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Inhalt

Man sollte denken, dass jemand, der schon im August an Weihnachtsgeschenke denkt, ein perfekt organisierter Mensch ist. Tatsächlich ist nach einem Einkaufsbummel über einen spanischen Markt im Hochsommer eigentlich alles erledigt – Heiligabend kann kommen! Was für ein Irrtum …

Autorin

Sophie Kinsella ist Schriftstellerin und ehemalige Wirtschaftsjournalistin. Ihre Schnäppchenjägerin-Romane um die liebenswerte Chaotin Rebecca Bloomwood werden von einem Millionenpublikum verschlungen. Die Verfilmung ihres Bestsellers »Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin« wurde zum internationalen Kinohit. Sophie Kinsella eroberte die Bestsellerlisten aber auch mit Romanen wie »Göttin in Gummistiefeln«, »Kennen wir uns nicht?« oder »Charleston Girl« im Sturm. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in London. Mehr zur Autorin und ihren Büchern finden Sie unter www.sophie-kinsella.de.

Sophie Kinsella

Die
Weihnachtsliste

Aus dem Englischen
von Jörn Ingwersen

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Deutsche Erstveröffentlichung Oktober 2012

Copyright © der Originalausgabe 2010 by Sophie Kinsella

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2012

by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München

Umschlagfoto: Mike Kemp / Getty Images

AB · Herstellung: Str.

ISBN: 978-3-641-10033-9
V002

www.goldmann-verlag.de

17. August

Okay. Dieses Jahr bin ich gut organisiert. Es ist Mitte August, und ich habe alle meine Weihnachtseinkäufe erledigt.

Mein Plan ist ebenso simpel wie brillant. Alle kriegen dasselbe: eine handgemachte Tonschale von dem niedlichen Markt in Spanien. Auf dem Rücksitz habe ich zehn Stück gestapelt, bruchfest eingewickelt in Luftpolsterfolie.

Kein panisches Blättern in Geschenkkatalogen mehr. Kein wackeres Stapfen durch die verregnete Oxford Street. Und mit einer Tonschale kann man nichts verkehrt machen, oder?

Es gab da auf dem Markt auch Herrenbrieftaschen. Handbearbeitetes Leder, das göttlich duftete, wunderbar holzig und sinnlich. Ich habe eine in die Hand genommen und daran gerochen. So etwas hätte ich Chris geschenkt. Kastanienbraun, passend zu seinen Augen. Wenn er auch hier wäre, wie es eigentlich sein sollte …

Doch dann schossen mir die Tränen in die Augen, und ich konnte dem spanischen Budenbesitzer nicht antworten. Blöde Augen. Blöde Brieftasche.

Blöder Mann.

Ich möchte gern wissen, ob er an mich denkt. In seinem Iglu in Norwegen.

Oder was immer die da in Norwegen haben.

Da kam Anne angerannt, winkte mir mit drei Bikinis, die sie für zehn Euro erstanden hatte, und schleifte mich auf einen Cocktail mit. Falls sie meine Tränen bemerkt haben sollte, hat sie nichts dazu gesagt. Sie war echt klasse, den ganzen Urlaub. Ich habe mich sogar durchgerungen, ihr zu Weihnachten eine von den Tonschalen zu schenken.

26. August

Scheiß Luftpolsterfolie. Vier von den Schalen sind auf dem Rückweg von Spanien zerbrochen. Vier Stück. Anne ist schuld, weil sie im letzten Moment noch diese Kiste Wein auf Biegen und Brechen ins Auto quetschen musste. Trotzdem, egal. Sechs Stück sind mir geblieben. Und Weihnachten ist noch lange hin.

5. September

Gestern Abend war Party bei Alex und David. Nur ganz wenige haben mich auf Chris angesprochen, und ich habe es geschafft, zu lächeln und nonchalant mit den Schultern zu zucken.

Ich hatte ganz vergessen, dass sie ihren Hochzeitstag feierten, bis ich auf dem Weg nach draußen einen Blick auf die Einladung warf. Aber das war okay. Ich habe ihnen eine Tonschale geschenkt. Fünf sind noch übrig. Ich bin gut in der Zeit. Ich muss nur noch ein paar dazukaufen.

12. September

Ich habe Mum ein Picknickset zu Weihnachten besorgt. Total hübsch, mit Porzellantellern und echten Gläsern. Genau richtig für zwei.

In dem Laden hatten sie auch einen riesigen Picknickkorb im Angebot, aus Weidengeflecht, mit Lederriemen und Platz für Weinflaschen. Chris wäre begeistert gewesen. Am Anfang haben wir oft Picknick gemacht. Nichts Großartiges, nur eine Tüte mit Leckereien von Marks & Spencer, eine Decke, ein Fläschchen Wein. Und dann den ganzen Nachmittag in der Sonne liegen, bis die Schatten über uns hinwegkrochen.

Egal. Ist lange her.

16. September

Mums Geburtstag. Dad hat ihr allen Ernstes ein Picknickset geschenkt. Ich konnte es nicht fassen.

17. September

Alles in Ordnung. Ich organisiere meine Liste einfach um. Das Picknickset schenke ich meinem Bruder. Die Tonschalen gehen an Mum, Dad, Oma, Opa und Anne.

Jetzt brauche ich noch Geschenke für meine beiden Neffen, meine Schwester und meinen Friseur. Und für meinen Chef. Aber das ist okay. Weihnachten ist noch ewig hin. Ich liege gut in der Zeit.

2. Oktober

Großer Tag. Bin beim Zusammenpacken. Morgen ziehe ich aus. Die Wohnung ist zu groß für mich.

Es war was anderes, als Chris hier gewohnt hat. Er arbeitete von zu Hause aus, also war er irgendwie immer präsent. Seine Papiere, seine Kaffeebecher, überall seine komischen wissenschaftlichen Unterlagen. Wenn wir uns unterhielten, wurden seine Augen manchmal so glasig, und dann wusste ich, dass er an Zahlen dachte. Ich bin richtig eifersüchtig geworden. Ich wollte, dass er hier war, bei mir, nicht bei denen.

Inzwischen bin ich mir natürlich darüber im Klaren, dass die Zahlen ein Teil von ihm sind, wie Haut und Haare. Wenn ich jetzt an ihn denke, stelle ich mir vor, wie er auf einem verschneiten Gipfel sitzt, im North-Face-Parka, und Zwiesprache mit seinen Zahlen hält.

Ich frage mich, wie norwegische Zahlen wohl so aussehen.

4. Oktober

Die Möbelpacker haben zwei von meinen spanischen Tonschalen kaputt gemacht. Ich war so sauer, dass ich einfach so getan habe, als hätte ich keinen Zucker mehr für ihren Tee.

Das Mädchen von der Firma sagte: »Wenn Sie uns die Quittungen geben, schicken wir Ihnen einen Scheck, und Sie können sich neue Schalen kaufen.«

Ich habe ihr von dem kleinen spanischen Markt oben in den Bergen erzählt, von dem Mann mit seiner Lederschürze und seiner Bude, in der sich die handgetöpferten Schalen bis zur Decke stapelten.

Sie meinte, ich sollte es mal bei IKEA versuchen.

7. Oktober

Es ist echt nicht mehr witzig. Die Gläser im Picknickset sind auch kaputt. Und die Firma kann erst nach Neujahr Ersatz besorgen.

Dann kriegt mein Bruder eben was anderes. Vielleicht eine Schale.

15. Oktober

Mum: Schale (?)

Dad: Schale (?)

Anne: Schale (?)