Max und Moritz

(Wilhelm Busch)
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Erster Streich
Zweiter Streich
Dritter Streich
Vierter Streich
Fünfter Streich
Sechster Streich
Letzter Streich
Schluß
Wilhelm Busch, Heinrich Hoffmann, Gerdt von Bassewitz, Lothar Meggendorfer, Hans Christian Andersen

Die schönsten Bilderbuch Klassiker: Max und Moritz + Der Struwwelpeter + Peterchens Mondfahrt + Schneewittchen + Das Buch vom Klapperstorch + Die Schneekönigin...

(Mit Originalillustrationen)

Illustrator: Wilhelm Busch
© e-artnow, 2016
Kontakt: info@e-artnow.org
ISBN 978-80-268-5018-2

Editorische Notiz: Dieses eBuch folgt dem Originaltext.

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Ach, was muß man oft von bösen

Kindern hören oder lesen!

Wie zum Beispiel hier von diesen,

Erster Streich

Inhaltsverzeichnis

Mancher gibt sich viele Müh’

Mit dem lieben Federvieh;

Einesteils der Eier wegen,

Welche diese Vögel legen,

Zweitens: weil man dann und wann

Einen Braten essen kann;

Drittens aber nimmt man auch

Ihre Federn zum Gebrauch

In die Kissen und die Pfühle,

Denn man liegt nicht gerne kühle.–

Zweiter Streich

Inhaltsverzeichnis

Als die gute Witwe Bolte

Sich von ihrem Schmerz erholte,

Dachte sie so hin und her,

Daß es wohl das beste wär’,

Die Verstorb’nen, die hienieden

Schon so frühe abgeschieden,

Ganz im stillen und in Ehren

Gut gebraten zu verzehren.–

Freilich war die Trauer groß,

Als sie nun so nackt und bloß

Abgerupft am Herde lagen,

Sie, die einst in schönen Tagen

Bald im Hofe, bald im Garten

Lebensfroh im Sande scharrten.–

Dritter Streich

Inhaltsverzeichnis

Jedermann im Dorfe kannte

Einen, der sich Böck benannte.

Vierter Streich

Inhaltsverzeichnis

Also lautet ein Beschluß:

Daß der Mensch was lernen muß.

Nicht allein das Abc

Bringt den Menschen in die Höh’;

Nicht allein in Schreiben, Lesen

Übt sich ein vernünftig Wesen;

Nicht allein in Rechnungssachen

Soll der Mensch sich Mühe machen;

Sondern auch der Weisheit Lehren

Muß man mit Vergnügen hören.

Sechster Streich

Inhaltsverzeichnis

In der schönen Osterzeit,

Wenn die frommen Bäckersleut’

Viele süße Zuckersachen

Backen und zurechtemachen,

Wünschten Max und Moritz auch

Sich so etwas zum Gebrauch.

Letzter Streich

Inhaltsverzeichnis

Max und Moritz, wehe euch!

jetzt kommt euer letzter Streich!

Schluß

Inhaltsverzeichnis

Als man dies im Dorf erfuhr,

War von Trauer keine Spur.

Witwe Bolte, mild und weich,

Sprach “Sieh da, ich dacht es gleich!”

“Jajaja!” rief Meister Böck

“Bosheit ist kein Lebenszweck!”

Drauf so sprach Herr Lehrer Lämpel:

“Dies ist wieder ein Exempel!”

“Freilich”, meint’ der Zuckerbäcker,

“Warum ist der Mensch so lecker!”

Selbst der gute Onkel Fritze

Sprach: “Das kommt von dumme Witze!”

Doch der brave Bauersmann

Dachte: Wat geiht meck dat an!

Kurz, im ganzen Ort herum

Ging ein freudiges Gebrumm:

“Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei

Mit der Übeltäterei!”

Seht, da ist die Witwe Bolte,

Die das auch nicht gerne wollte.

In vier Teile, jedes Stück

Wie ein kleiner Finger dick.

Diese binden sie an Fäden,

Übers Kreuz, ein Stück an jeden,

Und verlegen sie genau

In den Hof der guten Frau.

Kaum hat dies der Hahn gesehen,

Fängt er auch schon an zu krähen:

Ihrer Hühner waren drei

Und ein stolzer Hahn dabei. –

Max und Moritz dachten nun:

Was ist hier jetzt wohl zu tun? –

Ganz geschwinde, eins, zwei, drei,

Schneiden sie sich Brot entzwei,

Kikeriki! Kikikerikih!!

Tak, tak, tak! - da kommen sie.

Hahn und Hühner schlucken munter

Jedes ein Stück Brot hinunter;



Aber als sie sich besinnen,

Konnte keines recht von hinnen.

In die Kreuz und in die Quer

Reißen sie sich hin und her,

Flattern auf und in die Höh’,

Ach herrje, herrjemine!

Ach, sie bleiben an dem langen,

Dürren Ast des Baumes hangen. –

Und ihr Hals wird lang und länger,

Ihr Gesang wird bang und bänger;

Jedes legt noch schnell ein Ei,

Und dann kommt der Tod herbei. –

Witwe Bolte in der Kammer

Hört im Bette diesen Jammer;

Ahnungsvoll tritt sie heraus:

Ach, sie bleiben an dem langen,

“Fließet aus dem Aug’, ihr Tränen!

All mein Hoffen, all mein Sehnen,

Meines Lebens schönster Traum

Hängt an diesem Apfelbaum! !”

Tiefbetrübt und sorgenschwer

Kriegt sie jetzt das Messer her;

Nimmt die Toten von den Strängen,

Daß sie so nicht länger hängen

Und mit stummem Trauerblick

Kehrt sie in ihr Haus zurück.-

Dieses war der erste Streich,

Doch der zweite folgt sogleich.

Ach, Frau Bolte weint aufs neu’,

Und der Spitz steht auch dabei.-

Max und Moritz rochen dieses;

“Schnell aufs Dach gekrochen!” hieß es.

Durch den Schornstein mit Vergnügen

Sehen sie die Hühner liegen,

Die schon ohne Kopf und Gurgeln

Lieblich in der Pfanne schmurgeln.–

Eben geht mit einem Teller

Witwe Bolte in den Keller,

Daß sie von dem Sauerkohle

Eine Portion sich hole,

Wofür sie besonders schwärmt,

Wenn er wieder aufgewärmt.–

-Unterdessen auf dem Dache

Ist man tätig bei der Sache.

Max hat schon mit Vorbedacht

Eine Angel mitgebracht.–

Schnupdiwup da wird nach oben

Schon ein Huhn herauf gehoben.

Schnupdiwup! jetzt Numro zwei;

Schnupdiwup! jetzt Numro drei;

Und jetzt kommt noch Numro vier:

Schnupdiwup! dich haben wir!!

Zwar der Spitz sah es genau,

Und er bellt: Rawau! Rawau!

Aber schon sind sie ganz munter

Fort und von dem Dach herunter.–

-Na! Das wird Spektakel geben,

Denn Frau Bolte kommt soeben;

Angewurzelt stand sie da,

Als sie nach der Pfanne sah.

Alle Hühner waren fort

“Spitz!!” -das war ihr erstes Wort.–

“Oh, du Spitz, du Ungetüm!!

Aber wart! ich komme ihm!!!”

Mit dem Löffel, groß und schwer,

Geht es über Spitzen her;

Laut ertönt sein Wehgeschrei,

Denn er fühlt sich schuldenfrei.–

Max und Moritz im Verstecke

Schnarchen aber an der Hecke,

Und vom ganzen Hühnerschmaus

Guckt nur noch ein Bein heraus.

Dieses war der zweite Streich,

Doch der dritte folgt sogleich.

Übers Wasser führt ein Steg,

Und darüber geht der Weg.

Alltagsröcke, Sonntagsröcke,

Lange Hosen, spitze Fräcke,

Westen mit bequemen Taschen,

Warme Mäntel und Gamaschen,

Alle diese Kleidungssachen

Wußte Schneider Böck zu machen.

Oder wäre was zu flicken,

Abzuschneiden, anzustücken,

Oder gar ein Knopf der Hose

Abgerissen oder lose,

Wie und wo und was es sei,

Hinten, vorne, einerlei,

Alles macht der Meister Böck,

Denn das ist sein Lebenszweck.

Drum so hat in der Gemeinde

Jedermann ihn gern zum Freunde.

Aber Max und Moritz dachten,

Wie sie ihn verdrießlich machten.

Nämlich vor des Meisters Hause

Floss ein Wasser mit Gebrause.

Max und Moritz, gar nicht träge,

Sägen heimlich mit der Säge,

Ritzeratze! voller Tücke,

In die Brücke eine Lücke.

Als nun diese Tat vorbei,

Hört man plötzlich ein Geschrei:

Schnelle springt er mit der Elle

Über seines Hauses Schwelle,

Denn schon wieder ihm zum Schreck

Tönt ein lautes: “Meck, meck, meck!”

Wieder tönt es: “Meck, meck, meck!”

Plumps! Da ist der Schneider weg!

Grad als dieses vorgekommen,

Kommt ein Gänsepaar geschwommen,

Welches Böck in Todeshast

Krampfhaft bei den Beinen faßt.

Beide Gänse in der Hand,

Flattert er auf trocknes Land.

Übrigens bei alledem

Ist so etwas nicht bequem;

Wie denn Böck von der Geschichte

Auch das Magendrücken kriegte.

Hoch ist hier Frau Böck zu preisen!

Denn ein heißes Bügeleisen,

Auf den kalten Leib gebracht,

Hat es wiedergutgemacht.

Bald im Dorf hinauf, hinunter,

Hiess es: “Böck ist wieder munter!”

Dieses war der dritte Streich,

Doch der vierte folgt sogleich.

“He, heraus! Du Ziegen-Böck!

Schneider, Schneider, meck, meck, meck!”

Alles konnte Böck ertragen,

Ohne nur ein Wort zu sagen;

Aber wenn er dies erfuhr,

Ging’s ihm wider die Natur.

Und schon ist er auf der Brücke,

Kracks! Die Brücke bricht in Stücke;

Daß dies mit Verstand geschah,

War Herr Lehrer Lämpel da.

Max und Moritz, diese beiden,

Mochten ihn darum nicht leiden,

Denn wer böse Streiche macht,

Gibt nicht auf den Lehrer acht.

Nun war dieser brave Lehrer

Von dem Tobak ein Verehrer,

Was man ohne alle Frage

Nach des Tages Müh und Plage

Einem guten, alten Mann

Auch von Herzen gönnen kann.

Max und Moritz, unverdrossen,

Sinnen aber schon auf Possen,

Ob vermittelst seiner Pfeifen

Dieser Mann nicht anzugreifen.

Einstens, als es Sonntag wieder

Und Herr Lämpel, brav und bieder,

In der Kirche mit Gefühle

Saß vor seinem Orgelspiele,

Schlichen sich die bösen Buben

In sein Haus und seine Stuben

Wo die Meerschaumpfeife stand;

Max hält sie in seiner Hand;

Aber Moritz aus der Tasche

Zieht die Flintenpulverflasche,

Und geschwinde - stopf, stopf, stopf!–

Pulver in den Pfeifenkopf.

jetzt nur still und schnell nach Haus,

Denn schon ist die Kirche aus.-

Eben schließt in sanfter Ruh

Lämpel seine Kirche zu;

Und mit Buch und Notenheften

Nach besorgten Amtsgeschäften

Lenkt er freudig seine Schritte

Zu der heimatlichen Hütte,

Lebend auf dem Rücken liegt;

Doch er hat was abgekriegt.

“Ach!” spricht er. “Die größte Freud

Ist doch die Zufriedenheit!”

Rums! - Da geht die Pfeife los

Mit Getöse, schrecklich groß!

Kaffeetopf und Wasserglas,

Tobaksdose, Tintenfaß,

Ofen, Tisch und Sorgensitz –

Alles fliegt im Pulverblitz.

Als der Dampf sich nun erhob,

Sieht man Lämpel, der - gottlob –

Lebend auf dem Rücken liegt;

Doch er hat was abgekriegt.

Nase, Hand, Gesicht und Ohren

Sind so schwarz als wie die Mohren,

Und des Haares letzter Schopf

Ist verbrannt bis auf den Kopf.

Wer soll nun die Kinder lehren

Und die Wissenschaft vermehren?

Wer soll nun für Lämpel leiten

Seine Amtestätigkeiten?

Woraus soll der Lehrer rauchen,

Wenn die Pfeife nicht zu brauchen?

Mit der Zeit wird alles heil,

Nur die Pfeife hat ihr Teil.

Dieses war der vierte Streich,

Doch der fünfte folgt sogleich.

Fünfter Streich

Inhaltsverzeichnis

Jeder weiß, was so ein Mai-

Wer in Dorfe oder Stadt

Einen Onkel wohnen hat,

Der sei höflich und bescheiden,

Denn das mag der Onkel leiden.

Morgens sagt man: “Guten Morgen!

Haben Sie was zu besorgen?”

Bringt ihm, was er haben muß:

Zeitung, Pfeife, Fidibus.

Oder sollt’ es wo im Rücken

Drücken, beißen oder zwicken,

Gleich ist man mit Freudigkeit

Dienstbeflissen und bereit.

Oder sei’s nach einer Prise,

Daß der Onkel heftig niese,

Ruft man:”Prosit!” alsogleich.

“Danke!” - “Wohl bekomm’ es Euch!”

Oder kommt er spät nach Haus,

Zieht man ihm die Stiefel aus,

Holt Pantoffel, Schlafrock, Mütze,

Daß er nicht im Kalten sitze.

Kurz, man ist darauf bedacht,

Was dem Onkel Freude macht.

Max und Moritz ihrerseits

Fanden darin keinen Reiz.

Denkt euch nur, welch schlechten Witz

Machten sie mit Onkel Fritz!

Käfer für ein Vogel sei.

In den Bäumen hin und her

Fliegt und kriecht und krabbelt er.

In die Tüte von Papiere

Sperren sie die Krabbeltiere.

Max und Moritz, immer munter,

Schütteln sie vom Baum herunter.

Bald zu Bett geht Onkel Fritze

In der spitzen Zippelmütze;

Seine Augen macht er zu,

Hüllt sich ein und schläft in Ruh.

Fort damit und in die Ecke

Unter Onkel Fritzens Decke!

Doch die Käfer, kritze, kratze!

Kommen schnell aus der Matratze.

Schon faßt einer, der voran,

Onkel Fritzens Nase an.

“Bau!” schreit er. “Was ist das hier?”

Und erfaßt das Ungetier.

Und den Onkel, voller Grausen,

Sieht man aus dem Bette sausen.

“Autsch!” - Schon wieder hat er einen

Im Genicke, an den Beinen;

Hin und her und rundherum

Kriecht es, fliegt es mit Gebrumm.

Onkel Fritz, in dieser Not,

Haut und trampelt alles tot

Guckste wohl, jetzt ist’s vorbei

Mit der Käferkrabbelei!

Onkel Fritz hat wieder Ruh

Und macht seine Augen zu.

Dieses war der fünfte Streich,

Doch der sechste folgt sogleich.

Doch der Bäcker, mit Bedacht,

Hat das Backhaus zugemacht.

Puff! Sie fallen in die Kist’,

Wo das Mehl darinnen ist.

Ratsch! Da kommen die zwei Knaben

Durch den Schornstein, schwarz wie Raben.

Also will hier einer stehlen,

Muß er durch den Schlot sich quälen.

Da! Nun sind sie alle beide

Rundherum so weiß wie Kreide.

Aber schon mit viel Vergnügen

Sehen sie die Brezeln liegen.

Schwapp! - Da liegen sie im Brei.

Knacks! - Da bricht der Stuhl entzwei;

Ganz von Kuchenteig umhüllt

Stehn sie da als Jammerbild.

Gleich erscheint der Meister Bäcker

Und bemerkt die Zuckerlecker.

Eins, zwei, drei! - Eh’ man’s gedacht,

Sind zwei Brote draus gemacht.

In dem Ofen glüht es noch –

Ruff! Damit ins Ofenloch!

Ruff! Man zieht sie aus der Glut;

Denn nun sind sie braun und gut.

Jeder denkt, die sind perdü!

Aber nein! Noch leben sie!

Knusper, knasper! Wie zwei Mäuse

Fressen sie durch das Gehäuse;

Und der Meister Bäcker schrie:

“Ach herrje! Da laufen sie!”

Dieses war der sechste Streich,

Doch der letzte folgt sogleich.

Wozu müssen auch die beiden

Löcher in die Säcke schneiden?

Seht, da trägt der Bauer Mecke

Einen seiner Maltersäcke.

Aber kaum, daß er von hinnen,

Fängt das Korn schon an zu rinnen.

Und verwundert steht und spricht er:

“Zapperment! Dat Ding werd lichter!”

Hei! Da sieht er voller Freude

Max und Moritz im Getreide.

Rabs! In seinen großen Sack

Schaufelt er das Lumpenpack.

Max und Moritz wird es schwüle,

Denn nun geht es nach der Mühle.

“Meister Müller, he, heran!

Mahl er das, so schnell er kann!”

“Her damit!” Und in den Trichter

Schüttet er die Bösewichter.

Rickeracke! Rickeracke!

Geht die Mühle mit Geknacke.

Hier kann man sie noch erblicken,

Fein geschroten und in Stücken.

Doch sogleich verzehret sie

Meister Müllers Federvieh.

Max und Moritz

Welche Max und Moritz hießen,

Die, anstatt durch weise Lehren

Sich zum Guten zu bekehren,

Oftmals noch darüber lachten

Und sich heimlich lustig machten.

Ja, zur Übeltätigkeit,

Ja, dazu ist man bereit!

Menschen necken, Tiere quälen!

Äpfel, Birnen, Zwetschen stehlen

Das ist freilich angenehmer

Und dazu auch viel bequemer,

Als in Kirche oder Schule

Festzusitzen auf dem Stuhle.

Aber wehe, wehe, wehe!

Wenn ich auf das Ende sehe!!

Ach, das war ein schlimmes Ding,

Wie es Max und Moritz ging.

Drum ist hier, was sie getrieben,

Abgemalt und aufgeschrieben.

Inhaltsverzeichnis


Max und Moritz (Wilhelm Busch)
Der Struwwelpeter (Heinrich Hoffmann)
Peterchens Mondfahrt (Gerdt von Bassewitz)
Schneewittchen (Lothar Meggendorfer)
Das Buch vom Klapperstorch (Lothar Meggendorfer)
Die Schneekönigin (Hans Christian Andersen)
comic page #1
comic page #3

Vorspruch

Inhaltsverzeichnis

Wenn die Kinder artig sind,

Kommt zu ihnen das Christkind;

Wenn sie ihre Suppe essen

Und das Brot auch nicht vergessen,

Wenn sie, ohne Lärm zu machen,

Still sind bei den Siebensachen,

Beim Spaziergehn auf den Gassen

Von Mama sich führen lassen,

Bringt es ihnen Gut’s genug

Und ein schönes Bilderbuch.

comic page #3
comic page #5

Die Geschichte vom bösen Friederich

Inhaltsverzeichnis
comic page #7
comic page #8

Am Brunnen stand ein großer Hund,

Trank Wasser dort mit seinem Mund.

Da mit der Peitsch’ herzu sich schlich

Der bitterböse Friederich;

Und schlug den Hund, der heulte sehr,

Und trat und schlug ihn immer mehr.

Da biß der Hund ihn in das Bein,

Recht tief bis in das Blut hinein.

Der bitterböse Friederich,

Der schrie und weinte bitterlich. –

Jedoch nach Hause lief der Hund

Und trug die Peitsche in dem Mund.

comic page #9

Ins Bett muß Friedrich nun hinein,

Litt vielen Schmerz an seinem Bein;

Und der Herr Doktor sitzt dabei

Und gibt ihm bitt’re Arzenei.

comic page #9

Der Hund an Friedrichs Tischchen saß,

Wo er den großen Kuchen aß;

Aß auch die gute Leberwurst

Und trank den Wein für seinen Durst.

Die Peitsche hat er mitgebracht

Und nimmt sie sorglich sehr in acht.

Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug

Inhaltsverzeichnis
comic page #10a

PAULINCHEN war allein zu Haus,

Die Eltern waren beide aus.

Als sie nun durch das Zimmer sprang

Mit leichtem Mut und Sing und Sang,

Da sah sie plötzlich vor sich stehn

Ein Feuerzeug, nett anzusehn.

»Ei«, sprach sie, »ei, wie schön und fein!

Das muß ein trefflich Spielzeug sein.

Ich zünde mir ein Hölzchen an,

Wie’s oft die Mutter hat getan.«

Und MINZ und MAUNZ, die Katzen,

Erheben ihre Tatzen.

Sie drohen mit den Pfoten:

»Der Vater hat’s verboten!

Miau! Mio! Miau! Mio!

Laß stehn! Sonst brennst du lichterloh!«

comic page #10b

Paulinchen hört die Katzen nicht!

Das Hölzchen brennt gar hell und licht,

Das flackert lustig, knistert laut,

Grad wie ihr’s auf dem Bilde schaut.

Paulinchen aber freut sich sehr

Und sprang im Zimmer hin und her.

Doch Minz und Maunz, die Katzen,

Erheben ihre Tatzen.

Sie drohen mit den Pfoten:

»Die Mutter hat’s verboten!

Miau! Mio! Miau! Mio!

Wirf’s weg! Sonst brennst du lichterloh!«

comic page #11a

Doch weh! die Flamme faßt das Kleid,

Die Schürze brennt; es leuchtet weit.

Es brennt die Hand, es brennt das Haar,

Es brennt das ganze Kind sogar.

Und Minz und Maunz, die schreien

Gar jämmerlich zu zweien:

»Herbei! Herbei! Wer hilft geschwind?

In Feuer steht das ganze Kind!

Miau! Mio! Miau! Mio!

Zu Hilf’! das Kind brennt lichterloh!«

comic page #11b

Verbrannt ist alles ganz und gar,

Das arme Kind mit Haut und Haar;

Ein Häuflein Asche bleibt allein

Und beide Schuh’, so hübsch und fein.

Und Minz und Maunz, die kleinen,

Die sitzen da und weinen:

»Miau! Mio! Miau! Mio!

Wo sind die armen Eltern? Wo?«

Und ihre Tränen fließen

Wie’s Bächlein auf den Wiesen.

Die Geschichte von den schwarzen Buben

Inhaltsverzeichnis
comic page #12

Es ging spazieren vor dem Tor

Ein kohlpechrabenschwarzer Mohr.

Die Sonne schien ihm aufs Gehirn,

Da nahm er seinen Sonnenschirm.

Da kam der LUDWIG hergerannt

Und trug sein Fähnchen in der Hand.

Der KASPAR kam mit schnellem Schritt

Und brachte seine Bretzel mit;

Und auch der WILHELM war nicht steif

Und brachte seinen runden Reif.

Die schrie’n und lachten alle drei,

Als dort das Mohrchen ging vorbei,

Weil es so schwarz wie Tinte sei!

comic page #12b
comic page #13

Da kam der große NIKOLAS

Mit seinem großen Tintenfaß.

Der sprach: »Ihr Kinder, hört mir zu,

Und laßt den Mohren hübsch in Ruh’!

Was kann denn dieser Mohr dafür,

Daß er so weiß nicht ist wie ihr?«

Die Buben aber folgten nicht,

Und lachten ihm ins Angesicht

Und lachten ärger als zuvor

Über den armen schwarzen Mohr.

comic page #14

Der Niklas wurde bös und wild,

Du siehst es hier auf diesem Bild!

Er packte gleich die Buben fest,

Beim Arm, beim Kopf, bei Rock und West’,

Den Wilhelm und den Ludewig,

Den Kaspar auch, der wehrte sich.

Er tunkt sie in die Tinte tief,

Wie auch der Kaspar: »Feuer!« rief.

Bis übern Kopf ins Tintenfaß

Tunkt sie der große Nikolas.

comic page #15

Du siehst sie hier, wie schwarz sie sind,

Viel schwärzer als das Mohrenkind!

Der Mohr voraus im Sonnenschein,

Die Tintenbuben hintendrein;

Und hätten sie nicht so gelacht,

Hätt’ Niklas sie nicht schwarz gemacht.

comic page #16a

Es zog der wilde Jägersmann

Sein grasgrün neues Röcklein an;

Nahm Ranzen, Pulverhorn und Flint’,

Und lief hinaus ins Feld geschwind.

Er trug die Brille auf der Nas’

Und wollte schießen tot den Has.

Das Häschen sitzt im Blätterhaus

Und lacht den blinden Jäger aus.

comic page #16b

Jetzt schien die Sonne gar zu sehr,

Da ward ihm sein Gewehr zu schwer.

Er legte sich ins grüne Gras;

Das alles sah der kleine Has.

Und als der Jäger schnarcht’ und schlief,

Der Has ganz heimlich zu ihm lief

Und nahm die Flint’ und auch die Brill’

Und schlich davon ganz leis’ und still.

comic page #17

Die Brille hat das Häschen jetzt

Sich selbst auf seine Nas’ gesetzt;

Und schießen will’s aus dem Gewehr.

Der Jäger aber fürcht’ sich sehr.

Er läuft davon und springt und schreit:

»Zu Hilf’, ihr Leut’! Zu Hilf’, ihr Leut’!«

comic page #18

Da kommt der wilde Jägersmann

Zuletzt beim tiefen Brünnchen an.

Er springt hinein. Die Not war groß;

Es schießt der Has die Flinte los.

Des Jägers Frau am Fenster saß

Und trank aus ihrer Kaffeetass’.

Die schoß das Häschen ganz entzwei;

Da rief die Frau: »O wei! O wei!«

Doch bei dem Brünnchen heimlich saß

Des Häschens Kind, der kleine Has.

Der hockte da im grünen Gras;

Dem floß der Kaffee auf die Nas’.

Er schrie: »Wer hat mich da verbrannt?«

Und hielt den Löffel in der Hand.

Die Geschichte vom Daumenlutscher

Inhaltsverzeichnis
comic page #19a

»KONRAD!« sprach die Frau Mama,

»Ich geh’ aus und du bleibst da.

Sei hübsch ordentlich und fromm,

Bis nach Haus ich wieder komm’.

Und vor allem, Konrad, hör’!

Lutsche nicht am Daumen mehr;

Denn der Schneider mit der Scher’

Kommt sonst ganz geschwind daher,

Und die Daumen schneidet er

Ab, als ob Papier es wär’.«

comic page #19b

Fort geht nun die Mutter, und

Wupp! den Daumen in den Mund.

comic page #20a

Bauz! da geht die Türe auf,

Und herein in schnellem Lauf

Springt der Schneider in die Stub’

Zu dem Daumen-Lutscher-Bub.

Weh! Jetzt geht es klipp und klapp

Mit der Scher’ die Daumen ab,

Mit der großen scharfen Scher’!

Hei! da schreit der Konrad sehr.

comic page #20b

Als die Mutter kommt nach Haus,

Sieht der Konrad traurig aus.

Ohne Daumen steht er dort,

Die sind alle beide fort.

comic page #21a

Der KASPAR, der war kerngesund,

Ein dicker Bub und kugelrund,

Er hatte Backen rot und frisch;

Die Suppe aß er hübsch bei Tisch.

Doch einmal fing er an zu schrei’n:

»Ich esse keine Suppe! Nein!

Ich esse meine Suppe nicht!

Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!«

comic page #21b

Am nächsten Tag, – ja sieh nur her!

Da war er schon viel magerer.

Da fing er wieder an zu schrei’n:

»Ich esse keine Suppe! Nein!

Ich esse meine Suppe nicht!

Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!«

comic page #21c

Am dritten Tag, o weh und ach!

Wie ist der Kaspar dünn und schwach!

Doch als die Suppe kam herein,

Gleich fing er wieder an zu schrei’n:

»Ich esse keine Suppe! Nein!

Ich esse meine Suppe nicht!

Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!«

comic page #21d

Am vierten Tage endlich gar

Der Kaspar wie ein Fädchen war.

fünften