träumen von der »Klimarettung«. Sie haben ihre innere Werteordnung verloren. Dem besonderen Schutz der Ehe und der Kinder messen sie kaum noch Bedeutung zu, obwohl es um den Kern der bürgerlichen Gesellschaft geht. Und weil sie im christlichen Glauben kein Seelenheil mehr finden, beten sie inständig den »ökologischen Rosenkranz« in der Kathedrale des real existierenden Sozial-Sozialismus. Freiwillig lassen sie sich vom »Kümmerstaat« entmündigen. Ihr Weg in den »Wohlfahrtszwangsstaat« ist selbstverständlich mit besten Vorsätzen wohlmeinender Gesellschaftskonstrukteure gepflastert. Doch der Weg in den alles nivellierenden Wohlfahrtsstaat ist eine Sackgasse: Er zerstört die Eigenverantwortung als Grundlage jeglicher Moral, vergiftet den Blutkreislauf der Volkswirtschaft und gefährdet dadurch Wohlstand und Freiheit.

Das westliche Wohlfahrtsstaatsmodell – die »Wählerbestechungsdemokratie« – ist am Ende, finanziell und moralisch. Allzu viele Menschen geben sich deshalb einfach den narkotischen Reizen der perfekt organisierten Vergnügungsindustrie hin.

Es scheint, dass es dem Menschen in seiner soziokulturellen Entwicklung bisher noch nicht gelungen ist, den gewaltigen Evolutionssprung von der »kleinen Welt«, dem Stammes- und Hordenleben, in die moderne und arbeitsteilige Industriegesellschaft (»große Welt«) zu schaffen. Der Mensch ist in die »große Welt« regelrecht hineingestolpert, seine Verhaltensmuster sind genetisch aber noch der vormaligen »kleinen Welt« verhaftet. Die vermeintliche Sicherheit des wärmenden staatlichen Kollektivs entspricht seinen Erfahrungen und Gefühlen aus der »kleinen Welt«, dem patriarchalischen Horden- und Stammesleben. Er muss quasi seine Urinstinkte und atavistischen Gefühle unterdrücken, um nun in der »großen Welt« mit ihrer anonymisierten und abstrakten Arbeitsteilung (sowie ihrer zur Selbstverantwortung verpflichtenden Freiheit) zurechtzukommen. Im Zweifelsfall entscheidet er sich daher gegen die anstrengende Freiheit. Dies gilt fatalerweise gerade in Krisenzeiten.

Die EU-Spitzen sehen ihr Heil offensichtlich in einem staatszentralistischen Moloch. Damit zerstören sie Vielfalt und Wettbewerb – gerade das, was den Erfolg des freiheitlichen Europas begründet. Die Akzeptanz der gegenwärtigen Politik beruht in erster Linie auf ihrer Sinnentleerung, ihrer Reduktion auf den reinen Machterhaltungstrieb, dem Wegdrücken aller wichtigen und notwendigen Grundsatzentscheidungen, die von einer politischen Klasse, die von Überzeugungen getragen wäre, gehaltvoll diskutiert werden würde. Stattdessen herrschen mehrheitsfähiger Opportunismus und quotenfähiger Populismus. Und das Prinzip der kandidatengebundenen Listenwahl führt zu einer systematischen Negativauswahl im politischen Ausleseprozess – so wird die Demokratie zur Ochlokratie.

Allzu viele Ökonomen lieben die falschen Ideen, weil es sich mit ihnen im Schlagschatten der Politik und unter vollen Segeln des Zeitgeistes ganz reputierlich leben lässt. Sie sind zu Kreislaufingenieuren und Technikern der Wirtschaft verkommen und stumpf geworden gegenüber den ungeheuren sozialphilosophischen Fragen unserer Zeit, die auch der streng theoretischen Arbeit der Ökonomie erst Sinn, Würde und Tiefe geben (Wilhelm Röpke). Sie erkennen nicht, dass man Staat und Währung nicht trennen kann. Hier zeigt sich beispielhaft, wie einseitige Überspezialisierung letztlich zur Verdummung führt. Ihre makroökonomische Kurvenklempnerei mutierte zur reinen Hilfswissenschaft des Wohlfahrtsstaates. Sie betreiben mathematisierte Metaphysik statt Ökonomie.

Der Autor beschreibt die Realität des westlichen Wohlfahrtsstaatsmodells und die Strömungen des Zeitgeistes ebenso treffend wie pointiert. Er hält unserer nihilistischen Gesellschaft ihre zahlreichen Illusionen und Irrtümer, ihre Gleichgültigkeit, ihren Mangel an Zivilcourage und ihre geistige Bequemlichkeit vor Augen. Und es ist dieses Leiden am sinnentleerten Leben, dieses »existenzielle Vakuum« (Victor E. Frankl), was viele Menschen verunsichert und anfällig macht für staatliche »Betreuung«. So hat der Wohlfahrtsstaat mit seiner öden Gleichmacherei (als Ausdruck eines krankhaften Sozialneids) und seiner schamlosen Schuldenmacherei (als Ausdruck einer zynischen Wählerbestechungsdemokratie) dazu geführt, dass die Menschen die Wurzeln von Wohlstand und persönlicher Freiheit vergessen haben. Wohlstand und Wohlergehen scheinen in gewissem Sinne zivilisationsfeindlich. Denn die eigenverantwortliche Freiheit wird hierzulande nur geduldet, heimisch fühlt sie sich in Deutschland nicht. Doch »Freiheit ist die Gesundheit der Seele«, sagte Denis Diderot. Daher gilt es, den historisch tief sitzenden Antiliberalismus der Deutschen zu überwinden, dem »sozial-sozialistischen Mainstream« zu widerstehen, die öffentlichen Sprechblasen der »political correctness« als Merkmal totalitärer Staaten zu entlarven und zu ignorieren.

Dem Leser dieser zeitdiagnostischen Essays wird klar: Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. Und: »Verschwiegene Wahrheiten werden giftig.« (Friedrich Nietzsche)

André F. Lichtschlag, Gründer und Herausgeber
des Magazins
eigentümlich frei

Freiin Alexandra von Beaulieu Marconnay,
Alt-Philologin und Psychologin

Februar 2015

Vorbemerkungen

»Kein Glück ohne Freiheit« lautete der Wappenspruch der Familie von Ar­thur Schopenhauer. »Allzu viele Menschen lieben nicht die Freiheit, sie suchen ihr Glück lieber in der vermeintlichen Sicherheit der Gleichheit. Sie wollen nicht für sich selbst, andere und die Gesellschaft verantwortlich sein«, schrieb der libertäre Freiheitsdenker Uwe Timm. Der Grundgedanke im Liberalismus ist in der Tat ein anderer: Menschen sind sich ihrer Eigenverantwortung bewusst, sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre Interessen und Bedürfnisse selbst wahrzunehmen, unabhängig von den staatlichen Vormündern. Dazu gehört die Marktwirtschaft, die ihnen die Möglichkeit auf ein eigenes Einkommen und somit persönliche Freiheit bietet. Doch der Liberalismus wird permanent denunziert (»soziale Kälte«), um davon abzulenken, dass einem Marktversagen stets ein Staatsversagen vorausgeht, was man dann gerne dem Liberalismus bzw. dem Kapitalismus anhängt. Die Staatsschulden und die Euro-Ideologie ruinieren das Geld, die Freundschaft und am Ende die Demokratie. Euro-Europa droht an der Unfähigkeit und Verbohrtheit seiner Eliten zu scheitern. Doch Widerspruch wird vom »Mainstream« nicht gebilligt. »Man ist immer viel, viel besser dran, wenn man mit der Mehrheit irrt, statt allein recht zu behalten«, heißt es so treffend bei John Kenneth Galbraith.

Die Diskrepanz zwischen dem hohen Niveau der deutschen Wirtschaft und der gesellschaftspolitischen Realität ist erschreckend. Die unsäglichen Talkshow-Inszenierungen unserer Erregungsgesellschaft, in denen eine Art von »Instant-Moral« als Politikersatz einer scheinbar undurchsichtigen Welt gepredigt wird, geben täglich Zeugnis von der zunehmenden Verdummung unserer sogenannten »Wissensgesellschaft«. Der typisch Halbgebildete ist dem Unverstandenem, Halberfahrenen ausgeliefert, das grobschlächtige Weltbilder erzeugt und die Neigung zur Ideologisierung fördert. Wirtschaftliches und gesellschaftspolitisches Geschehen im Kontext einordnen und selbst beurteilen zu können, fällt immer schwerer in einer Zeit, die zunehmend von reinem Spezialwissen geprägt ist. Doch wer die benachbarten Fachdisziplinen nicht kennt, wird komplexen Themen nicht gerecht. Wer wiederum nur die Gegenwart kennt, hat Schwierigkeiten, sie zu verstehen; denn sie ist nur verständlich aus dem, woraus sie erwachsen ist. Aufgrund der Vielschichtigkeit stehen all diese Dinge miteinander in Verbindung und beeinflussen bzw. verstärken sich gegenseitig.

Als Ziel dieser Veröffentlichung soll dem Leser aus ganz verschiedenen Blickrichtungen die Krisis unserer Zeit erläutert werden – wohlwissend, dass die meisten Menschen unangenehme Wahrheiten lieber verdrängen. »Die Welt will belogen sein«, heißt es schon im Narrenschiff Sebastian Brands aus dem Jahr 1494. Zwar kann man die Realitäten ignorieren, aber man kann nicht die Konsequenzen der ignorierten Realität ignorieren (nach Ayn Rand).

Dieses Buch beinhaltet keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern Zusammenfassungen verschiedener Quellentexte. Der Leser wird so der Mühe enthoben, die teilweise langen Originaltexte durchlesen zu müssen. Es sind die Gedanken vieler Autoren, die gesammelt wurden. Diese im Laufe der Zeit notierten Niederschriften sind als Aide-mémoire zu verstehen. Auf einen wissenschaftlichen Anmerkungsapparat wird daher bewusst verzichtet, aber alle Quellen sind berücksichtigt.

Christoph Braunschweig, Bad Neuenahr im Dezember 2014

Wussten Sie

Einleitung

Der Kapitalismus hat diejenigen, die über Jahrhunderte die Reichen waren, nämlich die Feudalkaste, arm gemacht und abgeschafft; stattdessen hat er die Massen der Bevölkerung, die seit Anbeginn der Gesellschaftsbildung in Armut und Elend gelebt haben, zu breitem und früher unvorstellbarem Wohlstand geführt. Kapitalismus bzw. Marktwirtschaft haben insbesondere den Deutschen nach dem völligen wirtschaftlichen und moralischen Zusammenbruch 1945 innerhalb weniger Jahre Massenwohlstand und somit auch persönliche Freiheit gebracht. Die entwürdigende Zuteilung von Essensmarken und das zeitraubende und nervende Schlange-Stehen vor halbleeren bzw. leeren Geschäften war plötzlich Vergangenheit. Ludwig Erhard machte den »kleinen Mann« zu »König Kunde«, nach dessen Pfeife die Produzenten (Unternehmen) zu tanzen und sich anzustrengen haben. Nur wer die Wünsche der Konsumenten am besten erfüllt, kann auf ansehnlichen Gewinn hoffen. Garantiertes Privateigentum, Vertragsfreiheit, Wettbewerb, hoch qualifizierte Berufsausbildung, ein humanistisch geprägtes Bildungssystem und generelle staatliche Zurückhaltung waren die entscheidenden Erfolgsfaktoren, die Deutschland zur zweitstärksten Industrienation werden ließ. Was ist heute daraus geworden?

Wir leben längst von der Substanz, die Staatschulden erreichen immer neue Rekordhöhen, unsere Infrastruktur zerfällt genauso wie unser Bildungssystem, die meisten neuen Arbeitsplätze entstehen im Ausland, unser Steuersystem gilt weltweit als Irrwitz, unser Volksvermögen wird in Brüssel verpfändet, die EU ist auf dem Weg zu einer »EUdSSR«, die »Political Correctness« schreibt uns vor, was wir denken und sagen dürfen, die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht und frönen der »Wählerbestechungsdemokratie«, allzu viele Bürger sind zu feigen Karrieristen geworden, der christliche Glaube ist einem gleichgültigen Nihilismus gewichen, die Amtskirche biedert sich dem Zeitgeist an, die Massenmedien und die (selbsternannten) Intellektuellen finden (trotz des Zusammenbruchs der sozialistischen DDR) ihr Seelenheil ausschließlich in bösartigen Verleumdungen von Kapitalismus, Marktwirtschaft und Bürgertum. Den Wohlstand betrachten sie als gegeben und verstehen nicht, dass dieser ständig neu erarbeitet werden muss – durch wagemutige Unternehmer und fleißige Arbeitskräfte.

Was ist geschehen? Roland Baader hat es auf den Punkt gebracht:

»Wir erkennen ein Land mit einem staatlichen (sprich: sozialistischen) Rentensystem, mit einem staatlichen Gesundheitswesen, einem staatlichen Bildungswesen, einem weitgehend staatlichen Verkehrswesen, mit staatlich und gewerkschaftlich gefesselten Arbeitsmärkten, einem konfiskatorischen Steuersystem, einer Staatsquote von über 50 Prozent, mit einem erheblich regulierten Wohnungsmarkt, einem massiv subventionierten und regulierten Agrarsektor und einer in ein kompliziertes Geflecht zwischen Markt und Staat eingebundenen Energiewirtschaft und mit mindestens 100 000 Betrieben in kommunalem Eigentum. Wir haben es also bei dem, was hierzulade (und auch in anderen Ländern) als Kapitalismus bezeichnet wird, in Wirklichkeit mit einem staatsverkrüppelten Rumpfkapitalismus ... zu tun.«

Es ist erstaunlich, welch hohe wirtschaftliche Leistung selbst dieser verkrüppelte Kapitalismus immer noch erbringt. Doch langsam aber sicher drohen uns die Staatsschulden zu verschlingen und ein schleichender Sozial-Sozialismus nimmt uns schrittweise unsere persönliche Freiheit.

Genau wie die Nacht nicht plötzlich hereinbricht, kommt auch die Unfreiheit nicht schlagartig. In beiden Fällen gibt es eine Zeit des Zwielichts, in der alles scheinbar noch unverändert ist. Im Zwielicht muss man besonders achtsam sein und auf jede Veränderung schauen, so klein sie auch sein mag, damit die Gesellschaft nicht zum ahnungslosen Opfer der bösartigen Liebe der kollektivistischen Ideologen und wohlmeinenden Gesellschaftskonstrukteure wird (frei nach dem US-Verfassungsrichter William O. Douglas).

Praktisch alle totalitären Regime – und dazu werden im Endeffekt zwangsläufig alle kollektivistischen Regierungen – haben ihren Totalitarismus nicht mit einem großen Knall etabliert, sondern auf geordnete Art und Weise, gemäß den Regeln von Demokratien, die dem gefährlichen Flirt mit der Selbstzerstörung nicht widerstehen konnten, erläutert Naomi Wolf, Tochter eines jüdischen Holocaust-Überlebenden. Der kollektivistische, betreuende Staat hat anfangs nie ein spektakuläres, oder gar offen grausames Gesicht. Manchmal sind die Anfänge nur daran zu erkennen, dass die Leute durchaus unbewusst beginnen, ihre Worte abzuwägen, zum Beispiel im Rahmen einer vorgegebenen »politischen Korrektheit« und der zunehmenden Tabuisierung tatsächlicher Probleme und Fehlentwicklungen.

John Adams schrieb in einem Brief vom 7. Juli 1775: »Unglücklicherweise ist es, wie die Geschichte immer wieder zeigt, zwar unendlich schwierig, eine freie Gesellschaft zu erhalten, aber umso leichter, sie zu zerstören.« Einzig der klassische Liberalismus verteidigt die persönliche Freiheit. Doch im obrigkeitsstaatlich geprägten Deutschland hat er nie richtig Wurzeln schlagen können.

Unsere schamlose Wählerbestechungsdemokratie wählt sich regelrecht in den finanziellen und moralischen Bankrott. Viele Menschen haben daher Angst vor sozialem Abstieg, durchschauen aber die Ursachen des Verfalls nicht. Sie suchen stattdessen ihre vermeintliche Rettung ausgerechnet beim Staat und werden zu Bütteln staatlicher Bevormundung. Sie entledigen sich damit ihrer Eigenverantwortung und verlieren ihre Freiheit. Sie suchen die vermeintliche Sicherheit und Wärme des staatlichen Kollektivs, doch die soziale Wärme des staatlichen Kollektivs ist in Wirklichkeit nur die dumpfe Schwüle des »Massenvieh-Stalles« (Roland Baader).

Die EU-Währungsunion bereitet ihnen zwar Unbehagen, weil der Versuch, durch eine gemeinsame Währung einen Demos zu schaffen, in Wahrheit einen europäischen Dämon geboren hat. Doch statt zu verhindern, dass ihr Vermögen in Brüssel verpfändet wird, geben sie sich lieber ihrer Weltfrömmigkeit hin, träumen von »Klimarettung« sowie »totaler sozialer Gerechtigkeit« und lassen sich von der Unterhaltungsindustrie ablenken – schließlich sind die Kühlschränke ja noch voll, die Tankstellen nachts geöffnet und die Bundesliga unterhaltsam. Und sie gehorchen dem Tugendterror der »political correctness« bis zur Selbstverleugnung. Wo die Tugend der Toleranz gegenüber anderen Meinungen so zugrunde gerichtet wird, ist es um die Freiheit einer Gesellschaft schlecht bestellt. Der Sozial-Sozialismus nimmt seinen Lauf. Am Ende werden viele vieles verlieren.

Quellen:

Roland Baader: Das Kapital am Pranger, Gräfeling, 2005, S. 56 ff.

Roland Baader: Die belogene Generation, 3. Aufl., Gräfeling 2001, S. 65.

Roland Baader: Vom Sozialismus …, in: Die Enkel des Perikles, Gräfeling, 1995, S. 295.