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Inhaltsverzeichnis










Reisefieber

In dieser Nacht bekam Timmi kein Auge zu. Die ersten beiden Wochen der Sommerferien waren rum, und weil all seine Freunde verreist waren, hatte er sich bisher ziemlich gelangweilt. Doch nun stand ihm das größte Abenteuer seines Lebens bevor.

Der Rucksack und die Reisetasche waren bereits gepackt und standen neben Mamas Koffer im Flur. Timmis großer Bruder Jonas war mit seinem Freund Ron ins Ferienlager gefahren und die kleine Schwester Lily hatte Mama bei den Großeltern untergebracht. Dort war sie sowieso am liebsten. Außerdem hasste Lily es, mit dem Flugzeug zu fliegen.



Timmi fand Fliegen toll.
Außerdem war er noch nie
in Indien gewesen.
Es würde ein sehr langer Flug werden.
Timmi war schrecklich aufgeregt.



Immer wieder schielte er auf den Wecker und um halb vier schlug er schließlich die Decke zurück und tappte ins Bad. Er wusch sein Gesicht, putzte sich die Zähne und bürstete die schulterlangen dunkelblonden Haare gründlich durch. Timmi war stolz auf seine Mähne. Damit sah er wild und verwegen aus, also genau richtig für einen Abenteuerurlaub.

Tom Jonnsen, Timmis Vater, hatte in seiner Jugend sogar noch längere Haare gehabt. Er war viele Jahre durch die Weltgeschichte gereist und fühlte sich in fast allen fernen Ländern zu Hause.



Timmi war mächtig stolz auf seinen Vater.
Denn der kannte sich mit Naturvölkern,
vergrabenen Schätzen
und wilden Tieren aus.

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Kurz vor Ferienbeginn war Papa wieder einmal fortgereist, um auf Sri Lanka nordöstlich der Hauptstadt Colombo eine Ausgrabung zu begleiten. Mama war davon wenig begeistert gewesen. Schließlich hatte Tom fest versprochen, einen Teil der Sommerferien mit ihr und Timmi an der Ostsee zu verbringen.

Aber dann war – wie so oft – doch wieder alles ganz anders gekommen. Kurz vor seiner geplanten Rückkehr hatte Papa plötzlich aus Sri Lanka angerufen und gefragt: „Was haltet ihr davon, wenn wir unseren Urlaub nicht an der Ostsee, sondern im Indischen Ozean verbringen?“

„Wo?“, hatte Mama misstrauisch erwidert. „Doch nicht etwa an deinem Ausgrabungsort?“

„Natürlich nicht“, hatte Tom erwidert. „Die Flüge sind übrigens schon gebucht. Die Tickets werden euch zugeschickt. Wir treffen uns in drei Tagen am Flughafen von Colombo.“

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Zuerst war Mama sehr wütend gewesen. „Tom hätte mich fragen müssen“, hatte sie geschimpft.



Aber Timmi hatte gelacht und gejubelt.
Und dann hatte Mama sich auch gefreut.
Eine kleine Hütte direkt am Strand –
darin sollten sie wohnen.
Die Sonne schien den ganzen Tag.



Und Timmi konnte im Meer baden, sooft und so lange er wollte. Es gab Tee- und Palmölplantagen auf Sri Lanka und Wälder, die bereits erkundet waren und genutzt und gepflegt wurden. Timmi würde viele exotische Pflanzen sehen und wild lebende Äffchen, Vögel und andere Tiere beobachten können. Es würde wie im Paradies sein und ein bisschen wie auf einer Abenteuersafari.

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Nachdem Timmi seine Haare fertig gebürstet hatte, sauste er in sein Zimmer zurück.



Er zog sich an und machte das Bett.
Danach lief er in die Küche.
Dort trank er ein Glas Saft.



Inzwischen war es kurz nach vier. Höchste Zeit, dass seine Mutter aufstand. Um sechs Uhr mussten sie am Flughafen sein.

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Im Nu war Mama aus dem Bett und machte ein kleines Frühstück zurecht. Es gab Marmeladentoast und Kaffee und für Timmi eine heiße Schokolade. Onkel Sebastian, Mamas jüngerer Bruder, brachte sie zum Flughafen. Auf der Autobahn war kaum etwas los und um zehn vor sechs standen sie bereits im Abflugterminal des Flughafens in der Schlange vor der Gepäckabgabe. Am lustigsten fand Timmi die Sicherheitsschranke. Als er darunter trat, piepste es sofort los, dabei hatte er seinen Gürtel mit der Metallschließe und das Armband mit dem silbernen Schlangenkopf, das Papa ihm aus Venezuela mitgebracht hatte, bereits ausgezogen. Ein Sicherheitsbeamter kam zu ihm und tastete ihn von oben bis unten mit einem komischen Heulding ab. Am Ende stellte sich heraus, dass Timmi noch einen Nagel in der Hosentasche hatte.



Bald darauf saßen sie im Flugzeug.
Timmi bekam einen Platz am Fenster.
Von dort konnte er genau auf die
Düsen an den Tragflächen gucken.
Endlich rollte das Flugzeug los.
Auf der Startbahn
gab der Pilot richtig Gas.
Das Flugzeug hopste und rumpelte
und wurde schneller und schneller.
Timmi wurde fest in seinen Sitz gedrückt.
Und dann waren sie hoch oben in der Luft.



Frankfurt wurde allmählich kleiner und schon bald schwebte das Flugzeug über einer weißen Wolkendecke mitten im schönsten Sonnenschein dahin.

Die Stewardessen verteilten Getränke und Brötchen mit Wurst und Käse. Timmi hatte einen Riesenhunger.

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Er verdrückte zwei Brötchen mit Salami und eines mit Fleischwurst. Mit einem wohligen Gefühl im Bauch lehnte er sich in den Sitz und schloss die Augen.

Als er sie wieder öffnete und den Blick aufs Fenster richtete, war die Wolkendecke verschwunden. Tief unter ihnen lag eine riesige Wüste.

„Das ist Saudi Arabien“, sagte Mama.

„Was?“, rief Timmi erstaunt. „So weit sind wir schon geflogen!“

„Du hast fast fünf Stunden geschlafen“, erwiderte seine Mutter und strich ihm lächelnd eine Ponysträhne aus der Stirn. „War wohl doch ein bisschen früh heute

Morgen, was?“

„Überhaupt nicht“, meinte Timmi. Er streckte die Arme aus und gähnte herzhaft.

„Außerdem hast du das Mittagessen verpasst“, sagte Mama.



„Macht nix“, meinte Timmi tapfer.
Sein Magen knurrte laut.
Mama grinste.
„Du hast ja einen Riesenhunger“,
sagte sie.