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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 

Für Martha

»Wir werden beherrscht von Mächten, die wir vorgeben zu verstehen.«
W.H. AUDEN

PROLOG 1944
Samstags, nach der Inspektion und nachdem in der Schreibstube Urlaubsscheine ausgegeben worden waren, brach in Camp Pickett, Virginia, eine Stampede aus. Man konnte nach Lynchburg oder Richmond oder Washington, D. C., fahren, und so man willens war, neun Stunden Fahrt auf sich zu nehmen – fünf Stunden mit dem Bus und vier mit dem Zug -, schaffte man es bis nach New York.
An einem windigen Nachmittag im Herbst 1944 unternahm der Gefreite Robert J. Prentice die lange Fahrt allein. Er wurde zum Gewehrschützen ausgebildet, war achtzehn Jahre alt, und es schien ihm wichtig, weil es womöglich der letzte Urlaubsschein war, bevor er nach Übersee musste.
Abends, im hallenden Gewimmel der Penn Station, fühlte er sich verloren, bedrängt und benommen und bahnte sich einen Weg durch Heerscharen sich umarmender Paare: Männer, deren Uniformen irgendwie respekteinflößender wirkten als seine, Mädchen, deren Leidenschaft ein schrecklicher Vorwurf an seine Jugend war. Einmal ging er direkt auf ein Mädchen zu, das ihn in der Menschenmenge anblickte, ein schlankes, zierliches Mädchen mit langem braunem Haar, und als er sich ihr näherte, nahm ihr erhobenes Gesicht den schönsten Ausdruck der Wiedersehensfreude an, den er je gesehen hatte. Sie rührte sich nicht, doch ihre Augen füllten sich mit Tränen, und ihre Lippen öffneten sich auf eine Weise, dass ihm das Herz stehen blieb – o Gott, so von einem Mädchen angeschaut zu werden, nur ein einziges Mal! -, und als sich ein Marinekorporal an ihm vorbeidrängte und sie in die Arme schloss, war er so fassungslos wie ein verschmähter Liebhaber.
Prentice wollte sie nicht anstarren, aber er konnte den Blick nicht von der Begrüßungsszene wenden: der lange Kuss, das Mädchen schmiegte sich an den Soldaten, um an seiner Schulter zu weinen, während ihre Hände sich an seinem Rücken festhielten, er hob sie hoch und drehte sich frohlockend im Kreis, beide lachten und sprachen und entfernten sich dann, kaum imstande zu gehen, weil sie sich aneinanderklammern mussten.
Er fühlte sich ganz schwach vor Neid, als er sich der U-Bahn zuwandte, und versuchte, es zu überspielen, indem er sein zerknittertes Schiffchen bis zur Augenbraue herabzog, und er hoffte, dass seine angespannte Miene und sein eiliger Gang andere vermuten ließen, auch ihm stünde ein so romantisches Willkommen wie dem Marinesoldaten bevor.
Aber die U-Bahn verleibte ihn nur den schmutzigen, komplizierten Eingeweiden einer Stadt ein, die er nie verstehen würde. Er war zögerlich wie ein Tourist, als es galt, die richtige Bahn zu nehmen; mit fasziniertem Abscheu schaute er in die bleichen nächtlichen Gesichter, die um ihn herumschwebten und -schwankten, und als er in die windgepeitschte Dunkelheit des Columbus Circle hinaustrat, ging er ein paar Schritte erst in die eine und dann in die andere Richtung und reckte den Hals, bis er sich orientiert hatte.
Er hatte die meiste Zeit seines Lebens in New York oder in der Nähe gelebt, aber kein Stadtteil, keine Straße hatte sich jemals wie sein Zuhause angefühlt: Er hatte in keinem Haus länger als ein Jahr gewohnt. Die Adresse, die jetzt in seinen Unterlagen als Heimatadresse geführt wurde, war ein Gebäude ohne Aufzug in den West Fifties, ein dunkler Block jenseits der Eighth Avenue, und auf dem Weg dorthin versuchte er, zwischen den herumflatternden Zeitungen und den flackernden Barschildern ein Gefühl des Nachhausekommens heraufzubeschwören. Er drückte auf den Klingelknopf neben »Prentice« und hörte zur Antwort das erfreute Summen des Türöffners. Dann lief er durch die Gemüse-, Abfall- und Parfümgerüche hinauf und taumelte in die klammernden Arme seiner Mutter.
»Oh, Bobby«, sagte sie. Ihr gekräuseltes graues Haar reichte ihm kaum bis zu den Klappen seiner Brusttaschen, und sie war so zerbrechlich wie ein Spatz, doch die Kraft ihrer Liebe war so groß, dass er sich wie ein Boxer wappnen musste, um ihre Wucht abzufangen. »Du siehst wunderbar aus«, sagte sie. »Lass dich ansehen.« Und er ließ unangenehm berührt zu, dass sie ihn auf Armeslänge von sich weg hielt und betrachtete. »Mein Soldat«, sagte sie. »Mein großer wunderbarer Soldat.«
Und dann folgten die Fragen: Hatte er gegessen? War er schrecklich müde? Freute er sich, zu Hause zu sein?
»Oh, ich war so glücklich heute, weil ich gewusst habe, dass du kommst. Heute Morgen hat der alte Herman zu mir gesagt – du weißt schon, der hässliche kleine Vorarbeiter, von dem ich dir erzählt habe? In meiner schrecklichen Arbeit? Ich habe heute Morgen vor mich hin gesungen oder vielmehr gesummt, und er hat gesagt: ›Was haben Sie denn zu singen?‹ Und oho, ich habe ihm in die Augen geschaut – diesem furchtbaren, stinkenden kleinen Mann in seinem grauenhaften alten Unterhemd in dem grauenhaften Fabriklärm -, und ich habe gesagt: ›Ich habe guten Grund zu singen.‹ Ich habe gesagt: ›Mein Sohn kommt heute Abend nach Hause, auf Urlaub.‹« Und sie ging durchs Zimmer, zerbrechlich und ungeschickt auf ihren abgelaufenen Absätzen und in ihrem schwarzen Kleid aus Kunstseide, das sie auf der Seite mit einer Sicherheitsnadel geschlossen hatte, und lachte über den Wortwechsel mit dem Vorarbeiter. »›Mein Sohn‹«, sagte sie noch einmal, »›kommt heute Abend nach Hause, auf Urlaub.‹«
»Also«, sagte er. »Es ist kein richtiger ›Urlaub‹, ich habe nur Ausgang.«
»Ausgang, ich weiß. Ach, es ist so schön, dich zu sehen. Ich sag dir was. Wie wär’s mit einer heißen Tasse Kaffee, und du setzt dich hin und ruhst dich aus? Und ich mache mich fertig, und dann gehen wir essen. Wie wäre das?«
Während sie geschäftig zwischen Wohn- und Schlafzimmer hin- und herging und dabei noch immer redete, nippte er an dem bitteren, zu lange warm gehaltenen Kaffee, den sie ihm gebracht hatte, und schlenderte über den Teppich. Die ungepflegte Gemütlichkeit der Wohnung – überall lag Zigarettenasche und standen schäbige, wacklige Möbel unter schwachen Lampen – war ungewohnt nach der geschrubbten Symmetrie der Kaserne. Ebenso die Intimität und die Tatsache, dass an einer Wand ein schmaler langer Spiegel hing, in dem er zu seiner Überraschung sein eigenes, nackt wirkendes Gesicht über dem eintönig olivfarbenen Torso mit den Messingknöpfen sah. Er nahm dramatisch Habachtstellung ein, und dann, nachdem er sich umgeschaut und vergewissert hatte, dass sie im Schlafzimmer war, flüsterte er sich die Befehle zu und spielte eine Reihe von Exerzierhaltungen durch. Rechts um, links um, Kehrtwende, salutieren, rührt euch. In der Rührt-euch-Stellung bemerkte er, dass sie einen Lippenstiftfleck auf seiner Uniform hinterlassen hatte.
»So«, sagte sie. »Jetzt bin ich fertig. Wie sehe ich aus? Bin ich hübsch genug, um mit einem schmucken Soldaten auszugehen?«
»Gut«, sagte er. »Du siehst gut aus.« Und sie sah tatsächlich besser aus, trotz der Puderreste auf ihrem Oberteil. Sie hatte die seitliche Öffnung ihres Kleides geschlossen und sich sorgfältig gekämmt.
Als sie die Wohnung verließen, fiel ihm auf, wie sie sich vorbeugte und blinzelte, um den Weg nach unten zu sehen – ihre Augen wurden schlechter -, und auf der Straße, wo sie sich an seinen Arm hängte, wirkte sie sehr alt und langsam. An der ersten Kreuzung krümmte sie sich und eilte ängstlich weiter, klammerte sich an seinen Arm, bis sie sicher auf der anderen Seite waren. Sie hatte Angst vor Autos und neigte dazu, ihre Gefährlichkeit zu übertreiben: Sie schien zu glauben, dass einer oder alle der mit laufendem Motor wartenden Wagen auch bei Rot einen Satz nach vorn machen könnten – mit Mordgedanken im Herzen.
Sie gingen zu Childs am Columbus Circle. »Ist es nicht komisch?«, sagte sie. »Ich habe die Childs Restaurants immer für schrecklich gehalten, aber das hier ist das einzig anständige in der Gegend – alle anderen sind fürchterlich teuer -, und ich finde es ganz nett, du nicht auch?«
Sie tranken zuerst einen Manhattan, weil sie darauf bestand, dass sie richtig feiern sollten, und dann, nachdem sie die Speisekarte studiert hatten, um sich zu vergewissern, ob sie ihn sich auch wirklich leisten konnten, wenn sie die Kosten für das Essen auf Hähnchenkroketten reduzierten, bestellten sie einen zweiten. Er wollte ihn nicht wirklich – von der schweren Süße drohte ihm übel zu werden -, aber er trank ihn dennoch und versuchte, sich auf seinem Stuhl zu entspannen.
Mittlerweile monologisierte sie unermüdlich mit volltönender Stimme. »Ach, und rate mal, wen ich neulich im Bus getroffen habe! Harriet Baker! Erinnerst du dich noch an das Jahr, als wir in der Charles Street gewohnt haben? Und du mit den Baker-Brüdern gespielt hast? Sie sind jetzt beide bei der Marine, und Bill ist im Pazifik, stell dir vor. Erinnerst du dich noch an den Winter, als wir so fürchterlich pleite waren und Harriet und ich immer so grauenhafte Streitereien wegen Geld hatten? Das ist jetzt alles vergessen. Wir haben zusammen zu Abend gegessen und uns unheimlich nett unterhalten, sie wollte alles über dich wissen. Ach, und rate mal, was sie mir über die Engstroms erzählt hat! Erinnerst du dich an sie? Paul und Mary Engstrom, mit denen ich das Jahr damals so gut befreundet war? Sie haben uns in Scarsdale besucht, weißt du noch? Und in Riverside? Erinnerst du dich noch an das Jahr, als wir Weihnachten mit ihnen verbracht haben und so viel Spaß hatten?«
Und so ging es immer weiter, während er mit der Gabel die Hähnchenkroketten zerteilte und zur Antwort gab, was immer sie sich zu wünschen oder zu brauchen schien. Nach einer Weile hörte er gar nicht mehr zu. Seine Ohren nahmen nur noch das Heben und Senken ihrer Stimme auf, ihren komplizierten, vertrauten, endlosen Rhythmus, aber lange Erfahrung hatte ihn gelehrt, an den richtigen Stellen »O ja« oder »Natürlich« zu sagen.
Wovon sie sprach, war bedeutungslos, er wusste, was sie tatsächlich sagen wollte. Hilflos und vorsichtig, klein und müde und bestrebt zu gefallen, bat sie ihn, ihr zu bestätigen, dass ihr Leben nicht gescheitert war. Erinnerte er sich an die guten Zeiten? Erinnerte er sich an die vielen netten Leute, die sie gekannt hatten, und an die vielen auf interessante Weise unterschiedlichen Orte, an denen sie gelebt hatten? Und was für Fehler auch immer sie gemacht haben mochte, wie ungerecht auch immer die Welt sie behandelt haben mochte, wusste er, wie sehr sie sich stets bemüht hatte? Wusste er, wie sehr sie ihn liebte? Und war ihm klar – trotz allem -, war ihm klar, was für eine bemerkenswerte, was für eine talentierte und tapfere Frau seine Mutter war?
O ja, o ja, natürlich wusste er das – das war die Botschaft seines Nickens und Lächelns und Murmelns. Es war die Botschaft, die er ihr vermittelte, seitdem er sich erinnern konnte, und die meiste Zeit hatte er voll und ganz an sie geglaubt.
Weil sie wirklich bemerkenswert, talentiert und tapfer war. Wie sonst sollte man die Geschichte ihres Lebens erklären? Als um die Jahrhundertwende alle verschlafenen Kleinstädte in Indiana in provinzieller Ignoranz versunken waren und ein einfacher Kurzwarenhändler namens Amos Grumbauer in dieser Atmosphäre sechs gewöhnliche Töchter großgezogen hatte, war es da nicht bemerkenswert, dass seine siebte Tochter irgendwie eine Leidenschaft für Kunst und Eleganz und für die große ferne Welt von New York entwickelte? Ohne die Highschool abzuschließen, war sie eine der ersten Studentinnen gewesen, die sich an der Kunstakademie von Cincinnati eingeschrieben hatte, und wenige Jahre später war sie ganz allein in die Stadt ihrer Träume gegangen und hatte eine Anstellung als Modezeichnerin gefunden und nur gelegentlich Unterstützung von zu Hause gebraucht. Bewies das nicht, dass sie talentiert war, und bewies das nicht, dass sie tapfer war?
Ihr erster großer Fehler – und sie sagte später oft, sie würde nie begreifen, was in sie gefahren war -, hatte darin bestanden, einen Mann zu heiraten, der genauso gewöhnlich war wie ihr Vater in Indiana. O, George Prentice mochte auf unauffällige Weise gut aussehend gewesen sein, er mochte sogar ein wenig schneidig gewesen sein mit seiner schönen Stimme als Amateursänger, seiner guten Kleidung und seinem Spesenkonto, aufgrund dessen er in manchen der besseren Flüsterkneipen ein gern gesehener Gast war. Unbestreitbar war zudem, dass eine junge Frau, die auf die vierunddreißig zuging, nicht mehr sehr viele ernst gemeinte Anträge zu erwarten hatte, und außerdem war er so standhaft, so ergeben, so willig, sie zu beschützen und für sie zu sorgen. Aber wie konnte sie so blind für die Langweiligkeit des Mannes gewesen sein? Wie hatte sie übersehen können, dass er ihr Talent für nichts weiter als ein bezauberndes kleines Hobby hielt, dass ihm bei den Gedichten von Edgar A. Guest Tränen in die Augen stiegen und dass es sein unaufhörlich diskutierter, größter Ehrgeiz im Leben war, zum stellvertretenden Leiter der Verkaufsabteilung einer so monströsen und vollkommen unverständlichen Organisation wie den Vereinigten Werkzeugen und Werkzeugmaschinen befördert zu werden?
Und als wäre das noch nicht genug, wie hätte sie obendrein vorhersehen sollen, dass er, einmal verheiratet, immer mal wieder verschwinden und erst nach drei oder vier Tagen zurückkommen würde, nach Gin stinkend und mit Lippenstiftflecken auf dem Hemd?
Sie ließ sich mit achtunddreißig, drei Jahre nach der Geburt ihres einzigen Kindes, von ihm scheiden und brach auf, um eine Künstlerin von Rang zu werden – eine Bildhauerin. Sie ging mit ihrem Sohn für ein Jahr nach Paris, um zu studieren, aber das war 1929, und die Schrecknisse ökonomischer Not ließen sie schon nach gut sechs Monaten zurückkehren. Von da an war ihre Karriere als Künstlerin eine verzweifelte und immer wieder aufs Neue vereitelte Anstrengung vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise, eine hysterische Odyssee, die, wie sie stets sagte, nur dank der »wunderbaren Gemeinschaft« mit ihrem kleinen Jungen erträglich war. Mit dem geringen Betrag an Unterhaltszahlungen, die George Prentice für sie und das Kind aufbringen konnte, lebten sie zuerst im ländlichen Connecticut, dann in Greenwich Village und danach in den Vororten in Westchester, wo sie ständig Ärger mit den Vermietern und den Lebensmittel- und Kohlenhändlern hatten und sich unter den bedrückend normalen Familien der Nachbarschaft nie wohlfühlten.
»Wir sind anders, Bobby«, erklärte sie, aber die Erklärung war nicht nötig. Wo immer sie lebten, er war stets der einzige neue Junge und der einzige arme Junge, der einzige Junge, bei dem es zu Hause nach Schimmel und Katzenkacke und Plastilin roch und wo statt eines Autos Statuen in der Garage standen, der einzige Junge, der keinen Vater hatte.
Aber er liebte sie auf romantische Weise und mit einem nahezu religiösen Glauben an ihre Tapferkeit und Güte. Wenn der Vermieter, der Lebensmittel- und der Kohlenhändler und George Prentice gegen sie waren, dann waren sie auch seine Feinde: Er würde ihr als Verbündeter und Verteidiger gegen den kruden und schikanösen Materialismus der Welt dienen. Er hätte gern auf jede nur erdenkliche Weise sein Leben für sie riskiert, das Problem war, dass andere, weniger dramatische Hilfe vonnöten war und nicht kam. Ein paar ihrer Skulpturen wurden bisweilen in Gruppenausstellungen gezeigt und sehr selten sogar für geringe Summen verkauft, aber diese vereinzelten Triumphe blieben unter dem wachsenden Druck der Not so gut wie unbemerkt.
»Schau mal, Alice«, sagte George Prentice anlässlich eines seiner seltenen und gefürchteten Besuchstage und zwang sich sichtlich, ruhig und vernünftig zu klingen. »Schau mal: Ich weiß, es ist wichtig, für den Jungen Opfer zu bringen – da bin ich deiner Meinung -, aber das ist einfach nicht realistisch. Es geht einfach nicht an, dass du an einem Ort wie diesem lebst und diese Rechnungen anhäufst. Du kannst nicht einfach so über deine Verhältnisse leben, Alice.«
»In Ordnung. Ich gebe die Bildhauerei auf. Ich ziehe in die Bronx und suche mir einen miesen kleinen Job in einem Kaufhaus. Ist es das, was du willst?«
»Nein, das will ich natürlich nicht. Ich bitte dich nur um ein bisschen Kooperation, ein bisschen Rücksicht – verdammt, Alice, ein bisschen Verantwortungsgefühl.«
»Verantwortung! Erzähl du mir nichts von Verantwortung...«
»Alice, könntest du leiser sprechen? Bevor du den Jungen noch aufweckst?«
Das Leben in den Vororten fand sein abruptes Ende mit beängstigenden Rechtsstreitigkeiten wegen unbezahlbarer Schulden, als er fast dreizehn war, und drei Jahre später, nach einer Reihe zunehmend billigerer Wohnungen in der Stadt, wandte sich Alice mit einer letzten Bitte an ihren Exmann. Sie wolle ihm nie wieder zur Last fallen, versprach sie ihm, wenn er nur damit einverstanden wäre, Bobbys Besuch einer, wie sie es nannte, guten Privatschule in Neuengland zu finanzieren.
»Ein Internat? Alice, hast du eine Ahnung, was solche Schulen kosten? Schau, wir wollen vernünftig sein. Wie stellst du dir vor, dass ich das College finanziere, wenn ich -«
»Ach, du weißt ganz genau, dass er erst in drei Jahren aufs College gehen wird. In drei Jahren kann alles passieren. Ich könnte in drei Jahren eine Einzelausstellung haben und ein Vermögen machen. Ich könnte in einem halben Jahr eine Einzelausstellung haben und ein Vermögen machen. Ja, ich weiß, du hast nie an mich geglaubt, aber zufälligerweise glauben eine ganze Menge anderer Leute an mich.«
»Ja, aber, Alice, hör zu. Bitte beherrsch dich.«
»Ha! Mich beherrschen. Mich beherrschen...«
Die Schule, die sie auswählte, war nicht gerade eine gute, aber sie war die einzige, die ihn für die Hälfte des Schulgelds aufnahm, und dieser Sieg erfüllte sie mit Stolz.
Sein erstes Jahr dort – es war das Jahr von Pearl Harbor – war nahezu ausschließlich von Elend geprägt. Er vermisste seine Mutter und schämte sich dafür, er fühlte sich vollkommen fehl am Platz wegen seiner Ungeschicklichkeit beim Sport, seiner billigen Kleidung, bei der kein Stück zum anderen passte, und seines völligen Mangels an Taschengeld, und er meinte, nur überleben zu können, indem er den kleinen Klassenclown spielte. Das zweite Jahr war besser – er erlangte ein gewisses Prestige als Exzentriker und begann sich sogar den Ruf des Schulintellektuellen zu erwerben -, aber mitten in diesem zweiten Jahr brach George Prentice im Büro tot zusammen.
Es war ein verblüffendes Ereignis. Als er mit dem Zug zur Beerdigung nach Hause fuhr, wunderte er sich immer noch darüber, wie unkontrolliert seine Mutter am Telefon geweint hatte. Sie klang so unglücklich wie eine richtige Witwe, und am liebsten hätte er gesagt: »Was soll das, Mutter – sollen wir wirklich weinen, nur weil er gestorben ist?«
Und er war entsetzt über ihr Verhalten im Bestattungsinstitut. Stöhnend brach sie über den Blumenbouquets zusammen und platzierte einen langen, leidenschaftlichen Kuss auf dem wächsernen Gesicht des toten Mannes. Im Hintergrund dröhnte irgendwo ein Band mit Orgelmusik, und eine lange, ernste Reihe von Männern von Vereinigte Werkzeuge und Werkzeugmaschinen wartete darauf, ihren Respekt bezeugen zu können (er hatte den schrecklichen Verdacht, dass ihr theatralisches Getue für sie bestimmt war). Und obwohl sein erster Impuls war, so schnell wie möglich zu verschwinden, blieb er nach Beendigung ihres Auftritts eine Weile am Sarg stehen. Er blickte auf das unauffällige, stille Gesicht von George Prentice und versuchte, jedes Detail genau zu studieren, Abbitte zu leisten für die vielen Male, die er dem Mann nie richtig in die Augen geschaut hatte. Er durchkämmte sein Gedächtnis nach den unmerklichsten Spuren echter Zuneigung für diesen Mann (Geburtstagsgeschenke? Zirkusbesuche?) und nach dem schwächsten Schimmer einer Zeit, als dies der Mann in Gegenwart seines einzigen Kindes etwas anderes als Unbehagen und Enttäuschung empfunden hatte, aber vergeblich. Schließlich wandte er sich von der Leiche ab, nahm ihren Arm und blickte angewidert auf ihr weinendes Gesicht hinunter. Es war ihre Schuld. Sie hatte ihm den Vater und dem Vater den Sohn genommen, und jetzt war es zu spät.
Aber er begann sich bedrückt zu fragen, ob es nicht auch seine Schuld sein könnte, mehr sogar als ihre. Er hatte fast das Gefühl, den Mann mit seiner schrecklichen, unmenschlichen Gleichgültigkeit über die Jahre hinweg umgebracht zu haben. Und nun wollte er nur noch weg von dieser schluchzenden, zitternden alten Frau und zurück in die Schule, wo er darüber nachdenken könnte.
Und der Tod seines Vaters brachte einen weiteren, unmittelbareren Verlust mit sich: Sie hatten kein Geld mehr. Dessen war er sich nicht voll bewusst, bis er im folgenden Sommer nach Hause kam, nicht lange nachdem er siebzehn geworden war, und sie in einem billigen Hotelzimmer wohnte, im Rückstand mit den Mietzahlungen. Sie hatte ihre Skulpturen, und was von ihren Möbeln übrig war, eingelagert, und auch für die Einlagerungsmiete war sie mit den Zahlungen im Rückstand. Seit Monaten versuchte sie, sich nach zwanzigjähriger Pause erneut als Modezeichnerin zu etablieren, ohne jeglichen Erfolg. Sogar er sah, wie starr und angestrengt und hoffnungslos unverkäuflich ihre Zeichnungen waren, aber sie erklärte, dass alles nur eine Frage der richtigen Kontakte sei, und er war noch nicht einmal einen Tag bei ihr, als er herausfand, dass sie nicht genug zu essen hatte. Seit Wochen lebte sie von Dosensuppen und Fischkonserven.
»Schau mal«, sagte er und war sich nur dunkel bewusst, dass er wie der Geist von George Prentice klang. »Das ist nicht sehr sinnvoll. Mein Gott, dann werde ich mir eben irgendeinen Job suchen.«
Und er fing an, in einem Lagerhaus für Autoersatzteile zu arbeiten. Daraufhin zogen sie in eine möblierte Wohnung in den West Fifties, und die »wunderbare Gemeinschaft« trat in eine seltsame neue Phase.
Er fühlte sich männlich und angenehm proletarisch, wenn er abends in seiner Arbeitskluft nach Hause stapfte, und sah sich als den Protagonisten eines erbaulichen Films über den Kampf der Armen. »Herrgott, ich habe als Lagerarbeiter angefangen«, könnte er für den Rest seines Lebens sagen. »Musste mit der Schule aufhören und meine Mutter unterstützen, nachdem mein Dad gestorben war. Das waren ziemlich harte Zeiten.«
Das Problem war, dass seine Mutter sich weigerte, ihre Rolle in diesem Film zu spielen. Es war nicht zu leugnen, dass er sie unterstützte – am Zahltag stand sie manchmal mittags vor dem Lagerhaus, weil sie kein Geld fürs Mittagessen hatte -, aber niemand wäre darauf gekommen. Er gab die Hoffnung nicht auf, dass sie sich verhalten würde, wie er glaubte, dass sie sich verhalten sollte, wenn er nach Hause kam: wie eine demütige Witwe, die dankbar Fleisch und Kartoffeln für ihren müden Sohn zubereitete, sich mit einer Näharbeit setzte, kaum dass sie den Abwasch erledigt hatte, im Schein der Lampe seine Socken stopfte und vielleicht aufblickte und sich scheu erkundigte, ob er nicht mit einem netten Mädchen ausgehen wolle.
Und er wurde stets aufs Neue enttäuscht. Abend für Abend sprach sie von den Kontakten, die sie ganz bestimmt demnächst in der Modewelt knüpfen würde, und über das Vermögen, das sie mit Einzelausstellungen machen könnte, wenn sie nur ihre eingelagerten Skulpturen hätte, während das Essen aus der Dose auf dem Herd verbrannte.
Um sich von ihm bewundern zu lassen, posierte sie einmal in einem modischen neuen Kleid, für das sie über die Häfte des wöchentlichen Haushaltsgeldes ausgegeben hatte, und als er nicht begeistert reagierte, erklärte sie, als würde sie mit einem geistig zurückgebliebenen Kind sprechen, dass niemand erwarten könne, in den Kleidern vom vergangenen Jahr in der Modewelt voranzukommen.
»O ja, Bobby geht’s gut«, hörte er sie ein anderes Mal am Telefon sagen. »Er hat einen Ferienjob. Ach ja, eine kleine Arbeit in einem fürchterlichen Lagerhaus – du weißt schon, was Jungs im Sommer eben so machen -, aber es scheint ihm zu gefallen, und ich glaube, die Erfahrung wird von großem Nutzen für ihn sein...«
Er nahm an, mit gemischten Gefühlen, dass er für das letzte Jahr nicht mehr in die Schule zurückkehren würde. Aber im September sagte sie, er solle sich nicht lächerlich machen. Er musste die Schule abschließen, es würde ihr das Herz brechen, wenn er es nicht täte.
»Aber schau doch mal: Was wirst du tun?«
»Schatz, ich habe es dir doch schon erklärt. Es muss sich demnächst etwas in der Modewelt ergeben, du weißt doch, wie sehr ich mich bemühe. Und sobald ich meine Skulpturen aus dem Lagerhaus holen kann, wer weiß, was uns nicht alles Gutes widerfahren wird. Verstehst du?«
»Ja, sicher, aber ich rede nicht von ›demnächst‹. Ich rede von jetzt. Wie willst du die Miete zahlen? Wie willst du Essen kaufen?«
»Ach, das schaffe ich schon, das ist nicht wichtig. Wenn es sein muss, werde ich mir Geld leihen. Deswegen musst du dir keine -«
»Von wem? Und außerdem kannst du dir nicht immer weiter Geld leihen, oder?«
Sie blickte ihn ungläubig an, schüttelte langsam und lebensüberdrüssig lächelnd den Kopf und sagte dann: »Du klingst genau wie dein Vater.«
Der Streit dauerte Stunden, steigerte sich in immer neue Höhen vernunftloser Schrillheit, und nachdem er noch einmal und ausführlich von den unschätzbaren Kontakten, die sie mit Sicherheit auftun würde, gehört hatte, wandte er sich schließlich gegen sie und sagte: »Ach, Schwachsinn.«
Und sie brach in Tränen aus, griff sich an die linke Brust, als wäre sie angeschossen, stürzte der Länge nach auf den Boden und riss dabei eine Achselnaht des Kleides auf, das angeblich ihrem Fortkommen in der Modewelt diente. Sie lag da, mit dem Gesicht nach unten, bebte am ganzen Körper und zuckte krampfhaft mit den Beinen, während er danebenstand und zusah.
Es war etwas, das er sie schon oft hatte tun sehen. Das erste Mal, vor langer Zeit, als ein Hausbesitzer in Westchester gedroht hatte, sie zwangsräumen zu lassen, und sie George Prentice anrief, um ihn um welche Summe auch immer zu bitten, damit sie ihre Schulden begleichen konnte. »Na gut!«, hatte sie ins Telefon geschrien. »Na gut! Aber ich warne dich, ich werde mich heute Abend umbringen!« Sie knallte den Telefonhörer auf die Gabel, stand auf, griff sich an die Brust und fiel auf den Teppich, und ihr kleiner Junge versuchte, beide Fäuste in den Mund zu stecken, um seine Panik zu ersticken, bis sie sich endlich wieder aufrichtete und ihn schluchzend in die Arme schloss. Seitdem war es oft passiert, bei unterschiedlichen Krisen, und er wusste, dass sie nicht wirklich einen Herzinfarkt hatte, er musste nur warten, bis sie sich albern genug vorkam, wie sie so dalag. Es dauerte nicht lange, und sie drehte sich um, setzte sich in tragischer Haltung auf den nächsten Stuhl und verbarg das Gesicht in den Händen.
»O Gott«, sagte sie und schauderte krampfhaft. »O Gott. Mein Sohn nennt mich schwachsinnig.«
»Nein, Moment mal. Ich habe dich nicht schwachsinnig genannt – ich habe ›Schwachsinn‹ gesagt – das sagt man doch nur so. Ich habe nur gesagt – tut mir leid. Ich hab’s nicht so gemeint. Entschuldige.«
»OooGott«, sagte sie und schaukelte auf dem Stuhl vor und zurück. »Mein Sohn nennt mich schwachsinnig.«
»Nein, hör zu. Moment. Bitte...«
Eine Woche bevor die Schule wieder anfing, nahm sie dann schließlich eine Arbeit an – nicht den »miesen kleinen Job in einem Kaufhaus«, mit dem sie George Prentice des Öfteren gedroht hatte, sondern etwas noch Mieseres: Sie arbeitete in einer Fabrik, die Schaufensterpuppen herstellte.
Dass sich sein letztes Schuljahr als Erfolg erwies, war eine Überraschung. Wie auch immer es vonstatten geht, dass Außenseiter in der Schule zu unkonventionellen Anführern werden, er wurde einer; erst als das erfolgreiche Jahr nahezu vorüber war, begriff er, dass das Schulgeld schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr bezahlt worden war.
Es folgten zahllose Telefongespräche zwischen seiner Mutter und dem Direktor, und wahrscheinlich weinte und bat sie und machte Versprechungen, und der Direktor und er führten mehrere sachliche Gespräche (»Es ist eine sehr schwierige Situation für uns alle, Bob.«), bis der Direktor ihm schließlich am Vorabend der Zeugnisvergabe taktvoll und etwas verlegen erklärte, dass sein Zeugnis einbehalten würde, bis die Schulden beglichen wären.
Zu diesem Zeitpunkt war seiner Mutter von der Schaufensterpuppenfabrik gekündigt worden, und sie arbeitete in einer kleinen Waffenfabrik, die Präzisionslinsen herstellte. Sie beschrieb es allen, die sie kannte, mit ernster Miene als »Kriegsanstrengung«.
Einen Monat später war er bei der Armee, und seine Mutter galt als Unterhaltsberechtigte der Klasse A, und jetzt, während er in der sauberen Weitläufigkeit von Childs saß, ließ er ihre Worte ungehört an sich vorüberziehen. Mit grimmiger, zärtlicher Geduld hielt er Ausschau nach den ersten Anzeichen dafür, dass sie betrunken war: ein belegtes Lallen, die Tendenz ihrer Oberlippe, schlaff zu werden und anzuschwellen, verlangsamte, ungeschickte Gesten.
»... und plötzlich«, sagte sie und kam zum Höhepunkt einer langen Geschichte über irgendwelche Leute, die sie kürzlich kennengelernt hatte, »plötzlich wurden seine Augen ganz groß, und er hat gesagt: ›Sie sind Alice Prentice? Alice Prentice, die Bildhauerin?‹« Sie hatte sich schon immer wie ein Kind gefreut, wenn sie Anekdoten erzählen konnte, die es ihr erlaubten, ihren eigenen Namen zu nennen, und die, die es ihr erlaubten, »die Bildhauerin« hinzuzufügen, waren die allerbesten. »Und wie sich herausstellte, bewunderten sie mich seit Jahren. Deshalb haben sie mich zum Kaffee eingeladen, und wir – ach, wir haben eine wunderbare Zeit miteinander verbracht.«
Er wusste, dass er in ihre Freude mit einstimmen sollte, aber er beschloss plötzlich, dass ihm heute Abend nicht danach war. »Ach ja?«, sagte er. »Also, das ist interessant. Wo hatten sie von dir gehört?« Und er war sich durchaus bewusst, dass es eine grausame Frage war, aber er musste sie auf genau diese Weise stellen.
»Was? O -« Kränkung flackerte über ihr Gesicht, aber sie erholte sich. »Ach, Freunde von ihnen hatten vor Jahren eine Gartenstatue bei einer meiner Ausstellungen gekauft, glaube ich. Ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls, sie -«
»Bei einer deiner Ausstellungen?« Er konnte es ihr nicht durchgehen lassen, wie ein Staatsanwalt nahm er sie ins Kreuzverhör. Er wusste verdammt genau, dass sie trotz ihres lebenslangen Geredes von Einzelausstellungen nie eine gehabt hatte. Er wusste zudem, dass die Zahl der Arbeiten, die sie bei Gruppenausstellungen verkauft hatte, an erbärmlich wenigen Fingern abzuzählen war. Das meiste hatte sie in Kommission über eine Galerie für Gartenskulpturen verkauft, und auch dort hatten überwiegend Freunde oder Freunde von Freunden gekauft.
»Also, ich glaube, sie haben Ausstellung gesagt«, sagte sie ungeduldig. »Vielleicht auch in der Galerie, jedenfalls ist es nicht wichtig.«
Er gestand ihr diesen Punkt zu, aber nur, um an einer neuen Front anzugreifen: »Und wie, hast du gesagt, hast du diese Leute kennengelernt?«
»Über die Stewarts, Schatz. Das habe ich dir doch schon erklärt.«
»Ah, ich verstehe. Und die Stewarts sind auch Freunde von diesen anderen Leuten, von den Leuten, die deine Skulptur gekauft haben. Richtig?«
»Vermutlich, ja. Vermutlich war es so.« Sie schwieg eine Weile, wirkte eingeschüchtert, stocherte mit der Gabel in den Überresten ihrer Hähnchenkroketten herum. Dann machte sich ihre Stimme wieder tapfer an die Arbeit und lenkte die Geschichte in die Richtung, die sie offenbar von Anfang an hätte einschlagen sollen. »Jedenfalls sind sie schrecklich nett, und natürlich habe ich ihnen alles über dich erzählt. Sie können es gar nicht erwarten, dich kennenzulernen. Ich habe gesagt, dass wir vielleicht morgen nach der Kirche bei ihnen vorbeischauen, wenn du magst. Du hast doch nichts dagegen, Schatz? Nur um mir einen Gefallen zu tun? Ich weiß, dass du sie mögen wirst, und sie wären schrecklich enttäuscht, wenn wir nicht kämen.«
Es war das Letzte, wozu er Lust hatte, aber er sagte Ja. Und infolgedessen hatte er auch Ja zur Kirche gesagt, die er ebenfalls gern vermieden hätte. Er war bereit, zu allem, was sie wollte, Ja zu sagen, nur um die Härte seiner Fragen wiedergutzumachen. Warum hatte er sie so in die Mangel genommen? Sie war dreiundfünfzig Jahre alt und einsam und bedrückt, warum konnte er ihr ihre Illusionen nicht lassen? Während des Verhörs hatte ihr gekränkter, halb betrunkener Blick genau das ausgedrückt: Warum lässt du mir nicht meine Illusionen?
Weil es Lügen sind, sagte er sich, während seine Kiefer das billige Essen mahlten. Alles, was du sagst, ist eine Lüge. Du bist nicht Alice Prentice, die Bildhauerin, und das warst du auch nie, ebenso wenig wie ich Robert Prentice, der Privatschulabsolvent, bin. Du bist eine Lügnerin und eine Hochstaplerin, das bist du.
Er war entsetzt über die Aggressivität seiner heimlichen Tirade, ließ sich aber hilflos davon mitreißen, hielt den Mund und wrang und zerriss eine zerknitterte Papierserviette auf seinem Schoß.
Du bist Alice Grumbauer, fuhr seine lautlose Stimme fort. Du bist Alice Grumbauer aus Plainville, Indiana, und du bist ignorant und dumm trotz der ganzen »Kunst«-Scheiße, von der du all die Jahre gefaselt hast, während der arme Tölpel von meinem Vater sich für uns zugrunde gerichtet hat. Vielleicht war er ja wirklich »langweilig« und »unsensibel« und was auch immer, aber ich wünschte bei Gott, ich hätte eine Chance gehabt, ihn kennenzulernen, denn was für ein Idiot er auch war, ich weiß verdammt genau, dass er nicht von Lügen gelebt hat. Und das tust du. Du lebst nur von Lügen, und willst du die Wahrheit wissen?
Er sah ihr mit mörderischem Widerwillen zu, wie sie mit ihrem Löffel hantierte. Sie hatten Eis bestellt, und etwas davon klebte ihr an der Lippe, während sie einen kalten Klumpen auf der Zunge rollte.
Willst du die Wahrheit wissen? Die Wahrheit ist, dass alle deine Fingernägel abgebrochen und schwarz sind, weil du als Arbeiterin schuftest, und Gott weiß, wie wir dich aus dieser Linsenschleiffabrik je wieder rauskriegen sollen. Die Wahrheit ist, dass ich Infanteriesoldat bin und mir wahrscheinlich die Birne weggeschossen werden wird. Die Wahrheit ist, dass ich lieber nicht hier sitzen, dieses gottverdammte Eis essen und dich betrunken reden lassen würde, während mir die Zeit davonläuft. Die Wahrheit ist, dass ich heute besser nach Lynchburg gefahren und in einen Puff gegangen wäre. Das ist die Wahrheit.
Aber es war nicht die ganze Wahrheit. Er wusste es, während er immer wieder tief Atem holte, um die Worte niederzukämpfen, die aus ihm herausdrängten. Die wirkliche, die ganze Wahrheit war wesentlich komplizierter. Denn er konnte nicht leugnen, dass er aus freien Stücken und sogar mit einem gewissen ungeheuchelten Eifer nach New York gekommen war. Er hatte Zuflucht gesucht ausgerechnet in der Behaglichkeit ihrer »Lügen«, ihres unbegründeten Optimismus, ihres unerschütterlichen Glaubens daran, dass stets eine ganz besondere Vorsehung für die tapfere Alice Prentice und ihren Bobby sorgen würde, ihrer gegen alle möglichen Widrigkeiten aufrechterhaltenen Überzeugung, dass sie beide irgendwie einzigartig und bedeutend und unsterblich waren. Er hatte heute Abend bei ihr sein wollen: Es hatte ihm nicht einmal etwas ausgemacht, dass sie ihn ihren »großen wunderbaren Soldaten« genannt hatte. Und was den Puff in Lynchburg betraf, wusste er im Innersten, dass er seiner Mutter nicht seinen eigenen Mangel an Mumm in die Schuhe schieben konnte.
»Ist das Eis nicht gut?«, fragte Alice Prentice.
»Mhm«, sagte ihr Sohn, und sie beendeten das Essen schweigend.
Auf dem Rückweg in die Wohnung taumelte sie immer wieder gegen ihn – bei jeder Kreuzung hielt sie sich vor Schreck krampfhaft an seinem Arm fest -, und kaum waren sie oben, goss sie sich einen großzügigen Drink aus der Whiskeyflasche ein, der sie wahrscheinlich schon den ganzen Nachmittag zugesprochen hatte.
»Möchtest du was trinken, Schatz?«
»Nein, danke. Ich möchte nichts mehr.«
»Dein Bett ist gemacht. Ich bin so – müde« – sie strich sich eine Strähne aus der Stirn -, »so müde, dass ich gleich ins Bett gehe, wenn du nichts dagegen hast. Macht es dir wirklich nichts aus?«
»Nein, natürlich nicht. Geh nur.«
»Gut. Und morgen verbringen wir einen schönen langen Sonntag miteinander.« Sie trat zu ihm, roch nach Essen und Whiskey und hob die Arme, um ihm einen Kuss zu geben. »Ach, es ist so schön, dass du da bist.« Sie klammerte sich einen Augenblick an ihn, schwankte, stützte sich an der Wand ab, torkelte ins Schlafzimmer und schloss die Tür, die sie mehrmals zudrücken musste, bevor sie in dem verzogenen Rahmen einschnappte.
Mit den Händen in den Taschen schlenderte er zum schwarzen Fenster und schaute hinaus. Weit entfernt, wo das Licht eines Grillrestaurants mit Bar auf den Gehsteig fiel, standen zwei Soldaten, die Arme um zwei Mädchen gelegt. Ein Mädchen lachte, stieß kurze, hohe, lüsterne Laute aus, die die Straße entlangtrieben. Dann rief einer der Soldaten etwas, und alle stimmten in ihr Lachen ein, und sie gingen davon und verschwanden in der Dunkelheit.
Er lockerte den Kragen und die Krawatte und ließ sich schwer auf sein Bett fallen, das auch als Wohnzimmercouch diente und eine feine Staubwolke ausatmete. Vom vollgestellten Tisch nahm er das Einzige im Raum, das teuer und neu wirkte: das Jahrbuch seiner Schule. Er blätterte die dicken cremefarbenen Seiten um und erlebte einen kleinen freudigen Schock, als er ein bekanntes Gesicht nach dem anderen entdeckte, adrett und für den Schulfotografen posierend, sehr jung und verletzlich im Vergleich zu den Gesichtern in der Armee. Und da waren die handschriftlichen Sprüche: »Viel Glück beim Militär, Bob. Es war toll, dich kennenzulernen – Dave.«
»Bob, du wirst es weit bringen, ganz egal, was du tust. Ich werde deine Freundschaft immer zu schätzen wissen – Ken.«
Als er das Jahrbuch durchgeblättert hatte, konnte er sich kaum mehr daran erinnern, dass er am Morgen vor Tagesanbruch aufgestanden war, um seinen Patronengurt für die Inspektion zu reinigen, in der stinkenden Latrine von Männern gerempelt wurde, die sagten, er solle schauen, dass er das Blei aus seinem Arsch bekäme. Er wusste kaum mehr, dass er neun Stunden mit dem Bus und mit dem Zug gefahren war, und er erinnerte sich nur noch vage und schuldbewusst an die grausame, lautlose Wut, die sein Abendessen bei Childs vergiftet hatte. Aus dem Schlafzimmer drang jetzt das tiefe, langsame, zischende Schnarchen seiner Mutter, und er horchte mit großer Zärtlichkeit darauf, während er sich auszog und seine Uniform gewissenhaft auf einen Kleiderbügel aus Draht hängte. Als er sich ins Bett legte, waren die Laken überraschend frisch und sauber: Er stellte sich vor, wie sie in Vorbereitung seines Besuchs während der Mittagspause damit zur Wäscherei gelaufen war – oder möglicherweise sogar zu Macy’s gegangen war und neue gekauft hatte.
Morgen würde sie ihn spät und sanft wecken. Sie würden gemeinsam ein karges und unachtsam zubereitetes Frühstück zu sich nehmen und anschließend in die Kirche gehen. Der Gottesdienst der Episkopalkirche, den sie nach einem heidnischen Leben erst ein paar Jahre zuvor entdeckt hatte, brächte sie zum Weinen (»In der Kirche weine ich immer, Schatz, ich kann nicht anders. Es tut mir leid, wenn ich dich in Verlegenheit bringe.«), und dann würden sie, spirituell erbaut, mit der U-Bahn oder dem Bus irgendwohin fahren und die Leute besuchen, die es angeblich kaum erwarten konnten, ihn kennenzulernen – die Leute, die gesagt hatten, »Alice Prentice, die Bildhauerin?«, und sich wahrscheinlich als so schwach, verwirrt und erbärmlich sympathisch wie sie erweisen würden.
Die tödliche Wirklichkeit würde sie beide früh genug wieder für sich fordern, am Montagmorgen – die Infanterie und die Linsenschleiffabrik -, aber in der Zwischenzeit...
In der Zwischenzeit konnte er langsam einschlafen und sich dabei privilegiert, sicher und geborgen fühlen. Er war zu Hause.

ERSTER TEIL

1. KAPITEL
»Und – Feuer!«
Die Gewehrschüsse krachten in seinen Ohren, rechts und links. Er betätigte den Abzug und spürte, wie sich die Schulterstütze seines eigenen Gewehrs hart in seine Schulter und Wange bohrte, und dann schoss er erneut.
Sie lagen flach auf einer feuchten Anhöhe in Virginia und feuerten einen trostlosen, unkrautbewachsenen Abhang hinunter auf eine fingierte feindliche Stellung in mehreren hundert Metern Entfernung – eine Gruppe roher hölzerner Häuserfronten, flankiert von Bäumen. Graue Schießscheibensilhouetten tauchten unregelmäßig in Fenstern und Schützenlöchern zwischen den Bäumen auf und verschwanden wieder, und anfangs zielte Prentice nicht sehr genau: Das Wichtigste schien ihm, immer weiter zu feuern und so viele Schüsse abzugeben wie die Männer neben ihm. Aber nach ein paar Sekunden ließ die Anspannung nach, und er wurde sowohl gewissenhaft als auch schnell. Es war berauschend.
»Feuer einstellen! Feuer einstellen! Gut, zieht euch zurück. Alle zurück. Zweite Gruppe, los geht’s. Zweite Gruppe an die Schützenlinie.«
Prentice sicherte sein Gewehr, stand auf und torkelte mit den anderen den Abhang hinunter zu dem kleinen, mühsam errichteten Lagerfeuer, das ums Überleben kämpfte. Er bahnte sich einen Weg durch die versammelten Männer und fand einen Platz neben John Quint.
»Meinst du, du hast was getroffen, du Scharfschütze?«, fragte ihn Quint.
»Zweimal, glaube ich. Ich bin ziemlich sicher, dass ich zweimal getroffen habe. Du?«
»Herrgott, keine Ahnung.«
Es war der letzte Nachmittag des einwöchigen Biwaks, das seinerseits der Höhepunkt ihrer Ausbildung war. Sie konnten jederzeit nach Übersee abkommandiert werden, und die Moral der Truppe hätte nicht schlechter sein können. Es gefiel ihm, dass er sich seit sechs Tagen nicht gewaschen oder die Kleider gewechselt hatte, dass er das Gewehr zu bedienen lernte, als wäre es ein Fortsatz seines Körpers, und dass er an komplizierten praktischen Übungen teilgenommen hatte, ohne etwas augenfällig Absurdes zu tun. Ein angenehmer kleiner Schauder durchlief ihn, er straffte die Schultern, stellte die Füße weiter auseinander und rieb sich forsch die Hände im Holzrauch.
»He, Prentice«, sagte Novak, der ihn von der anderen Seite des Feuers aus beobachtete. »Du kommst dir heute wohl sehr schlau vor, was? Kommst du dir vor wie ein richtiger Kämpfer?«
Daraufhin prustete die Gruppe los, und Cameron, ein großgewachsener Südstaatler und Freund von Novak, tat sein Bestes, dass es so blieb. »Der alte Prentice wird noch ein richtiger Tiger, was? Gott, bin ich froh, dass er auf unserer Seite steht.«
Er ignorierte sie, rieb sich weiter die Hände und starrte in die kümmerlichen Flammen, aber ihr gelangweiltes, bereitwilliges Lachen hatte ihm die Laune verdorben.
Die meisten Männer in seinem Zug waren mindestens fünf Jahre älter als Prentice, manche waren dreißig und ein paar fast vierzig, und eine unwirschere, unsympathischere Schar hätte er sich nicht vorstellen können. Sie waren alle aus unterschiedlichen Truppenteilen nach Camp Pickett gekommen – das gesamte Ausbildungsregiment war etwas, das in der Armee Infanterieumschulungszentrum genannt wurde -, aber es gab einen wesentlichen Unterschied zwischen ihm und den anderen. Sein Dienst hatte bislang lediglich aus sechs Wochen harmloser, verhätschelnder Grundausbildung als Luftwaffenrekrut bestanden, gefolgt von einem strukturlosen Monat Kleinarbeit in einer sogenannten Kompanie für alles. Die anderen aber waren altgedient. Manche kamen aus kürzlich aufgelösten Flugabwehreinheiten und hatten jahrelang müßig in Schützenstellungen in den Stützpunkten an der Westküste verbracht, andere kamen aus Feldzeug- und Nachschubdepots, darunter waren ehemalige Köche, ehemalige Stabsdienstsoldaten, ehemalige Sanitätshelfer und Nieten aus diversen Offiziersanwärterschulen. Viele von ihnen waren Unteroffiziere, die sich freiwillig gemeldet hatten, oder Pioniere und trugen noch immer ihre nichtssagenden Rangabzeichen, aber für alle – für jeden einzelnen unflätigen, heftig trinkenden Jammerlappen von ihnen – galt die erbärmliche Tatsache, dass die guten Zeiten, die Monate oder Jahre militärischer Sicherheit vorbei waren. Sie waren der Nachschub für die Jungs an der Front.
Und wenn Prentice jemals gehofft hatte, von diesen Männern »Bob« oder »Kumpel« oder »Bohnenstange« genannt zu werden und sich mit ihnen in der behaglichen Kameraderie seiner Luftwaffentage zu entspannen, dann hatte er diese Hoffnung auf der Stelle aufgeben müssen. Sie nannten ihn »Junge« oder »Junior« oder »Prentice« oder gar nichts, und ihre allumfassende Gleichgültigkeit war bald einer verächtlichen Belustigung gewichen.
Am ersten Morgen verschlief er den Weckruf, fummelte verschlafen an den ungewohnten Gamaschen der Infanterieuniform herum und zog die verdammten Dinger falsch herum an, mit den Haken an der Innen-, statt an der Außenseite der Waden. Er war vier Schritte gelaufen, als sich die Haken einer Gamasche in den Schnüren der anderen verfingen, und er stürzte rudernd der ganzen schlaksigen Länge von knapp einsneunzig nach hin – ein spektakulärer Sturz mit verklemmten Beinen, über den sein Publikum noch den ganzen Tag schallend lachte.
Und danach geriet er vom Regen in die Traufe. Beim Exerzieren mit der Waffe stellte er sich hoffnungslos ungeschickt an: Er konnte die Exerzierübungen mit der Waffe nicht ausführen, ohne auf unansehnliche Art und Weise den Kopf zu senken, wenn er das Magazin aufriss, im Gelände wurden die Reflexe und das Durchhaltevermögen seines spindeldürren, schlecht koordinierten Körpers Prüfungen unterzogen, die weit jenseits seiner Leistungsfähigkeit schienen, und er verhaspelte sich immer wieder und scheiterte kläglich.
Schlimmer noch, er war unfähig, die Niederlagen mit irgendeiner Art von Würde hinzunehmen. Nach jeder Demütigung erhob er sich mit einem Schwall schriller Obszönitäten und versuchte, mit schierer verbaler Widerwärtigkeit diese lachenden Mistkerle in ihrem eigenen Spiel zu schlagen, mit dem Ergebnis, dass er in ihrer Wertschätzung noch weiter sank. Ein rundum unfähiger Mann war schlimm genug, und ein junger unfähiger Einfaltspinsel, der noch grün hinter den Ohren war, war noch schlimmer, aber als er sich auch noch als Klugscheißer entpuppte – als er nicht nur jähzornig fluchte, sondern noch dazu mit dem abgehackten, hochnäsigen Akzent eines verwöhnten reichen Jungen -, das war zu viel.
Und dann eines Morgens nach dem Bajonettdrill, nachdem die Kompanie zum wöchentlichen Informations- und Bildungsunterricht in eine stickige Bretterbude marschiert war, sah er eine Möglichkeit, wie sich das Blatt für ihn vielleicht wenden könnte. Der Unterricht war so öde wie immer: zuerst ein Dokumentarfilm, der auf der Leinwand donnernd als zur Warum-wir-kämpfen-Serie gehörig angekündigt wurde und in einfältigen Worten und Bildern das Übel Nazideutschland erklärte, dann der heruntergeleierte Vortrag eines gelangweilten Unterleutnants, der alles noch einmal von vorn erklärte, und schließlich die Fragen.
Ein einige Plätze von Prentice entfernt sitzender Mann stand auf, um eine Frage zu stellen – ein ruhiger ehemaliger Artillerist aus Idaho, den er manchmal in der Bücherei eine Pfeife rauchen sah, ein Mann namens John Quint -, und von dem Augenblick an, in dem er zu sprechen begann, war Prentice in seinen Bann gezogen.
»Ich bin mit ein, zwei Punkten in dem Film, den wir gerade gesehen haben, nicht einverstanden, Sir. Mir ist aufgefallen, dass diese Dinge im Indoktrinationsprogramm der Armee immer wieder auftauchen, und ich glaube, wir täten gut daran, sie etwas gründlicher zu prüfen...«
Nicht das, was er sagte, war von Bedeutung, obwohl es interessant und wohlüberlegt war, sondern die bemerkenswerte Ungezwungenheit und Sicherheit, mit der er sprach. Hier stand ein Mann, der nicht älter als vierundzwanzig oder fünfundzwanzig sein konnte – und obendrein ein fast zimperlich wirkender Mann mit Brille, ein Mann, dessen Wortschatz und Ausdrucksweise ihn eindeutig als »gebildet« auswiesen -, und ohne die geringsten Zugeständnisse zu machen, ohne auch nur ansatzweise von oben herab zu sprechen, gehörte ihm die respektvolle Aufmerksamkeit jeder Dumpfbacke im Raum. Er erntete sogar ein paar Lacher – nicht, indem er ungeschickt in die Niederungen des G. I.-Humors hinabstieg, sondern dank gewandter und witziger Redewendungen, von denen Prentice nie vermutet hätte, dass sie sie verstehen würden. Er schob die Daumen in den Patronengurt, wandte sich höflich von einer Gruppe seiner Zuhörerschaft zur anderen, wobei seine Brillengläser im Licht aufblitzten, und benutzte Worte wie »grotesk« und »korrumpierbar«, während sein Rücken vom Schweiß des Bajonettdrills dunkel gefleckt war: Er bewies, dass man kein Rüpel sein musste, um Soldat zu sein.
Nachdem er geendet und sich wieder gesetzt hatte, wurde kurz Applaus laut.
»Ja«, sagte der Leutnant. »Danke. Ich finde, das haben Sie sehr gut ausgedrückt. Gibt es noch weitere Fragen?«